„Das war wie in einem schlechten Film“, sagt Günther Beckstein. Als am 11. September vor 25 Jahren Al-Qaida-Terroristen zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York lenkten, war der heute 82-jährige CSU-Politiker aus Nürnberg bayerischer Innenminister.
Er habe gerade in einer Besprechung mit den Führungskräften des Innenministeriums gesessen, als ihn der Anruf erreichte – der Südturm war gerade von der ersten Maschine getroffen worden. „Wir haben einen Fernsehapparat eingeschaltet und dann quasi live miterlebt, wie in den zweiten der Twin Towers das Flugzeug hineingeflogen ist“, erinnert sich Beckstein.
Ab diesem Zeitpunkt sei allen im Raum klar gewesen, dass es sich nicht um einen tragischen Unfall, sondern um einen terroristischen Anschlag handelt.
Islamistischer Terror: Flugzeug als Tatwaffe
„Man hat sich das ja fast nicht vorstellen können, dass ein Flugzeug als Tatwaffe eingesetzt wird“, sagt der Nürnberger im Rückblick. Der islamistische Terror sei allerdings „nicht völlig aus dem blauen Himmel gekommen.“ Wenige Jahre zuvor, 1998, war in Bayern ein Islamist und mutmaßlich enger Vertrauter Osama bin Ladens festgenommen worden.
Beckstein hatte damals laut Medienberichten von einer „abstrakt erhöhten Gefährdungssituation“ gesprochen. Kurz vor den Anschlägen des 11. Septembers habe er noch bei einer Pressekonferenz über die aktuelle Sicherheitslage informiert und vor islamistischem Terror, insbesondere Al-Qaida, gewarnt, erinnert sich der frühere Innenminister.
Der Terrorakt sorgte auch hierzulande unmittelbar für politische Maßnahmen. Beckstein spricht von einem „beispiellosen Hochfahren aller Sicherheitsvorkehrungen“.
Höchste Alarmstufe in Bayern nach Terrorakt
Nachdem das Lagezentrum des Bundesinnenministeriums einen Terrorakt bestätigt habe, habe man in Bayern die höchste Alarmstufe eingeleitet und die Polizei alarmiert, er habe Gefährderansprachen durch die Polizei veranlasst und an den bayerischen Flughäfen seien die Sicherheitsvorkehrungen auf den höchstmöglichen Standard gebracht worden.
Später habe man alle möglichen Szenarien durchgespielt, also zum Beispiel Angriffe auf elektrische Versorgung oder auf die Sicherheit der Wasserversorgung, erinnert sich Beckstein. Mit Übungen habe man versucht, sich auf diese gezielt vorzubereiten.
Der bayerische Ministerrat brachte außerdem ein eigenes Sicherheitspaket auf den Weg, für welches Beckstein federführend war. Einige Wochen nach dem Attentat wurde es vom Landtag verabschiedet. Bayern war damit das erste Bundesland, das ein eigenes umfassendes Anti-Terror-Maßnahmenpaket als Ergänzung zu den bundesweiten Regelungen veranlasste.
890 neue Stellen bei Polizei und Verfassungsschutz
Damit wurden unter anderem 890 neue Stellen, vor allem bei der Polizei und dem Landesamt für Verfassungsschutz beschlossen und die Geheimdienstbefugnisse ausgeweitet. Für Diskussionen mit dem Datenschutzbeauftragten sorgte die präventive Rasterfahndung.
Was Günther Beckstein auch nach Jahrzehnten noch in Erinnerung geblieben ist, ist die politische Zusammenarbeit. Es sei zum Beispiel gemeinsam ein Terrorismusabwehrzentrum eingerichtet worden – 40 Behörden der Polizeien und der Nachrichtendienste des Bundes und der Länder sowie weitere Behörden waren laut dem Bundeskriminalamt beteiligt. Es besteht seit 2004 – bis heute.
„Zusammenarbeit ist damals auch auf eine völlig neue Stufe gestellt worden. Da hatten alle den Willen, über Länder- und Institutionsgrenzen hinweg zusammenzuhelfen“, sagt der 82-Jährige. In diesem Moment habe man nicht zwischen SPD- oder CDU/CSU-regierten Ländern unterschieden.
11. September 2001 begleitet Beckstein
Der 11. September begleitete Beckstein noch lange, auch nachdem er 2007 das Innenministerium verließ und Ministerpräsident wurde. Der islamistische Terror hat fortan in seiner politischen Karriere immer eine Rolle gespielt.
Nicht nur die USA habe der Angriff nachhaltig verändert, sondern auch Bayern und Deutschland: „Da hat sich das Gefährdungsbewusstsein natürlich nicht nur erhöht, sondern potenziert.“
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