Im Hauptberuf ist Jakub Chefdirigent der Bamberger Symphoniker. In den zurückliegenden Tagen gehörte zudem der Jury von „The Mahler Competition“ an.
Herr , nach der ersten Runde des Wettbewerbs ist das Teilnehmerfeld ausgedünnt worden, nach der zweiten blieben nur noch sechs Kandidatinnen für die beiden Finalrunden übrig. Was können eigentlich die Hauptgründe dafür sein, dass man nicht bis zum Finale vorstößt?Da lassen sich schwerlich einzelne Gründe aufzählen, vielmehr müssen wir Jurymitglieder uns nach einer Darbietung fragen, ob das, was ein(e) Kandidat(in) mit dem Orchester macht, authentisch wirkt, also eine Interpretation darstellt, der man glauben kann. Aber klar ist, dass Bewerber in keinem Bereich feststellbare Mängel haben dürfen. Wir beurteilen das ja nach bestimmten Kriterien.
Geht es in solchen Fällen um wirkliche Defizite oder ist das auch eine Geschmacksfrage der Jury?Wirkliche dirigiertechnische Defizite kommen kaum vor, dafür ist die Vorauswahl im Feld der Aspiranten viel zu streng. Wer nach Bamberg zur „Mahler Competition“ eingeladen wird, hat schon einiges an Erfahrung und Souveränität zu bieten. Die Frage nach dem Geschmack einzelner Jurymitglieder ist schwierig zu beantworten, denn Geschmack ist nun mal eine sehr individuelle Sache.
Außerdem kann sich Geschmack auf sehr unterschiedliche Dinge beziehen, zum Beispiel auch auf die Art, mit der jemand mit dem Orchester umgeht. Für ein Jurymitglied mag beispielsweise eine sehr zugewandte, spürbar menschliche und empathische Art überzeugend wirken, während dieser Aspekt für ein anderes Mitglied subaltern ist.
Hat sich der Dirigierstil in den vergangenen 20 Jahren verändert, oder gibt es da gar keine Entwicklungen?Vor allem hat sich die Attitüde beim Dirigieren erheblich verändert. Den strengen kapellmeisterlichen Stil von früher kann man sich heute nirgendwo mehr leisten, das Dirigieren ist nicht mehr vom autoritären Auftritt geprägt, sondern von Gemeinschaftssinn, Kollegialität, Freundlichkeit und Zuwendung. Was den Stil im engeren Sinne anlangt, so fällt mir auf, dass es in unserem Metier immer wieder Menschen gibt, die einen bestimmten, gut identifizierbaren Stil nachahmen. So trifft man gelegentlich auf eine Riccardo-Muti-Kopie oder einen Claudio Abbado post mortem.
Können Sie schon vor Abschluss der „Mahler Competition“ ein vorläufiges Resümee dieses Wettbewerbs ziehen, vor allem auch, was seine Bedeutung in der symphonischen Welt betrifft?Darauf zu antworten ist ganz einfach: Er hat längst eine überragende Bedeutung erreicht und wird weltweit beachtet. Das ist kein vorläufiges Resümee, das ist ein definitiver Befund. Martin Köhl









