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Arbeitslosigkeit in Bayern
Stagnation und Druck: So ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt
Agentur für Arbeit
Der bayerische Arbeitsmarkt bleibe unter Druck, heißt es bei der Regionaldirektion. (Symbolbild) // Sven Hoppe/dpa
von dpa
Nürnberg – Die Wirtschaftskrise zeigt sich in Bayern auf dem Arbeitsmarkt. Wirtschaft und Gewerkschaft haben unterschiedliche Ideen, um den Abschwung zu bremsen.
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So viele Arbeitslose in einem Februar wie zuletzt 2010, dazu mehr Langzeitarbeitslose: Die Lage auf dem bayerischen Arbeitsmarkt ist nicht gut. «Stagnation statt Aufschwung – auch im Februar sehen wir weiterhin keine Signale für eine Erholung am bayerischen Arbeitsmarkt», sagte Markus Schmitz, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, in Nürnberg.

Das sind die konkreten Zahlen

Die Zahl der Arbeitslosen sank im Februar im Vergleich zum Vormonat zwar um 3.716 auf 341.061, dennoch ist das der höchste Stand für einen Februar seit 2010. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,4 Prozent und bleibt unverändert zur Januar-Quote. Im Februar 2025 waren noch 14.549 weniger Menschen ohne Arbeitsstelle. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen lag im Februar bei 82.573 - das sind 9.334 mehr als noch vor einem Jahr. 

Schmitz sagte weiter: «Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten geht in Bayern im vierten Monat in Folge zurück, auch das ist kein gutes Zeichen. Die Chance, wieder in Arbeit zu kommen, ist weiter gesunken – der Arbeitsmarkt bleibt unter großem Druck.»

Die Forderungsliste der Wirtschaft

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) teilte mit, die für bayerische Verhältnisse hohe Arbeitslosenquote verdeutliche, dass der Wirtschaftsstandort tiefgreifende Probleme habe. «Vor allem in der Industrie ist die Arbeitsmarktlage schwierig», sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Der Verband fordert unter anderem Bürokratieabbau, die Senkung der Stromkosten und eine Reform der Sozialsysteme, vor allem bei der Rente. «Nur so bleiben wir auch zukünftig wirtschaftlich erfolgreich und können Arbeitsplätze erhalten», betonte Brossardt.

Gewerkschaft schlägt «Schutzschirm» vor

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangte von den Arbeitgebern, dass sie alles ausschöpfen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, wie der bayerische DGB-Chef Bernard Stiedl sagte. «Wer jetzt Personal abbaut, verspielt Vertrauen und riskiert den Verlust von Fachkräften, die morgen dringend gebraucht werden.» 

Die Staatsregierung solle jetzt einen bayernweiten Schutzschirm für gefährdete Arbeitsplätze und Standorte aufspannen mit klaren Investitionszusagen, gezielten Transformationshilfen und einer breit angelegten Qualifizierungsoffensive.

Ministerin verteidigt Minijobs

Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) forderte ein Ende der Diskussion um Minijobs. Wer einen Abgesang auf diese Jobs halte, verkenne, dass auch sie einen Beitrag leisteten, Arbeit und Aufschwung zu schaffen. Beschäftigte und die Wirtschaft verlangten Flexibilität, sagte Scharf: «Hier spielen Minijobs eine zentrale Rolle.» Minijobs seien für viele Arbeitslose eine wichtige Brücke zurück in den Arbeitsmarkt. «Sie ermöglichen es Unternehmen, flexibel zu agieren und Auftragsspitzen abzufedern.»

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