Waffensystem versagt
Pannen-Puma bringt Bundeswehr in Nöte
Ein Schützenpanzer vom Typ Puma fährt bei der Vorbereitung zu einer Informationslehrübung  über einen Übungsplatz.
Ein Schützenpanzer vom Typ Puma fährt bei der Vorbereitung zu einer Informationslehrübung über einen Übungsplatz.
Philipp Schulze/dpa
Stefan Lange von Stefan Lange, Bernhard Junginger Fränkischer Tag
Berlin – Neuer Schützenpanzer macht schlapp: In der Nato-Eingreiftruppe muss nun ein Oldtimer Dienst tun. Ausrüstungspleiten gehen weiter in Serie.

Es ist ein gewaltiger Rückschlag für die geplante Ertüchtigung der Bundeswehr: Nach einer Pannenserie hat das Verteidigungsministerium den Kauf weiterer Puma-Schützenpanzer auf Eis gelegt. „Bevor sich das Fahrzeug nicht als stabil erweist, wird es kein zweites Los geben. Die Kritik aus dem Parlament ist vollkommen berechtigt“, sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht am Montag in Berlin.

Lambrecht: Bundeswehr wird Bündnisverpflichtungen erfüllen

Die Truppe müsse sich darauf verlassen können, „dass Waffensysteme auch im Gefecht robust und standfest sind“. Die SPD-Politikerin kündigte an, dass sich die Nato weiter auf die deutsche „Pflichterfüllung bei der VJTF verlassen“ könne. Das Kürzel steht für „Very High Readiness Joint Task Force“, die schnelle Eingreiftruppe des westlichen Verteidigungsbündnisses in Osteuropa.

Diese war bereits 2014 als Reaktion auf die russische Annexion der Krim aufgestellt worden und hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine massiv an Bedeutung gewonnen. Deutschland soll der Eingreiftruppe unter anderem Panzer mit ganz bestimmten Ausstattungsmerkmalen bereitstellen, vorgesehen war der moderne Schützenpanzer Puma.

Doch bei einer Übung für die VJTF im Dezember an einem ostdeutschen Bundeswehrstandort waren binnen weniger Tage alle 18 eingesetzten Pumas ausgefallen. Berichten zufolge macht vor allem die Elektronik der Fahrzeuge Probleme.

Das bewährte Waffensystem Marder möchte auch die Ukraine

Im Rahmen der Nato-Verpflichtungen soll nun das mehr als fünf Jahrzehnte alte Vorgängermodell eingesetzt werden. Lambrecht sagte: „Wir haben den Schützenpanzer Marder bereits bei den Vorbereitungen eingeplant und das hat sich als klug erwiesen.“

Den Marder wünscht sich derzeit auch die Ukraine zur Verteidigung gegen die russischen Invasoren. Doch die Bundesregierung hat einer Lieferung bislang nicht zugestimmt.

Union beklagt: Pleite, Pech und Pannen gehen in Serie bei Bundeswehrausrüstung weiter

Aus der Union kommt in der Debatte um das Puma-Debakel scharfe Kritik an Lambrecht. Wehrpolitiker Florian Hahn (CSU) sagte unserer Redaktion: „Nach Munitionsdebakel, F-35 und schlechter Haushaltsplanung setzt sich nun beim Schützenpanzer Puma die Serie der Unfähigkeit fort. Die Ministerin setzt die falschen Schwerpunkte.“

Es sei zudem „kaum vorstellbar, dass so ein eklatanter Missstand letzte Woche noch nicht bekannt war, als der Bundestag 850 Millionen Euro für die Zukunft des Pumas bewilligt hat“, so Hahn weiter. Er fordere deshalb unverzügliche und lückenlose Aufklärung.

Parlament über Untauglichkeit der Pumas getäuscht: Soldaten in Gefahr

Hahns Vorwurf wiegt schwer: „Hier wurde offensichtlich das Parlament ein weiteres Mal hinters Licht geführt. Diese Schlamperei schwächt unsere Bundeswehr, statt sie wie versprochen zu stärken.“ Damit werde das deutsche Ansehen in der Nato verspielt, klagt er.

Verteidigungspolitiker Marcus Faber von der FDP verweist dagegen auf den Umstand, dass die Probleme mit dem Marder-Nachfolger keineswegs neu seien. „Die Pumas haben seit Jahren mit Kinderkrankheiten zu tun.“

Schlamperei: Hochmoderne Technik soll zu selten gewartet worden sein

Für die rund 350 gelieferten Exemplare sollen insgesamt rund sechs Milliarden Euro fällig werden. Erst im vergangenen Jahr wurde dem Panzer, der zwar als hochmodern, aber auch als schwer und störanfällig gilt, die Einsatzfähigkeit bescheinigt. Möglicherweise voreilig.

Zu den Ursachen der Pannenserie sagte Faber: „In diesem Fall wurden wohl Instandhaltungsintervalle nicht eingehalten und so ein gehäufter Ausfall provoziert. Das müssen wir im Verteidigungsausschuss aufarbeiten.“

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