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Drogen statt Frühstück?
Harte Vorwürfe gegen eine Mutter vorm Landgericht Bamberg
Die Dritte Strafkammer mit den Richtern Tim Baum und Markus Reznik und zwei Schöffen
Die Dritte Strafkammer mit den Richtern Tim Baum und Markus Reznik und zwei Schöffen // Foto: Udo Güldner
Bamberg – Die Mutter und ihr früherer Ehemann, die beiden Kinder, mehrere Lebensgefährten: Alle sind sie drogensüchtig. Ein Gerichtsprozess in Bamberg zeigt das Ausmaß einer zerrütteten Familie.

Das junge Mädchen ist verzweifelt. Schon wieder ist ihre Mutter von deren Lebensgefährten misshandelt worden. Diesmal aber ist es schlimmer als jemals zuvor. Die Drohungen und die körperlichen Übergriffe. Der Frauenschläger hat eine Grenze überschritten. Die Tochter hat Angst um das Leben ihrer Mutter und entschließt sich, zur Polizei zu gehen.

Von Marihuana über Ecstasy und LSD zu Crystal Meth

Dabei erzählt sie auch davon, dass ihre Mutter tief im Drogensumpf feststeckt. Seit drei Jahrzehnten kommt sie nicht davon los.

Es beginnt „harmlos“ mit Marihuana, setzt sich mit Ecstasy, psychedelischen Pilzen und LSD fort und endet bei Speed und Crystal Meth. Das ganze Leben der Mutter ist geprägt vom Beschaffen und Konsumieren der Rauschgifte.

Darunter leiden ihre schulische und berufliche Laufbahn. Sie hat keinerlei Abschlüsse und verliert wegen der Betäubungsmittel den einen oder anderen Gelegenheitsjob, den Führerschein und zuletzt auch ihre Kinder. Diese werden in Heimen oder bei Pflegefamilien in Sicherheit gebracht und greifen schließlich selbst zu den Pulvern und Tabletten, um die Gedanken an ihre triste Lage zu verdrängen.

Obwohl sie das schreckliche Schicksal ihres Vaters noch vor Augen haben – der Sohn hat ihn mit der Spritze im Arm gefunden. Der Zerfall ist kaum noch aufzuhalten. Die Mutter lebt aufgrund unbezahlter Mieten und Nebenkosten und eines stetig anwachsenden Schuldenberges immer wieder auf der Straße. Schließlich wird jegliche finanzielle Reserve sofort in Betäubungsmittel umgesetzt.

Drogensüchtige lebt auf Bambergs Straßen

Sie durchläuft mehrere Obdachlosenunterkünfte in den Landkreisen Schweinfurt, Kitzingen und Bamberg. Zeitweise lebt sie zusammen mit einer Katze in einem Zelt hinter einer Scheune mitten in der Prärie. Sie bekommt zudem Ärger mit dem Amtsgericht Bamberg wegen einer demolierten Wohnung in Burgebrach mit knapp 3.800 Euro Schaden an Fenstern und Türen, und wegen eines Diebstahls in Bamberg. Sie klaut einer Kundin am Geldautomaten 500 Euro aus dem Ausgabefach. Und sie gerät immer wieder an Männer, mit denen sie toxische Beziehungen führt.

Dann aber erfährt der Polizeibeamte noch ganz andere Dinge. Das junge Mädchen berichtet davon, dass sie und ihr Bruder über Jahre hinweg harte Drogen zum Frühstück bekommen haben – von ihrer eigenen Mutter. Da ist die Tochter gerade einmal 13 Jahre alt, der Bruder drei Jahre älter. Offenbar dienen das Crystal Meth, Speed oder Ecstasy dazu, die Schulangst der Tochter zu bekämpfen.

Wenig später kommt ein anderer Polizist mit dem Bruder ins Gespräch. Er gilt aufgrund unzähliger Straftaten als einer der sechs „Intensivtäter“ im Raum Bamberg, den die Beamten besonders im Auge haben.

Auch der Rauschgifthandel gehört dazu. Er schildert nicht nur die Drogen zum Frühstück, sondern auch, dass er als Jugendlicher für seine Mutter fünf 100-Gramm-Platten Haschisch besorgt hat. Damit sie diese später weiterverkaufen kann. Denn irgendwie muss die Mutter ja an Geld kommen, um sich all die berauschenden Substanzen leisten zu können. Daneben hat die Dealerin aber auch Crystal Meth, das sie in Sonneberg einkauft und an ihre Kunden auf der Straße und bei regionalen Musikfestivals weitergibt.

Fahnder finden Angeklagte in einer Bamberger Kellerwohnung

Das Ende der Geschichte ist trostlos. Nach einer längeren Fahndung können die Ermittler die Mutter und ihren Lebensgefährten festnehmen. Sie hausen in einem dunklen Kellerloch in Bamberg, ohne Heizung, ohne fließend Wasser und ohne sanitäre Einrichtungen. Beide kommen in Untersuchungshaft.

Im Laufe des Prozesses am Landgericht Bamberg gab die Mutter unter Tränen alle Straftaten zu. Auch die Dinge, die ihr Sohn offenbar übertrieben oder sogar falsch dargestellt hat. Einfach, um endlich einen Schlussstrich unter das ganze Elend ziehen zu können. Und ihren beiden Kindern die belastende Aussage im Zeugenstand zu ersparen.

Das gab einen ordentlichen Strafrabatt und die Chance auf eine Therapie zur Bekämpfung ihrer Drogensucht. Wobei es nicht nur auf eine erfolgreiche Behandlung ankommt, sondern auch darauf, dass die Mutter nicht wieder in das alte Umfeld zurückkehrt. Sonst drohen Rückfälle und weitere Straftaten.

Angeklagte wird am Landgericht Bamberg verurteilt

Am Ende verurteilte die Dritte Strafkammer die 46-jährige Mutter unter anderem wegen der Angabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige in 27 Fällen, Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, sowie des Bestimmens eines Minderjährigen zur unerlaubten Ab- oder Weitergabe von Cannabis zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. „Es ist schon ein starkes Stück, den eigenen Kindern Drogen zu verabreichen“, so der Vorsitzende Richter Markus Reznik.

Zugleich ordnete das Gericht die zweijährige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Wenske aus Möhrendorf hatte sich dafür ausgesprochen, weil die Mutter sonst nie aus der Abwärtsspirale herauskäme. „Sie kann es schaffen.“

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