Vor dem Angriff von Unbekannten auf ein israelisches Restaurant in München hat es nach Angaben des Lokals keine konkreten Drohungen gegen die Einrichtung gegeben. «Es gab keine direkten Drohungen», sagte der Schwager des Betreibers und Mitarbeiter des Lokals, Grigori Dratva, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben uns eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt.» Am Donnerstagabend sei das Restaurant bis 23.00 Uhr geöffnet gewesen. «Wir werden auch heute wieder öffnen», kündigte Dratva am Morgen an. «Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir machen auf.»
Er vermutet, dass die Täter politisch motiviert waren. «Also wir wollen natürlich nichts erfinden, niemandem was unterstellen, aber wir sind natürlich ein sichtbares israelisches Lokal, und da liegt halt die Vermutung nahe», sagte Dratva. Auch die Polizei geht mittlerweile von einem antisemitischen Hintergrund des Angriffs aus. Verletzt wurde niemand.
Attacke kurz nach Mitternacht
Die Einsatzzentrale der Polizei habe gegen 00.45 Uhr einen Anruf erhalten, wonach es in der Maxvorstadt an dem Lokal drei laute Knallgeräusche gegeben habe, sagte Polizeisprecher Tobias Schenk. Eine Streife stellte demnach vor Ort fest, dass Fensterscheiben des Lokals an drei Stellen defekt waren. Der Schaden wird auf mehreren Tausend Euro geschätzt.
Dratva zufolge sind die Scheiben des Restaurants, das im Innenbereich etwa 70 Plätze für Gäste anbietet, mittlerweile provisorisch verklebt. Sie sollen später repariert werden. Das Lokal betreibe sein Schwager seit 2007.
Nach dem Überfall islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 habe jemand einmal einen Aufkleber an eine Fensterscheibe geklebt mit dem propalästinensischen Slogan «Free Palestine». Die Polizei sei eingeschaltet worden, die Hintergründe seien allerdings unklar geblieben, sagte Dratva.
Viele antisemitische Vorfälle in Bayern
Nach dem Hamas-Massaker mit mehr als 1.000 getöteten Israelis am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg mit Tausenden zivilen palästinensischen Opfern ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) stark gestiegen.
Israel steht derzeit auch im Fokus wegen seiner Beteiligung am Krieg gegen den Iran sowie seines Kriegs mit der Hisbollah im Libanon. Erst am Mittwoch hatte die Armee dort schwere Angriffe gegen die Schiiten-Miliz geführt, denen nach libanesischen Angaben auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen. Aber auch unabhängig von den Nahost-Konflikten gibt es Antisemitismus, etwa in rechtsextremen Kreisen.










