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Tollkirsche, Eisenhut und mehr
Landgericht Bamberg: So wollte Angeklagter die Gattin töten
Rechtsanwalt Andreas Dräger aus Strullendorf kurz vor Prozessbeginn mit seinem Mandanten
Rechtsanwalt Andreas Dräger aus Strullendorf kurz vor Prozessbeginn mit seinem Mandanten // Foto: Udo Güldner
Bamberg/Breitengüßbach – Menschliche Abgründe tun sich auf am Landgericht Bamberg: Ein Ehemann, der seine Frau aus dem Weg räumen will - und dazu die giftigsten Pflanzen der Welt ins Auge fasst. Damit es wie ein natürlicher Tod aussieht.

Am dritten Verhandlungstag wegen mehrfacher Mordversuche an seiner Ehefrau mit vergifteten Lebensmitteln wie Pizza, Lasagne oder Tee erfährt man am Landgericht Bamberg, womit der Ehemann seine bessere Hälfte aus dem Weg räumen wollte.

Man hört auch, wie er nach der Verhaftung die beiden Frauen mit Briefen aus dem Gefängnis zu manipulieren sucht. Und man bekommt mit, dass der Angeklagte schon für die Zeit nach dem Tod der Gattin Pläne geschmiedet hatte.

Giftanschläge im Landkreis Bamberg: von langer Hand geplant?

Die heimtückischen Giftanschläge sind offenbar von langer Hand geplant. Bereits im Oktober 2023 gibt es die erste Beschaffung tödlicher Samen. Damals bringt der Ehemann einen Arbeitskollegen dazu, für ihn Samen der Paternoster-Erbse zu bestellen. Es soll eine Überraschung für die Ehefrau werden. Deshalb der Umweg über den Bekannten in der Firma. Die Gattin soll nichts davon erfahren.

Dabei handelt es sich nicht, wie vom Ehemann behauptet, um Blumen, die er für seine Gattin anpflanzen will, sondern um eine toxische Kletterpflanze, deren Samen früher für Rosenkränze verwendet wurden. Daher ihr Name.

Lesen Sie hier alles zum Prozessauftakt:

Die Ermittler der Kriminalpolizei Bamberg finden darüber hinaus noch Kontoauszüge, auf denen Einkäufe mit Kartenzahlung in verschiedenen Baumärkten nachweisbar sind.

Im Keller des Wohnhauses tauchen zudem Pflanzenreste des blauen Eisenhutes und ein augenscheinlich abgeerntetes Exemplar einer Eibe auf. Aus dem Mülleimer in der Küche fischen die Polizisten weitere Pflanzenreste und Überbleibsel der Gift-Pizza. Ein Toxikologe kann darin das Nervengift Aconitin nachweisen, und zwar eine mehr als beachtliche Dosis.

Angeklagter bestellt Gift über die Arbeit

Sie fördern aus einer Schreibtischschublade am Arbeitsplatz des Ehemannes auch einen Bestellschein zutage, mit dem der Ehemann eine Steckzwiebel der Herbstzeitlosen geordert hat. Das Erschreckende dabei: Handschriftliche Ergänzungen zeigen, dass sich der Giftmischer nach offenbar erfolglosen Versuchen, seine Gattin umzubringen, mit weiteren, weitaus giftigeren Pflanzen beschäftigt hat. Die Liste enthält den Wunderbaum, die Schwarze Tollkirsche, den Zerberus-Baum, auch Selbstmordbaum genannt, sowie den Manchinelbaum.

Der ist so gefährlich, dass man nicht einmal bei Regen darunter stehen oder bei einem Waldbrand etwas vom Qualm abbekommen sollte. Entweder ist man danach tot oder blind.

Einige der von der Ehefrau geschilderten Symptome wie Brennen im Mund, Erbrechen, Übelkeit, Schwindel, Herzrhythmusstörungen stimmen mit den Folgen einer Aufnahme der entsprechenden Toxine überein.

Der Angeklagte wird von zwei Polizeibeamtinnen ins Gericht gebracht und dort bewacht
Der Angeklagte wird von zwei Polizeibeamtinnen ins Gericht gebracht und dort bewacht // Foto: Udo Güldner

Für Entsetzen im Gerichtssaal sorgt die Aussage eines Arbeitskollegen des Ehemannes. Als die Ehefrau im Klinikum Bamberg um ihr Leben kämpft und im künstlichen Koma liegt, denkt der Ehemann offenbar daran, ob er die medizinischen Geräte nicht abschalten lassen sollte.

Lesen Sie hier das Geständnis des Angeklagten:

Immer klarer wird im Laufe des Prozesses das Motiv. Einige Briefe des Ehemanns aus der Untersuchungshaft heraus, beschlagnahmt durch die Zweite Strafkammer, sowie die Geliebte des Ehemannes, eine fast 20 Jahre jüngere Thailänderin aus Hamburg, die als Zeugin aussagt, geben darüber Aufschluss. Es zeigt sich, dass der Ehemann immer wieder seine Mitmenschen belügt und manipuliert. Seiner neuen Flamme, die er über TikTok kennengelernt hat, erzählt er, er sei geschieden und lebe alleine in seinem Haus. Als ob die Ehefrau schon tot wäre.

Seinen aus seiner Sicht missratenen Sohn erwähnt er gleich überhaupt nicht. Ihm wirft er vor, sich körperlich gehen zu lassen, Schulden gemacht zu haben und Mitglied einer Sekte gewesen zu sein. Er schlägt der jungen Frau vor, sie könne doch zu ihm ziehen. Dann könne man heiraten, Nachwuchs bekommen und eine glückliche kleine Familie werden.

Nach Gift-Pizza-Anschlag: Angeklagter flieht nach Frankreich

Einen ersten Vorgeschmack bekommt er auf der Flucht nach Frankreich. Er holt die Geliebte in Hamburg ab und fährt mit ihr in ein Dorf nahe Toulouse, wo deren Cousine lebt. Dort will er sich verstecken. Denn sein Plan ist gescheitert.

Auf der Reise kommen sich der Ehemann und die Thailänderin einige Male doch sehr, sehr nahe. „Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so glücklich.“ Er sei endlich angekommen.

Der Traum platzt allerdings, als Spezialeinheiten die kleine Wohnung stürmen. Nun erfährt auch die Geliebte, dass er sie belogen und betrogen hat. Denn der Grund für die überstürzte Reise in den Süden sind nicht irgendwelche Steuerprobleme, sondern mehrere Mordversuche.

Nach seiner Festnahme und Auslieferung versucht er, seine Ehefrau wieder für sich zu gewinnen und seine Geliebte bei der Stange zu halten. Im ersten Fall appelliert er an die schönen Zeiten, die man gehabt habe und bittet um Vergebung. Als ob es nur um einen unbedeutenden Seitensprung ginge.

Im zweiten Fall malt er sich die gemeinsame Zukunft an der Seite der Thailänderin aus. In seinen Schreiben an die beiden Frauen verwendet er sogar ähnliche Formulierungen.

Der Prozess wird am 11. November fortgesetzt.

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