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Liegt es am Alkohol?
Amtsgericht Bamberg: Er tritt und schlägt wütend um sich
Der Angeklagte und sein Verteidiger Andreas Dräger aus Strullendorf
Der Angeklagte und sein Verteidiger Andreas Dräger aus Strullendorf // Foto: Udo Güldner
Bamberg – Ein 44-jähriger Mann greift seinen Nachbarn, aber auch eine unbeteiligte Familie auf dem Radweg an. Darunter ein elfjähriges Mädchen. Am Amtsgericht Bamberg erfährt man mehr über die Hintergründe.

Ein fröhlicher Sonntagsausflug geht dem Ende entgegen, so wird es am Amtsgericht Bamberg geschildert. Die vierköpfige Familie auf ihren E-Bikes ist gerade auf dem Heimweg. In der Nähe von Lisberg tritt vor ihnen ein Mann in die Pedale. Er fällt auf, weil er eine Weinschorle hält, aus der er während der Fahrt trinkt.

Fahrradausflug im Kreis Bamberg endet dramatisch

Auch sonst verhält er sich seltsam. Als der Mann die Eltern mit ihren beiden Kindern hinter sich bemerkt, beginnt er absichtlich Schlangenlinien zu fahren. Später streckt er die Beine links und rechts weit von sich, um niemanden vorbeizulassen. Laut ruft er, ob noch jemand einen Arschtritt bräuchte.

Wer es dennoch wagt, nach dem tritt er rücksichtslos, sobald er sich auf gleicher Höhe befindet. Er verfehlt die Ehefrau und die elfjährige Tochter nur knapp. Man hört noch die Drohung: „Haltet sofort an, sonst schlage ich Euch das Hirn ein.“ Dann verliert der Verkehrsrowdy das Gleichgewicht und stürzt.

Die Eltern und die Kinder kommen mit dem Schrecken davon. 

Die Schilderung am Amtsgericht geht weiter: Der 44-jährige Mann auf dem Rad rappelt sich nach dem Sturz wieder auf. Als er zu Hause ist, geschieht der nächste Vorfall. Diesmal ist es sein Nachbar, mit dem er schon mehrfach aneinander geraten ist.

Einige Tage zuvor hat man auch schon gestritten. Bei einem Ausflug an den Naturbadesee Trabelsdorf. Der Nachbar hat dabei im Spaß das Mobiltelefon des Mannes ins Wasser fallen lassen. Seither ist er nicht mehr gut auf den Bekannten zu sprechen.

Angeklagter verprügelt kranken Nachbarn

Jedenfalls besucht der Mann nun den Nachbarn. Weil dieser mit einer Lungenentzündung im Bett liegt und die Türe nicht gleich aufmacht, tritt der Mann ein Loch hinein. Das billige Material aus Pressspan leistet kaum Widerstand. Danach greift er durch die Öffnung und dreht den Schlüssel um. In der Wohnung kann der Nachbar gerade noch sagen, dass der Eindringlich wieder verschwinden soll. Dann hagelt es Schläge ins Gesicht und Tritte ins Hinterteil, gegen den Hinterkopf und in den Bauch. Da liegt er bereits hilflos am Boden. An Gegenwehr ist für den schwerbehinderten Nachbarn nicht zu denken.

Ein unbeteiligter Zeuge alarmiert die Polizei. Er ist durch laute Schreie und Geräusche von zerbrechendem Glas auf die Sache aufmerksam geworden. Die Streifenbeamten können das Opfer auf einer Parkbank unweit des Tatortes finden. Vom Täter fehlt vorerst jede Spur.

Der Nachbar hat nach der ganzen Geschichte eine gebrochene Nase, eine Gehirnerschütterung, drei gebrochene Rippen sowie Prellungen an Schulter, Ellenbogen und Hand. Drei Tage lang wird er im Klinikum Bamberg überwacht. Man befürchtet, auch aufgrund einiger Vorschädigungen, dass sich seine gesundheitliche Lage noch verschlimmert.

Streit unter Nachbarn im Kreis Bamberg: Polizei alarmiert

Einen Monat später liegen der Mann und sein Nachbar schon wieder im Clinch. Angeblich wegen einer Ruhestörung an einem Sonntagmorgen. Diesmal bleibt es bei einem Schlag ins Gesicht mit aufgeplatzter Lippe. Am Amtsgericht Bamberg schildert der Nachbar den Mann als freundlichen, hilfsbereiten, herzigen Menschen. Man habe zusammen gekocht, sich gegenseitig mit Lebensmitteln ausgeholfen und auch gemeinsame Freizeitaktivitäten unternommen.

Das einzige Problem des Mannes sei seine Suchterkrankung. Vor allem der Alkohol. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er zwei Flaschen Wodka täglich trinkt. Aber auch andere Rauschmittel wie Crystal Meth oder LSD nimmt. „Dann verwandelt er sich in einen Werwolf. Da hilft alles Reden nichts“, so der Nachbar. In solchen Zuständen werde er gewalttätig und gefährlich.

Ihm gehe es nicht darum, den Mann für seine Straftaten hinter Gittern zu sehen. „Ich will auch nicht, dass Sie ihn auf den elektrischen Stuhl setzen.“ Ihm müsse geholfen werden.

Der unbeteiligte Zeuge hingegen schildert nicht nur die insgesamt sieben Fußtritte des Mannes gegen seinen Nachbarn, sondern auch den Versuch, ihn mit handfesten Drohungen von einer belastenden Aussage abzuhalten. Am besten alles vergessen oder gleich Strafrichter Matthias Bachmann anlügen. „Er sagte, es sei ihm scheißegal, ob er wieder in den Knast gehe. Aber er werde mich nicht vergessen.“ Tatsächlich hat der Mann schon einige Male im Gefängnis gesessen.

Der Prozess wird demnächst fortgesetzt. Dann geht es um weitere Vorfälle am Zentralen Omnibus-Bahn (ZOB) in Bamberg oder in einem Linienbus nahe Walsdorf. Dabei spielt auch ein Eisenrohr eine Rolle. Zudem dürfte es um die Bekämpfung der jahrzehntelangen Drogen – und Alkoholabhängigkeit gehen.

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