Am 24. Februar jährt sich Russlands Angriff auf die Ukraine zum ersten Mal. Anlass genug, sich die Datenlage anzusehen.
Zahlreiche tote und verletzte Zivilisten
Ob durch Bombenangriffen oder bei Massakern wie in Butscha: Der Krieg hat bislang viele Opfer in der ukrainischen Zivilbevölkerung gefordert. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) bestätigt bislang (Stand: 15. Februar) 8.006 Todesopfer, darunter 487 Kinder.
Verletzt wurden demnach 13.287 ukrainische Zivilisten, darunter 954 Kinder.
Das OHCHR geht allerdings davon aus, dass die tatsächliche Anzahl an Verletzten und Toten wesentlich höher ist.
Ukrainer auf der Flucht
Etwa acht Millionen Menschen sind laut UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) seit Kriegsausbruch aus der Ukraine geflohen (Stand: 15. Februar). Sie stehen unter dem temporären Schutz eines Drittstaates.
Die meisten Geflüchteten, 2.852.395 Personen, haben sich in Russland niedergelassen. Spitzenreiter in der EU ist Polen, wo 1.563.386 Menschen aufgenommen wurden, gefolgt von Deutschland mit 1.055.323 und Tschechien mit 490.802 Personen.
Eine andere Schätzung des UNHCR nennt die Zahl von 18,8 Millionen Geflüchteten aus der Ukraine. Hier werden jedoch nicht registrierte Personen, sondern Grenzübertritte zu Nachbarländern gezählt. Auf eine Person kommen so gegebenenfalls mehrere Übertritte.
Doch auch innerhalb der Ukraine sind Menschen aus stark betroffenen in weniger stark betroffene Gebiete geflohen. Rund 5,35 Millionen Menschen wurden so laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zu Binnenflüchtlingen.
Geflüchtete in Oberfranken
Insgesamt leben derzeit (Stand: 20.02.) 13.200 Geflüchtete Ukrainer in Oberfranken. Die meisten sind laut Regierung von Oberfranken in den Landkreisen Forchheim (1.614), Bayreuth (1.203) und Bamberg (1.156) sowie der Stadt Hof (1.450) untergebracht.
Jeder dritte Geflüchtete will in Deutschland bleiben
Ein Drittel der geflüchteten Ukrainer möchte für immer oder zumindest für mehrere Jahre in Deutschland bleiben. Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, bei der unter anderem das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migranten und Flüchtlinge sowie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beteiligt war.
Demnach wollen 37 Prozent der Befragten (länger) in Deutschland bleiben, weitere 34 Prozent bis Kriegsende. 27 Prozent sind noch unentschieden und zwei Prozent wollen Deutschland innerhalb eines Jahres wieder verlassen.
Chance im Kampf gegen Fachkräftemangel?
Die Studie zeigt auch: Der Großteil der Geflüchteten hat in Relation zur Gesamtbevölkerung der Ukraine ein hohes Bildungsniveau: 72 Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss.
Damit könnte sich eine große Chance für den von Fachkräftemangel geplagten Arbeitsmarkt ergeben, auch in Bayern.
Wie Ralf Holtzwart, Leiter der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, am Donnerstag laut dpa bei einer Pressekonferenz berichtet, würden viele der meist weiblichen Geflüchteten im April und Mai ihre Integrationskurse abschließen und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
150.000 Menschen kamen seinen Informationen zufolge seit Kriegsbeginn aus der Ukraine nach Bayern, davon seien rund 57.000 erwerbsfähig, also weder Kinder noch Rentner.
12.188 Menschen seien bereits sozialversicherungspflichtig beschäftigt, knapp 22.000 arbeitslos. Die Übrigen befänden sich in Integrations- und Sprachkursen. "Deutlich unter 10.000 Arbeitslose – da wollen wir hin", sagte Holtzwart.
Junge Ukrainer bereits in bayerischen Schulen untergekommen
In Bayern geht der Großteil der geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine mittlerweile zur Schule.
Während Kinder im Grundschulalter in der Regel in den Regelklassen untergekommen sind, gehen Ältere meist in sogenannte Brückenklassen, in denen vor allem das Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund steht.
Laut Kultusministerium besuchen im laufenden Schuljahr rund 30.000 Geflüchtete aus der Ukraine bayerische Grundschulen und Brückenklassen.
In Oberfranken gehen (Stand: 23.02.) insgesamt 2.615 Kinder und Jugendliche zur Schule. Die meisten entfallen auf Grund- und Mittelschulen: Insgesamt 1756 Schülerinnen und Schüler besuchten hier den Unterricht, davon 533 in Brückenklassen.
In Mittelfranken besuchen derzeit (Stand: 23.02.) 4.558 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine den Unterricht.
In Unterfranken sind es (Stand: 23.02.) insgesamt 3.054 Kinder und Jugendliche. Auch hier entfällt der Großteil auf Grund- und Mittelschulen, insgesamt 1930 Schülerinnen und Schüler sind hier untergebracht, meist in Brückenklassen.
Ukrainische Geflüchtete nach Schulamtsbezirken
Quelle: Staatliche Schulämter
Ansbach: Aktuell besuchen zirka 300 ukrainische Schülerinnen und Schüler die Schulen in Stadt und Landkreis Ansbach, wobei die Zahlen immer etwas schwanken. Davon gehen 126 in Regelklassen und 174 in Brückenklassen. Es gibt zwölf Brückenklassen in Stadt und Landkreis Ansbach.
Aschaffenburg: aktuell kurzfristig keine Auskunft möglich
Bad Kissingen: Insgesamt sind 303 Schüler und Schülerinnen an den Schulen angemeldet, davon befinden sich 108 Schüler und Schülerinnen in Brückenklassen (Mittel-, Realschulen, Gymnasien); 162 in Regelklassen; 33 Schüler und Schülerinnen in der Sprachförderklasse der Berufsschule.
Bamberg: In der Stadt Bamberg gehen derzeit 217 ukrainische Kinder und Jugendliche zur Schule, davon 123 in Brückenklassen an weiterführenden Schulen. Im Landkreis sind es insgesamt 230 Kinder, 88 in Brückenklassen an weiterführenden Schulen.
Bayreuth: Im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Schulamts befinden sich derzeit 507 Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen aus der Ukraine, die auf Schulen verteilt sind. Ab der 5. Jahrgangsstufe besuchen die meisten dieser Schülerinnen und Schüler speziell eingerichtete Brückenklassen und nur vereinzelt ist ihnen, abhängig vom Sprachniveau, auch der Besuch von Regelklassen möglich.
Coburg: In der Stadt Coburg sind insgesamt 99 ukrainische Schülerinnen und Schüler an Grund- und Mittelschulen angemeldet, davon 37 in Brückenklassen. Auch im Landkreis sind es 99 Kinder und Jugendliche, 26 davon in Brückenklassen.
Forchheim: Insgesamt besuchen aktuell 289 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine Schulen im Landkreis Forchheim. Davon sind 148 in zehn Brückenklassen, 115 in Regelklassen und 26 in Sprachförderklassen.
Fürth: Im Landkreis Führt besuchen 224 Schülerinnen und Schüler den Unterricht, 107 davon in Brückenklassen. In der Stadt sind es insgesamt 342 Kinder, 200 davon in Brückenklassen.
Haßberge: Insgesamt 129 Geflüchtete besuchen den Unterricht im Landkreis Haßberge. 58 ukrainische Kinder sind in den Regelklassen der Grundschulen, 71 Kinder an weiterführenden Schulen in sechs Brückenklassen.
Hof: Insgesamt werden im Landkreis Hof 123 Schülerinnen und Schüler an Grund- und Mittelschulen beschult. 17 davon in Brückenklassen. 75 Kinder besuchen die Regelklassen an Grundschulen.
Kitzingen: Insgesamt sind 215 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine an den Schulen angemeldet, 96 davon in Brückenklassen.
Kronach: In Kronach sind 121 ukrainische Schülerinnen und Schüler angemeldet, 74 davon besuchen Brückenklassen.
Kulmbach: In die Grund- und Mittelschulen gehen insgesamt 164 Schülerinnen und Schüler. Davon geht knapp die Hälfte 80 an die Grundschule und die anderen 84 in die Brückenklassen der weiterführenden Schulen wie Mittelschulen.
Lichtenfels: Insgesamt besuchen 135 Geflüchtete Schulen im Landkreis. 65 Kinder gehen in die Regelklassen an Grund- und Mittelschulen, 25 weitere in die Brückenklassen der Herzog-Otto Mittelschule Lichtenfels und der Adam-Riese-Mittelschule Bad Staffelstein. 45 weitere Schülerinnen und Schüler gehen in die Brückenklassen der Gymnasien Lichtenfels und Burgkunstadt sowie der Realschule Burgkunstadt.
Miltenberg: derzeit keine Auskunft möglich
Nürnberg: In Nürnberg besuchen 1.265 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine den Unterricht, 685 in Brückenklassen, 580 in Regelklassen der Grundschulen.
Nürnberger Land: Insgesamt sind 322 ukrainische Schülerinnen und Schüler an den Schulen angemeldet, 150 davon in Brückenklassen. 114 Kinder gehen zur Grundschule.
Rhön- Grabenfeld: Insgesamt sind 213 Schülerinnen und Schüler angemeldet, 109 in Brückenklassen.
Roth + Schwabach (Doppelschulamtsbezirk): Insgesamt besuchen 267 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine den Unterricht, darunter 112 Grundschülerinnen und -schüler und 139 Kinder und Jugendliche in Regelklassen.
Weißenburg-Gunzenhausen: Insgesamt sind 277 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine an den Schulen angemeldet, 104 davon an Grundschulen.
Würzburg: 203 ukrainische Geflüchtete in Brückenklassen an Mittelschulen, 242 in Grundschulen
Wunsiedel: Aktuell gehen 205 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine im Landkreis zur Schule.
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