Bayerns Arbeitsmarkt wird weiterhin von traditionellen Geschlechterrollen geprägt - was sich auch mit Blick auf weibliche Führungskräfte widerspiegelt. «Ergebnisse des Mikrozensus 2025 zeigen, dass Frauen nach wie vor überwiegend in Berufen im Sozial- oder Gesundheitswesen arbeiten, Männer hingegen eher in fertigungstechnischen Berufen», teilte das Statistische Landesamt in Fürth mit. Zugleich habe der Anteil weiblicher Führungskräfte im vergangenen Jahr bei 29 Prozent gelegen, also deutlich weniger als einem Drittel. Im vergangenen Jahrzehnt stieg der Frauenanteil an der Spitze gerade einmal um zwei Prozentpunkte.
«Geschlechterspezifische Unterschiede deutlich erkennbar»
Dem Statistischen Landesamts zufolge sind auf dem bayerischen Arbeitsmarkt «geschlechterspezifische Unterschiede deutlich erkennbar: So sind weibliche Erwerbstätige nach wie vor besonders häufig in Gesundheitsberufen, in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen und in Berufen in Unternehmensführung und -organisation beschäftigt.» In diesen Berufssegmenten liege der Anteil der Frauen bei über 60 Prozent, bei Gesundheitsberufen sogar bei 78 Prozent.
«Männliche Erwerbstätige arbeiten hingegen häufig in fertigungstechnischen Berufen, Verkehrs- und Logistikberufen sowie Bau- und Ausbauberufen», hieß es weiter. Ihr Anteil liege in diesen Segmenten bei über 75 Prozent, in fertigungstechnischen Berufen beispielsweise bei 84 Prozent und bei Bau- und Ausbauberufen sogar bei 90 Prozent.
Viele Gründe für stagnierende Frauenquote in der Chefetage
Ein auffälliges Geschlechterverhältnis findet sich auch bei den Führungskräften in Bayern: Von den 775.000 Menschen mit Entscheidungsbefugnis über Personal, Budget und Strategie sind 71 Prozent männlich und 29 Prozent weiblich. «Da gibt es nicht den einen Grund dafür», erläuterte Susanne Kohaut vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Einer davon: «Deutschland, vor allem Westdeutschland und damit auch Bayern, ist stark traditionell geprägt. Da ist es im Durchschnitt immer noch eher Sache der Frau, sich um die Kinder und die zu pflegenden Angehörigen zu kümmern und dafür auch die Karriere zurückzustellen.»
Hinzu komme, dass im üblichen Alter für eine Familiengründung in der Regel auch der Karrierepfad am steilsten sei. Außerdem arbeiten viele Frauen aufgrund ihrer familiären Verpflichtungen nur Teilzeit, wie Kohaut ergänzte. Damit könnten sie sich nur schwer profilieren - und wenn sie den Sprung an die Spitze wagen wollten, fänden sie nur wenige Führungspositionen mit Teilzeitmöglichkeit vor.
Darüber hinaus gibt es laut Kohaut zwei weitere Hauptfaktoren für die auch bundesweit stagnierende Zahl weiblicher Führungskräfte: «Stereotype sind immer noch sehr präsent: Frauen werden die zugewandten, eher pflegerisch-empathischen Eigenschaften zugeschrieben, und das sind genau die Eigenschaften, die man Führungskräften nicht zuschreibt - das sind eher männlich konnotierte Eigenschaften wie Durchsetzungskraft», schilderte Kohaut. «Und dann spielt auch eine Rolle, dass Männer auf der Führungsebene sehr gut vernetzt sind, die berühmten Boys Clubs, und da gibt es bei Frauen noch nicht so viel.»
Belegschaft weiblich - Führungsetage männlich
Die Folgen zeigen sich auch in Bayern: Einzig in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen und in Gesundheitsberufen gibt es mehr Chefinnen als Chefs. In den weiteren Berufen, in denen Frauen einen Großteil der Belegschaft stellen, sind jedoch über 60 Prozent der Führungskräfte männlich - etwa in den Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen, im Handel sowie in der Unternehmensführung und -organisation. Zum Teil ist der Frauenanteil in der Führung dort im Zehn-Jahres-Vergleich sogar gesunken.
«In fertigungstechnischen Berufen, Fertigungsberufen und Bau- und Ausbauberufen, in denen überwiegend Männer beschäftigt sind, liegen auch die Anteile männlicher Führungskräfte mit 90 Prozent oder mehr am höchsten», ergänzte das Landesamt. Auffällig sei, dass in IT- und naturwissenschaftlichen Berufen der Anteil männlicher Führungskräfte im vergangenen Jahrzehnt von 87 auf 78 Prozent gesunken sei. In der Branche sind inzwischen rund ein Viertel der Beschäftigten Frauen.
Insgesamt arbeiteten die rund 7,2 Millionen Erwerbstätigen in Bayern im Jahr 2025 besonders häufig in fertigungstechnischen Berufen, in Berufen der Unternehmensführung und -organisation, in unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen und im Gesundheitswesen. Es folgten soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe, Handel sowie Verkehr und Logistik.











