DFB vs. England
Wembley, Elfmeter, Drama: 7 legendäre Duelle
Tor oder nicht Tor? Im Finale Deutschland gegen England bei der WM 1966 im  Wembley-Stadion knallt der von Geoff Hurst (nicht im Bild) geschossene Ball hinter Torwart Hans Tilkowski von der Latte auf den Boden.
Tor oder nicht Tor? Im Finale Deutschland gegen England bei der WM 1966 im Wembley-Stadion knallt der von Geoff Hurst (nicht im Bild) geschossene Ball hinter Torwart Hans Tilkowski von der Latte auf den Boden.
Foto: dpa
EM 2021
London – Kein anderes Länderspiel ist so emotional wie dieser Fußball-Klassiker. Das sind die sieben größten Duelle, die in die Geschichte eingingen.

Das legendäre Wembley-Tor, zwei epische Elfmeter-Dramen und ein oftmals martialisches Medien-Getöse: Kein Nationen-Duell im Fußball ist historisch und emotional so aufgeladen wie das zwischen Deutschland und England. Das 37. steigt am Dienstagabend (18 Uhr) im EM-Achtelfinale in der Kultstätte Wembley.

Lesen Sie auch:

Wenn Franz Beckenbauer in früheren Jahren rastlos um den Globus flog und irgendwo die Rede auf Deutschland gegen England kam, dann sagte der Fußball-Kaiser in seinem bayerisch gefärbten Englisch stets einen Satz: „We call it a Klassiker!“

Der heute 75-jährige Beckenbauer ist ein besonderer Zeitzeuge. Beim WM-Finale 1966 mit dem Wembley-Tor der Engländer stand er als Spieler auf dem Platz. 24 Jahre später war er Teamchef der DFB-Auswahl, als diese auf dem Weg zum WM-Triumph die Engländer in Turin im Halbfinale in einem Elfer-Krimi besiegte.

Lesen Sie auch:

Ja, Deutschland gegen England ist ein Fußball-Klassiker. Es ist aber vor allem auch ein Turnier-Klassiker. Auch Joachim Löw hat an der deutsch-englischen Turniergeschichte bereits mitgeschrieben. So wie Thomas Müller beim WM-Achtelfinalsieg 2010 in Südafrika.

Lesen Sie auch:

36 Spiele gab es bisher. England führt mit 16 zu 13 Siegen. Aber die Statistik wird überstrahlt von einigen unvergesslichen Momenten:

Das Wembley-Tor

In der Verlängerung des WM-Endspiels 1966 England im  Wembley-Stadion fällt das umstrittene Tor zum 3:2. Englands Stürmer Geoffrey Hurst (rechts) knallt den Ball unter die Latte, der deutsche Torhüter Hans Tilkowski (links) kommt nicht an den Ball.
In der Verlängerung des WM-Endspiels 1966 England im Wembley-Stadion fällt das umstrittene Tor zum 3:2. Englands Stürmer Geoffrey Hurst (rechts) knallt den Ball unter die Latte, der deutsche Torhüter Hans Tilkowski (links) kommt nicht an den Ball.
Foto: dpa

30. Juli 1966, London: WM-Finale 1966 England, 2:4 n.V.

Drin oder nicht drin? 2:2 steht es in der Verlängerung, als Englands Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Latte knallt. Von dort springt das Leder auf die Torlinie und zurück ins Feld. Schiedsrichter Gottfried Dienst, ein Schweizer, entscheidet zunächst auf Eckball. Nach Rücksprache mit seinem sowjetischen Linienrichter Tofiq Bahramov entscheidet er auf Tor. Erst 35 Jahre später gesteht Hurst in seiner Autobiografie, dass der Ball nicht drin gewesen sei. „Nach dem Spiel waren wir alle so kaputt, dass in der Kabine über das Tor gar nicht groß diskutiert wurde“, erinnert sich Beckenbauer.

Lesen Sie auch:

Der erste deutsche Sieg in Wembley

29. April 1972, London: EM-Viertelfinale 1972, 3:1

Im EM-Viertelfinale, das damals noch vor der Endrunde in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, gelingt Deutschland der erste Sieg im Wembley-Stadion. „Das Spiel war das Größte an Spaß, was ich mir vorstellen konnte“, sagt Günter Netzer. Bei typisch britischem Dauerregen markiert er nach Toren von Uli Hoeneß und Gerd Müller per Elfmeter den Endstand. Netzer: „An diesem Tag wurde die Mannschaft geboren, die Europameister wurde.“

Das erste Elfmeter-Drama

Bodo Illgner pariert den  Elfmeter von  Stuart Pearce im WM-Halbfinale 1990.
Bodo Illgner pariert den Elfmeter von Stuart Pearce im WM-Halbfinale 1990.
Foto: picture alliance/dpa

4. Juli 1990, Turin: WM-Halbfinale 1990 Italien, 4:3 n.E. (1:1 n.V.)

Am Spieltag ruft Ehrenspielführer Fritz Walter im deutschen Teamhotel an und macht Mut. „Am 4. Juli sind wir unschlagbar“, erinnert er an das „Wunder von Bern“, den ersten deutschen WM-Titelgewinn 1954. Abends folgt das erste Elfmeter-Drama zwischen Deutschen und Engländern. Andi Brehme, Lothar Matthäus, Karl-Heinz Riedle und Olaf Thon verwandeln sicher. Bei den Engländern scheitert Stuart Pearce an Bodo Illgner, Chris Waddle schießt übers Tor. „Es war das beste Spiel der WM“, urteilt Brehme, der vier Tage später in Rom das Endspiel gegen Argentinien vom Elfmeterpunkt entscheidet.

Englisches Elfmeter-Trauma in Wembley

Andreas Möllers ikonische Siegerpose nachdem er den entscheidenden Elfmeter im EM-Halbfinale 1996 gegen England im  Wembley-Stadion verwandelt hat.
Andreas Möllers ikonische Siegerpose nachdem er den entscheidenden Elfmeter im EM-Halbfinale 1996 gegen England im Wembley-Stadion verwandelt hat.
Foto: Oliver Multhaup/dpa

26. Juni 1996, London: EM-Halbfinale 1996 England, 6:5 n.E. (1:1 n.V.)

In ihrem Fußball-Tempel Wembley haben die Engländer erneut das Nachsehen. Wieder versagen ihnen im Elfmeterschießen die Nerven. Bereits nach zwei Minuten gehen die Gastgeber durch Alan Shearer in Führung, Stefan Kuntz gleicht früh aus. In der Verlängerung hat die Elf von Berti Vogts viel Glück – und in Andreas Köpke einen tollen Rückhalt: Im Elfmeterschießen verwandeln die ersten fünf Schützen beider Teams. Dann scheitert Gareth Southgate an Köpke. Andy Möller verwandelt wuchtig. Vier Tage später ist Deutschland Europameister.

Lesen Sie auch:

Hamann reißt das alte Wembley ab

7. Oktober 2000, London: WM-Qualifikation 2002, 1:0

Knapp vier Monate nach dem 0:1 bei der EM im belgischen Charleroi, bei der beide Teams in der

Vorrunde blamabel scheitern, kommt es zur Revanche. Im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion schießt ausgerechnet England-Legionär Dietmar Hamann das Tor des Tages mit einem Freistoß aus 32 Metern. „Hamann schwingt die Abrissbirne“, lauten die Titelzeilen.

Lesen Sie auch:

Das Debakel von München

1. September 2001, München: WM-Qualifikation 2002, 1:5

Carsten Jancker bringt Deutschland in Führung. Danach nimmt das Debakel mit drei Treffern von Michael Owen seinen Lauf. Rudi Völlers Vater erleidet auf der Tribüne des Münchner Olympiastadions eine Herzattacke. Der Teamchef rast nach Spielende sofort ins Krankenhaus, die Spieler liegen am Boden. Der von Owen genarrte Abwehrrecke Christian Wörns stöhnt: „Jetzt gibt's nur eins: Nach Hause und Rollläden runter.“

Das umgekehrte Wembley-Tor

Das „umgekehrte Wembley-Tor“: Der Engländer Frank Lampard trifft im Achtelfinale der WM 2010 gegen Manuel Neuer, doch das Tor wird nicht gegeben.
Das „umgekehrte Wembley-Tor“: Der Engländer Frank Lampard trifft im Achtelfinale der WM 2010 gegen Manuel Neuer, doch das Tor wird nicht gegeben.
Foto: Jon Hrusa/EPA/dpa

27. Juni 2010, Bloemfontein: WM-Achtelfinale 2010 Südafrika, 4:1

Diesmal gibt es ein reguläres „Wembley-Tor“, das aber nicht gegeben wird und England ins Mark trifft. Beim Schuss von Frank Lampard prallt der Ball von der Unterkante der Latte deutlich hinter der Torlinie auf. Es wäre das 2:2 gewesen. Nach den Toren von Klose und Podolski gelingt dem damals 20 Jahre jungen Thomas Müller nach der Pause ein Doppelpack. „Das war eine taktische Meisterleistung von Jogi“, lobt Teammanager Oliver Bierhoff Bundestrainer Löw.

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: