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Politscher Rosenmontag
Duell mit ungleichen Waffen: Narren gegen Autokraten
Rosenmontag am Rhein - Düsseldorf
Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly lässt sich nicht dadurch einschüchtern, dass er in Russland angeklagt worden ist. // Federico Gambarini/dpa
Rosenmontag am Rhein - Köln
Mitglieder des ukrainischen Hilfsvereins Blau-Gelbes Kreuz halten im Kölner Rosenmontagszug Plakate mit früheren Putin-Darstellungen aus den Zügen in Köln und Düsseldorf hoch. // Oliver Berg/dpa
von dpa
Köln/Düsseldorf/Mainz – In den Karnevalshochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf rollen die Rosenmontagszüge. Dass Spott und Satire nicht ohne Risiko sind, musste zuletzt Wagenbauer Jacques Tilly feststellen. Einschüchtern lässt er sich dadurch nicht.

Mit den großen Karnevalszügen hat der Straßenkarneval an Rosenmontag seinen Höhepunkt erreicht. In Köln setzte sich am Vormittag der größte Zug mit circa 11.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, 60 Kapellen und 21 Persiflagewagen in Bewegung. In Mainz startete der Zug pünktlich um 11.11 Uhr.

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Mit besonderer Spannung erwartet wurden diesmal die Düsseldorfer Rosenmontagswagen, weil Wagenbauer Jacques Tilly aktuell von der russischen Justiz verfolgt wird. Dennoch ist der russische Präsident Wladimir Putin gleich dreimal auf den 13 Motivwagen in Düsseldorf vertreten: Einmal steuert er eine blaue Drohne mit der Aufschrift AfD, ein weiterer Wagen zeigt ihn mit US-Präsident Donald Trump, wie beide Europa verspeisen. 

Rosenmontag am Rhein - Köln
Der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn solidarisiert sich mit dem Spruch «Met all sin Tilly» mit dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly. // Oliver Berg/dpa

Kölner Karnevalisten solidarisieren sich mit Tilly

Der dritte Putin-Wagen nimmt die juristische Verfolgung Tillys ins Visier: Ein grimmig dreinschauender Putin spießt einen kleinen Karnevalsnarren mit dem Schwert auf. «Dieser Wagen ist unser närrischer Kommentar zu der ganzen Sache», sagte Tilly der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist ein Duell mit sehr ungleichen Waffen. Auf der einen Seite die Waffen des russischen Staates, die recht scharf sind. Und dann eben unsere Waffe, das ist einfach nur die Satire, die ist nur aus Pappe, die kann nicht töten. Es ist ein sehr ungleiches Duell», erläuterte der 62-Jährige. 

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Die Kölner Karnevalisten solidarisierten sich mit Tilly, indem ihr Präsident Christoph Kuckelkorn an seinem Wagen die kölsche Losung «Mer all sin Tilly» (Wir alle sind Tilly) befestigte. «Was ihm da widerfahren ist, ist unsagbar, für uns nicht aushaltbar, und da ist natürlich auch ganz klar, dass wir zusammenstehen wie eine Wand», sagte Kuckelkorn zu der Solidarität mit Tilly. Mitglieder des ukrainischen Hilfsvereins Blau-Gelbes Kreuz, die im Kölner Rosenmontagszug mitlaufen, zeigten Plakate mit früheren Putin-Satiren von Tilly auch aus Köln.

Rosenmontag am Rhein - Düsseldorf
Putin und Trump verspeisen Europa im Düsseldorfer Rosenmontagszug. // Federico Gambarini/dpa

Ein weiterer Düsseldorfer Wagen prangert das iranische Mullah-Regime an. Sexualstraftäter Jeffrey Epstein feiert eine dämonische «Wiederauferstehung» als Pappmaché-Figur mit Hörnern und Flügeln. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sind ebenfalls mit von der Partie: Sie fahren einen Verbrenner in Form eines fossilen Dinosauriers, der längst zum Skelett mutiert ist. 

Donald Trump zerdrückt die Freiheitsstatue

Die Kölner Persiflagewagen zeigen unter anderem US-Präsident Trump, dessen Gesäß mit Küssen etwa von «Merz», «Macron» und «Nato» übersät ist. Auf einem anderen Wagen sieht man eine blaue AfD-Schlange, die im Stil der Python Kaa aus dem «Dschungelbuch» einen deutschen Michel umschlingt. 

Frau liegt auf dem Sofa und liest am Smartphone

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In Mainz schießt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit Pfeil und Bogen auf heranfliegende Drohnen. Trump zerdrückt die Freiheitsstatue beim Tanzen, und Söder fährt mit Bier, Fleischbergen und «Worscht gegen Wokeness» mit. 

Putin ist im Mainzer Zug nicht mit dabei. Er und sein Krieg gegen die Ukraine seien in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Thema gewesen und man wolle «eine gewisse Redundanz vermeiden», sagte ein Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV).

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