Der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, ist nach Medienberichten von einem Gericht in Oslo für 34 Straftaten zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Von zwei von vier Vergewaltigungsvorwürfen nach norwegischem Recht wurde Høiby laut der Zeitung «Verdens Gang» freigesprochen. Einer dieser Freisprüche gilt dem schwersten Vorwurf: der Vergewaltigung mit Penetration mit dem Penis. In zwei anderen Fällen hielt ihn das Gericht dagegen für schuldig.
Vier Frauen muss der Norweger eine Entschädigung zahlen, darunter zwei Ex-Freundinnen. Høiby verfolgte das Urteil aus gesundheitlichen Gründen nicht im Gerichtssaal mit, sondern über eine Videoschalte aus dem Gefängnis. Gegen das Urteil kann noch Berufung eingelegt werden. Dafür haben beide Seiten zwei Wochen Zeit. Høiby werde darüber aber voraussichtlich nicht mehr heute entscheiden, teilte das Gericht laut der Nachrichtenagentur NTB mit. Dagegen beantragte der Norweger sofort nach dem Urteil erneut die Freilassung aus der Untersuchungshaft. Das hatte er erst kürzlich mit Verweis auf die schwere Lungenkrankheit seiner Mutter Mette-Marit versucht, jedoch ohne Erfolg.
Høiby für zwei von vier Vergewaltigungs-Fällen verurteilt
Einer der Vergewaltigungs-Fälle, in denen die Richter Høiby für schuldig halten, hatte sich am Sitz der Kronprinzenfamilie abgespielt. «Es wurde Videomaterial in dem Fall vorgelegt. Die Aufnahmen zeigen sexuelle Handlungen und das Eindringen mit dem Finger», sagte der Vorsitzende Richter laut «Verdens Gang». «Die Geschädigte liegt völlig still da, es sind keine Geräusche zu hören.» Deshalb sehe das Gericht es für erwiesen an, dass sie während der Aufnahmen geschlafen habe. Auch für einen ähnlichen Vorfall in der Wohnung einer Frau, die Høiby bei einem Fest kennengelernt hatte, wurde er demnach verurteilt.
Dass er im Surfurlaub auf den Lofoten eine Bekanntschaft vergewaltigt hatte, sahen die Richter dagegen nicht als bewiesen an. «Das Gericht ist zu dem Schluss gekommen, dass begründete Zweifel bestehen», zitierte die Zeitung «Verdens Gang» den Vorsitzenden Richter. Es war der einzige Fall, in dem Høiby laut Anklage mit dem Penis in die Vagina einer Frau eingedrungen sein sollte, während diese schlief. In einem weiteren Fall, in dem Høiby eine Frau in einem Hotel in Oslo nach norwegischem Recht vergewaltigt haben sollte, wurde er den Angaben zufolge ebenfalls freigesprochen. Verurteilt wurde er demnach aber wie in anderen Fällen dafür, dass er die Frau ohne ihr Wissen gefilmt hatte.
Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung dürften zufrieden mit dem Urteil sein. Die Anklage wollte den Norweger für sieben Jahre und sieben Monate hinter Gittern sehen. Høibys Verteidiger hatten dagegen zum Abschluss der wochenlangen Gerichtsverhandlung im März einen Freispruch von den Vergewaltigungs-Vorwürfen gefordert und auf eineinhalb Jahre Haft für ihren Mandanten plädiert.
Drogen, Gewalt, Missbrauch: Die Liste der Vorwürfe war lang
Mehrere der Taten hatte der 29-Jährige gestanden. Dabei geht es etwa um Fälle von Körperverletzung und Vandalismus, Verstöße gegen ein Kontaktverbot zu einer Ex-Freundin, die norwegische Medien nach dem Osloer Stadtteil Frogner «Frogner-Frau» nennen, verschiedene Verkehrsdelikte sowie den Transport von 3,5 Kilo Marihuana. In zwei Verstößen gegen das Kontaktverbot wurde Høiby nun freigesprochen, in den übrigen Punkten verurteilt. Außerdem sah das Gericht es als erwiesen an, dass der Norweger eine andere Ex-Freundin in der Beziehung der beiden missbraucht hatte. «Es liegen mehrere Gewalttaten vor», sagte der Vorsitzende Richter laut «Verdens Gang». «Aber im Mittelpunkt steht besonders die psychische Misshandlung.»
Diesen Vorwurf hatte Høiby bestritten - genau wie die vorgeworfenen Vergewaltigungen der vier Frauen, während diese schliefen. Während er mit den Frauen zusammen war, hatte Høiby diese gefilmt und fotografiert - auch dafür wurde er den Berichten zufolge nun verurteilt. Foto- und Videoaufnahmen auf den Handys des Norwegers hatten in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft eine wichtige Rolle gespielt.
«Hassobjekt von ganz Norwegen»: Høibys Kampf mit den Medien
Unter Tränen hatte Høiby in dem Prozess die Medien angeklagt, von denen er seit frühester Kindheit verfolgt worden sei. Sich selbst hatte er als «Monster» in der öffentlichen Wahrnehmung und «Hassobjekt von ganz Norwegen» bezeichnet. Høiby war noch ein Kleinkind, als seine Mutter Mette-Marit den norwegischen Kronprinzen kennenlernte. Später war er auf Abwege geraten.
Im August 2024 nahm die Polizei ihn zum ersten Mal fest. In der Wohnung seiner damaligen Freundin hatte er randaliert, gab später zu, der Frau gegenüber gewalttätig geworden zu sein. Im Laufe der Ermittlungen kamen immer mehr Vorwürfe ans Licht. Kurz vor dem Prozess nahm die Polizei Høiby erneut fest - er hatte gegen ein Kontaktverbot gegenüber seiner Ex-Freundin verstoßen. Seitdem sitzt der 29-Jährige in Untersuchungshaft.
Trotz Drama um schwer kranke Mutter: Høiby bis zuletzt in U-Haft
Mehrfach versuchte Mette-Marits Sohn während des Prozesses und danach, aus der U-Haft freizukommen - notfalls mit elektronischer Fußfessel. Erst kurz vor der Urteilsverkündung hatte er noch einmal einen Versuch gestartet, diesmal mit Verweis auf den Gesundheitszustand seiner Mutter. Die Kronprinzessin leidet an einer unheilbaren, chronischen Lungenkrankheit und braucht nach Angaben des norwegischen Hofs dringend eine neue Lunge. Ihr Zustand hatte sich in den vergangenen Monaten demnach dramatisch verschlechtert. Høiby hatte es als unerträglich bezeichnet, nicht bei seiner Mutter sein zu können. Sein Antrag wurde jedoch in zweiter Instanz abgelehnt. Nach seinem Urteil versucht er es nun erneut.














