Mediziner warnen vor Panikmache nach den Malaria-Todesfällen im Umfeld des Frankfurter Flughafens – allerdings sollten die Behörden wachsam sein. Der Klimawandel, die Globalisierung und der zunehmende internationale Reiseverkehr dürften für einen Anstieg der Malaria-Fälle auch in Deutschland sorgen, wenn auch auf einem niedrigen Niveau, sagt der Tropenmediziner August Stich. «Man muss die Kirche im Dorf lassen», betont der Schwerpunktleiter für Infektiologie und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Würzburg.
Ähnlich äußerte sich Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München: «Ein Einzelfall einer Flughafen-Malaria in Bayern ist theoretisch möglich, aber nicht wahrscheinlich.»
Steigt die Gefahr mit dem Oktoberfest und Anreisen aus aller Welt?
Nein - durch das Oktoberfest steigt dieses Risiko nicht relevant an, sagt Spinner. «Trotz vieler internationaler Gäste ist das Risiko gering.» Für eine Flughafen-Malaria brauche es eine lebende, infizierte Anopheles-Mücke, die im Koffer oder Frachtraum mitreise und in Deutschland zusteche. «Ein infizierter Mensch kann die Erkrankung auf der Festwiese nicht direkt auf andere übertragen - eine Übertragungskette ist biologisch unter diesen Bedingungen ausgeschlossen.»
Was ist Malaria?
Malaria wird durch Parasiten (Plasmodium falciparum) verursacht, die vor allem durch Mücken übertragen werden. Reisende aus Deutschland infizieren sich meist in tropischen oder subtropischen Ländern.
Vor allem die schwerste Form, Malaria tropica, kann tödlich verlaufen. Laut dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten ist diese Form für mehr als 95 Prozent der Malaria-Todesfälle weltweit verantwortlich. Die Variante wurde auch bei den Patienten in Frankfurt/Main diagnostiziert.
Müssen sich Anwohner von Flughäfen in Bayern Sorgen machen?
Nein. Malaria in Deutschland zu bekommen, ohne zuvor in einem Malaria-Gebiet gewesen zu sein, sei sehr unwahrscheinlich. «Es ist nach wie vor sehr, sehr, sehr, sehr selten», sagt Stich. Dennoch sollten die Behörden das Phänomen kennen und ernsthaft zur Kenntnis nehmen, «aber es ist überhaupt kein Grund zur Panik oder zu einer Katastrophenstimmung». Verständlicherweise fühlten sich Menschen im Umfeld von Flughäfen nach den Todesfällen in Hessen verunsichert.
Spinner wie darauf hin, dass an den beiden kleineren bayerischen Flughafen in Memmingen und Nürnberg vor allem nationale und europäische Flüge abgewickelt werden, Direktverbindungen in die Tropen dort aber keine relevante Rolle spielen.
Was ist, wenn ich mich schlecht fühle?
Malaria-Symptome sind neben Fieber unter anderem Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Wichtig ist, möglichst früh einen Arzt aufzusuchen. Speziell im Winter sollte aber nicht jeder bei diesen Symptomen gleich an eine Malaria-Infektion denken.
In der kalten Jahreszeit überleben Moskitos, die im Frachtraum oder im Radlager von Fliegern von Afrika mitgebracht werden, schlecht, erläuterten die Mediziner. Im Sommer allerdings sollten Erkrankte aufmerksam sein – und vor allem Ärzte sollten an diese mögliche Infektion denken, wenn jemand starke Symptome habe und sich sein Zustand verschlechtere, sagt Stich.
Was ist das Tückische an Malaria?
Malaria lasse sich nicht durch eine körperliche Untersuchung erkennen, erläutert Stich. «Man kann es behandeln und man kann die Malaria auch komplett heilen, wenn man sie früh genug erkennt.» Genau da liegt das Problem: Wenn jemand vorher nicht in einem Malaria-Gebiet gewesen sei, liegt der Verdacht auf die Erkrankung nicht nahe. «Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass solche Ereignisse einfach immer mehr zu unserem Alltag dazugehören», sagt Stich.
Das Robert Koch-Institut warnt: «Eine fehlende Tropenreise bei Erkrankten kann dazu führen, dass die Diagnose erst verzögert gestellt wird. Eine verspätete Diagnosestellung erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.»
Steigt mit dem Klimawandel die Malaria-Gefahr hierzulande?
Höhere Temperaturen verlängerten das Überleben importierter Mücken nach der Landung - und beschleunigen die Parasitenentwicklung im Insekt geringfügig, sagt Spinner. «Der Klimawandel erhöht somit punktuell die Zeitfenster, in denen eine einzelne importierte Mücke hierzulande überleben und zustechen kann. Er macht Bayern aber auf absehbare Zeit nicht zu einem endemischen Malariagebiet.»
Der Haupttreiber bleibe das steigende Aufkommen im weltweiten Flug- und Frachtverkehr, sagt Spinner. «Je mehr Direktverbindungen aus Endemiegebieten bedient werden, desto höher ist die statistische Chance, dass vereinzelt infizierte Mücken als "blinde Passagiere" mitreisen.»
Grundsätzlich ist laut Stich bei vielen Infektionskrankheiten im Zuge des Klimawandels mit einem Anstieg der Fallzahlen und einer Ausbreitung der Erreger zu rechnen - siehe Denguefieber. Dieses Virus wird vor allem durch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti), auch Gelbfiebermücke genannt, übertragen.
Was sollten die Behörden tun?
Airport-Malaria ist nicht neu in Deutschland und kommt immer mal wieder vor. Daher gebe es auch in Bayern im Umfeld von Flughäfen ein Mücken-Monitoring, sagt Stich. «Das sind seltene Ereignisse, dass einem so ein Moskito ins Netz geht, aber man muss es machen, um zu sehen, ob jetzt eine Häufung auftritt.»








