0
Kunst und Krieg
EU stellt Unterstützung für Kunstbiennale in Venedig ein
Russischer Pavillon der Biennale
Der russische Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig ist umstritten. (Archivbild) // Felix Hörhager/dpa
Kunstbiennale 2026 Venedig
Demonstranten erinnern im Mai vor dem russischen Pavillon an den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. (Archivbild) // Felix Hörhager/dpa
von dpa
Brüssel/Venedig – Russland nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Angriff auf die Ukraine an der Kunstbiennale in Venedig teil. Dagegen gab es Proteste. Jetzt ist eine Entscheidung zur EU-Unterstützung gefallen.
Artikel anhören

Die EU stellt die Förderung der Kunstbiennale von Venedig wegen der umstrittenen Teilnahme Russlands ein. Die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) habe nach der rechtlichen Bewertung und Empfehlung der EU-Kommission beschlossen, den laufenden, mit zwei Millionen Euro dotierten Zuschuss an die Fondazione La Biennale di Venezia zu beenden, teilte ein Kommissionssprecher in Brüssel mit.

«Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden», erläuterte der Sprecher. 

Die Leitung der Kunstbiennale bezeichnete die Streichung der Zuschüsse aus Brüssel als längst erwartete «politische Entscheidung», gegen die man vorgehen werde. Sie habe jedoch «keine signifikanten Auswirkungen auf das Budget, den Haushalt oder auf geplante oder laufende Aktivitäten».

Die Kunstbiennale in Venedig zählt zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. In diesem Jahr findet sie vom 9. Mai bis 22. November statt. Mit dem Zuschuss half die EU bei der Unterstützung von Filmproduzenten und immersiver Technik. Die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur verwaltet Mittel für Bildung, Kultur, audiovisuelle Medien, Sport, Bürgerbeteiligung und Freiwilligenarbeit. 

Russischer Pavillon bleibt geschlossen

Russland nimmt erstmals seit Beginn seiner Invasion in der Ukraine an der Kunstbiennale teil. Rund 50 vom russischen Staat handverlesene Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt «Der Baum ist im Himmel verwurzelt».

Zwar bleibt der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist, für ein breites Publikum geschlossen, Besucher sehen aber draußen die Installation auf einem großen Bildschirm. Das sei von Anfang an so geplant gewesen, sagte die umstrittene Kuratorin Anastassija Karnejewa, Tochter eines beim Staatskonzern Rostec tätigen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals. Russland sieht die Teilnahme als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. 

Tausende Kulturdenkmäler in der Ukraine zerstört

Schon nach der Ankündigung Russlands hatte es Kritik gegeben. Verurteilt wurde die russische Kulturoffensive als Teil von Moskaus «hybrider Kriegsführung». 

Die Ukraine protestierte gegen Russlands Teilnahme, auch weil im Zuge des Moskauer Krieges nach offiziellen Angaben Kiews mittlerweile Tausende Kulturdenkmäler und andere kulturelle Einrichtungen zerstört oder beschädigt wurden. Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna gaben an, dass die designierte Leiterin des russischen Pavillons Kontakte zur Rüstungsindustrie ihres Landes habe.

Mitglieder der EU-Kommission hatten im März angekündigt, man werde die Aussetzung oder Beendigung des laufenden EU-Zuschusses an die Biennale-Stiftung prüfen. «Diese Entscheidung der Fondazione Biennale ist nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands», kritisierten Glenn Micallef und Henna Virkkunen. 

Viel Andrang für Biennale

Trotz oder möglicherweise auch infolge der Kontroverse lagen die Besucherzahlen nach Schätzungen in den ersten beiden Monaten deutlich höher als zu Beginn der Kunstbiennale 2024. Die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete Mitte Juli unter Berufung auf Quellen in Venedig von einem Besucherplus von 20 Prozent. 

Vor vielen nationalen Pavillons gebe es immer wieder lange Schlangen. Sollte sich der Trend fortsetzen, würde die aktuelle Ausgabe zur bestbesuchten Kunstbiennale ihrer mehr als 125-jährigen Geschichte. Die Ausstellung dauert noch bis zum 22. November.

Inhalt teilen
  • kopiert!