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Arbeitsmarkt
Mehr Lehrlinge im Handwerk
Immer mehr junge Menschen halten Handwerksberufe für zukunftssicher.
Immer mehr junge Menschen halten Handwerksberufe für zukunftssicher. // Oliver berg, dpa
Signet des Fränkischen Tags von Daniel Wirsching
München – Künstliche Intelligenz verändert viele Branchen. Junge Menschen entscheiden sich deswegen oft für Berufe, die davon weniger stark betroffen sind.

Das bayerische Handwerk verzeichnet in den ersten Monaten dieses Jahres ein deutliches Plus an neuen Lehrverträgen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, Januar bis Ende Mai, betrage es 2,2 Prozent, teilte der Bayerische Handwerkstag mit. Demnach ist die Zahl der Ausbildungsverträge von 9930 auf 10.144 gestiegen. Eine Erklärung dafür sei die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz. „KI wird das Handwerk nie ersetzen, sie kann es höchstens begleiten und unterstützen. Keine KI baut eine Heizung ein, keine KI schneidet Haare“, sagt Alexander Tauscher vom Bayerischen Handwerkstag auf Anfrage. Man bekomme oft von jungen Menschen zu hören, dass sie aus diesem Grund einen Handwerksberuf ergreifen wollten – sie hielten ihn für zukunftssicherer als andere Berufe.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der Auszubildenden im Handwerk bayern- wie bundesweit leicht erhöht. Die Steigerung betrug jeweils 1,3 Prozent. Diese Tendenz wird durch Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten repräsentativen Sinus-Jugendstudie im Auftrag der Krankenkasse Barmer bestätigt. Ihr zufolge verstärkt KI zunehmend Berufsängste von Jugendlichen, da sie einfache oder automatisierbare Tätigkeiten großflächig ersetzen könnte. 23 Prozent der Jugendlichen in Bayern halten ihre beruflichen Pläne durch künstliche Intelligenz für gefährdet. Im Jahr 2023 waren es noch 18 Prozent.

Schwerer Einstieg ins Berufsleben

Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage haben es junge Menschen ohnehin schwer, den Einstieg ins Berufsleben zu finden, wie Studien belegen. Und das in vielen Sparten. „Aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche und den Umwälzungen durch die Transformation hat sich die Zahl arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker in den letzten drei Jahren stark erhöht“, schreibt etwa die Bundesagentur für Arbeit. Aktuell sind rund 45.000 Akademiker unter 30 Jahren arbeitslos gemeldet. „Dass inmitten einer digitalen Transformation ausgerechnet die jungen, sogenannten Digital Natives zurückfallen könnten, muss uns zu denken geben“, betonte Enzo Weber vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gegenüber unserer Redaktion.

Weber wie die Autoren der Sinus-Studie betonen allerdings, dass nach wie vor die überwältigende Mehrheit der Jugendlichen keinen Grund zur Sorge sehe. Weber weist darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der unter 30-Jährigen zwar gestiegen sei, aber lediglich ein 17-Prozent-Anteil auf Akademiker entfiele. „Das aufkommende Bild der arbeitslosen Young Professionals scheint schief zu sein.“ Zudem habe die Übernahmequote von Auszubildenden mit 79 Prozent im Jahr 2024 erst ein Allzeithoch erreicht. „Die Generation Z hat die höchste Erwerbsbeteiligung einer jungen Generation seit Jahrzehnten“, sagt er mit Blick auf weitere Daten. Mit Generation Z meint Weber in dem Fall die Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen.

„Digital Native zu sein, reicht nicht“

Welche Chancen junge Menschen am Arbeitsmarkt haben, hängt dabei stark von der Berufsrichtung ab – und den Erwartungen daran, wie sich Berufsbilder durch künstliche Intelligenz verändern könnten. Für Arbeitsmarktforscher Weber ist klar: „Digital Native zu sein, reicht nicht.“ Es komme künftig verstärkt auf konzeptionelle Fähigkeiten bei der KI-Nutzung an, und die müsse das Bildungssystem vermitteln.

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