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Was befand sich im Versteck?
Drogenschmuggel: Mafiakurier auf der A70 bei Bamberg gefasst
Staatsanwalt Johannes Degel, die Richter Tim Baum und Markus Reznik,  Rechtsanwalt Christian Eifler aus Schkeuditz und der Angeklagte
Staatsanwalt Johannes Degel, die Richter Tim Baum und Markus Reznik, Rechtsanwalt Christian Eifler aus Schkeuditz und der Angeklagte am Landgericht Bamberg. // Foto: Udo Güldner
Bamberg – Die Zivilfahnder der Verkehrspolizei Bamberg haben den richtigen Riecher. Bei einer Kontrolle auf der A70 können sie auf dem Parkplatz Giechburgblick einen Schmuggler erwischen. Am Landgericht Bamberg erfuhr man mehr.

Ein Donnerstagabend auf der Autobahn A70 zwischen Schweinfurt und Bayreuth. Den Zivilfahndern der Verkehrspolizei Bamberg fällt ein Mann in einem Mercedes aus Aachen auf. Sie lotsen das Fahrzeug auf den Parkplatz Giechburgblick. Der Fahrer erzählt etwas von einem Besuch bei seinem Onkel in Halle an der Saale. Er zeigt den Polizisten sogar „Gastgeschenke“ wie Olivenöl, Kuchen und Blumen. Aber einer der Beamten glaubt dem 30-Jährigen kein Wort. Mit Zwischenfragen bringt er den Mann am Steuer in Schwierigkeiten. Dann taucht im Handschuhfach ein Smartphone auf, von dem der Fahrer angeblich nichts weiß. Der Wagen wird in die diensteigene Werkstatt gebracht, um ihn dort einer „Feinuntersuchung“ zu unterziehen. Der Mann bleibt völlig ungerührt. Seine einzige Reaktion: Er fragt, ob er seinen Onkel anrufen darf.

Versteck im Kofferraum: Drogenkurier auf der A70 wird erwischt

Die Spezialisten der Verkehrspolizei für Hohlräume, in denen alles Mögliche geschmuggelt werden kann, nehmen sich den Mietwagen vor. Im Kofferraum gibt es eine Klappe, hinter der sich ein Staufach mit Warndreieck und Erste-Hilfe-Kasten befindet. Die drei Muttern, welche die Abdeckung halten, sind vom vielen Herumschrauben schon ganz abgenutzt. Ein Hinweis darauf, dass jemand das geheime Versteck dahinter immer wieder benutzt hat.

Ein 2,5 Kilogramm schweres Paket kommt zum Vorschein. Der Schnelltest schlägt an. Wie sich später im Labor des Landeskriminalamtes in München herausstellt, sind es elf Tütchen mit Crystal Meth und etwas Kokain. Selbst wenn man all die Streckmittel wie Koffein, das Schmerzmittel Lidocain, sowie das Entwurmungsmittel Levamisol abzieht, bleibt noch das Hundertfache der „nicht geringen Menge“. Sie deutet auf Drogenhandel hin.

Drogenkurier auf der A70 bei Bamberg: Ist hie die Mafia unterwegs? 

Dass man es nicht mit einem normalen Autofahrer zu tun hat, belegen Dokumente über einen Prozess wegen schwerer Hehlerei. Offenbar hat der ehemalige Autohändler im Ausland Geschäfte mit gestohlenen Fahrzeugen gemacht. Am Landgericht Bamberg erzählte der Autofahrer eine schöne Geschichte. Er sei selbst rauschgift- und spielsüchtig und habe rund 30.000 Euro Schulden angehäuft. Da hätten sich Bekannte bei ihm gemeldet, ob er ihnen nicht einen Gefallen tun könne.

Es gebe dafür 1.200 Euro Schuldennachlass und 300 Euro Spesen. Zudem hätten sie ihm gedroht, ihm oder seiner Familie etwas anzutun. Später wollte er dann gar keine Schulden mehr haben. Zugleich findet man Überweisungsbelege, dass er seinem Bruder mehr als 1.500 Euro ins Ausland geschickt hat. Dass man es nicht mit einem unbedarften Handlanger zu tun hat, erklärte ein Ermittler der Kriminalpolizei Bamberg. Hinter all dem stecke die Organisierte Kriminalität, kurz: die Mafia.

Erwischter Drogenkurier im Raum Bamberg: Auch in NRW und Niederlande unterwegs

Darauf deuten auch das nicht knackbare Smartphone im Handschuhfach, DNA-Spuren am Drogenpaket, die fünf weitere Tatverdächtige ins Spiel bringen, sowie eine frühere Kurierfahrt des Mannes hin. Diese fand mit einem anderen Auto des gleichen Mietwagen-Verleihs statt. Bei einer Polizeikontrolle nahe Aachen ist der Hohlraum hinter dem Handschuhfach allerdings leer. Mithilfe des zweiten, auslesbaren Smartphones und den darauf gespeicherten 150.000 Standortdaten können die Kripo-Mitarbeiter nachvollziehen, wo sich der Mann vor seiner Festnahme an der A70 aufgehalten hat. Die Spur führt nach Amsterdam und Brüssel, aber auch nach Dortmund und Krefeld. Die brandheiße Ware landet schließlich in Stuttgart-Zuffenhausen im Mercedes. Sie soll nach Leipzig transportiert werden – zumindest behauptete das der Fahrer vor Gericht. Zu den Komplizen und Hintermännern schwieg er.

Haftstrafe für Drogenkurier auf der A70 bei Bamberg 

Dafür berichtete er dem psychiatrischen Sachverständigen umso mehr über seine Sucht-Laufbahn. Von Alkohol, Crystal Meth, Kokain und Crack seit der Studienzeit. Von dadurch entstandenen Beziehungsproblemen und beruflichen Schwierigkeiten. Am Ende verurteilte die Dritte Strafkammer unter Vorsitz Markus Rezniks den Mann wegen Beihilfe zum Handel mit und zugleich Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. „Sie sind das kleinste Rädchen, haben aber das größte Risiko geschnappt zu werden“. Zugleich ordnete man die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, damit der Mann seine Sucht in Sachen Alkohol und Kokain in den Griff bekommt. Er hat nun noch fünf Monate in der JVA Bamberg vor sich, bevor er in eine Fachklinik in Bernburg an der Saale verlegt wird. Denn dort in der Nähe leben einige Familienmitglieder.

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