Die vermummten und schwer bewaffneten Gestalten kommen im Morgengrauen. Das Ehepaar in Zirndorf liegt noch im Bett. Die polizeiliche Wohnungsdurchsuchung soll schließlich eine Überraschung sein. Immerhin hofft man in den Räumen Beweismittel für Drogenhandel im großen Stil zu finden. Sogar einen Drogenspürhund hat man mitgebracht, der bald die Nase voll hat.
Rund 1.800 Gramm Haschisch, fast 400 Gramm Marihuana, knapp 20 Gramm Crystal Meth, eine geringe Menge Ecstasy und mehr als 250 Gramm Amphetamin stöbert er auf. Das Speed liegt unter einer Packung Pommes im Tiefkühlschrank. Hinzu kommen eine Feinwaage, ein Vakuumiergerät, ein Etiketten-Drucker und Verpackungsmaterial, um den Stoff unter die Leute zu bringen, sowie eine Anleitung zur Herstellung von Rauschgift.
Sorgenfalten bereiten den Ermittlern aber noch ganz andere Funde. Zwei acht Zentimeter lange Einhandmesser, ein Kampfmesser mit einer Klingenlänge von 16,5 Zentimetern, ein Teleskop-Schlagstock, zwei Schlagringe mit eingebautem Faustmesser und drei Elektroschocker tschechischer Herkunft. Außerdem treten vier Revolver- und zwei Kleinkaliber-Patronen zutage, für die sich der 45-Jährige aus Zirndorf offenbar die passende Schusswaffe besorgen wollte. Zumindest legen das Internetsuchen nach Modellen aus dem 3D-Drucker nahe.
Zwei Jahre haben deutsche und US-Behörden gemeinsam ermittelt
Doch wie kommen die Fahnder auf den Mann in Zirndorf? Das erfährt man bei einem gerade laufenden Prozess am Landgericht Bamberg. Es geht um bewaffneten Handel mit Betäubungsmitteln und Cannabis-Produkten sowie Verstöße gegen das Waffengesetz. Zwei Jahre lang haben die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität in Frankfurt am Main, das Bundeskriminalamt in Wiesbaden, sowie die US-Bundespolizei FBI in Washington und die Drug Enforcement Administration in Arlington/Virginia gemeinsam ermittelt.
Im Visier haben sie eine Verkaufs-Plattform im Darknet, die man über einen speziellen Tor-Browser ansteuern kann. Auf dem Marktplatz mit rund 150.000 Kunden aus aller Welt kann man mit Kryptowährungen alles kaufen, was illegal ist. Vor allem Betäubungsmittel, aber auch betrügerisch erlangte Daten und Waren sowie eine Auswahl an Cybercrime-Dienstleistungen (Ransomware, Phishing oder DDoS-Angriffe).
„Dark Weeder“ – Dealer ist Star-Wars-Fan
Die kriminellen Geschäfte auf dem erst vor vier Jahren gegründeten „Nemesis Market“ laufen glänzend. Auf der Anbieterseite tummeln sich knapp 1.100 Verkäufer, davon ein Fünftel aus Deutschland. Mit der Schließung der Seite und der Beschlagnahme der Rechner im Server-Zentrum in Litauen erbeuten die Ermittler auch jede Menge Datenmaterial. Darunter auch Informationen zu einem Account des „Dark Weeder“, eine Anspielung auf Darth Vader.
Offenbar ist der Drogendealer ein Star-Wars-Anhänger. Außerdem nennt sich der Fan der US-Serie „The Big Bang Theory“ auch noch „Sheldon Cooper“. Die Datenspur führt zu einem Rechner nach Zirndorf. Außerdem ergeben Finanzermittlungen, dass der Angeklagte die durch seinen Rauschgifthandel erzielten Erlöse auf einer Online-Tauschbörse für die virtuellen Währungen Bitcoin und Monero in echtes Geld umgewandelt hat. Danach landen die Summen auf seinen drei Girokonten. Am Landgericht Bamberg ist von einem Erlös von rund 180.000 Euro die Rede.
Im Laufe der Nachforschungen kommt heraus, dass der Mann aus Zirndorf nicht erst seit vier Jahren mit berauschenden Substanzen handelt. Mit Marihuana (Weed), Haschisch (Shit), Methamphetamin (Crystal), Amphetamin (Speed) und Kokain (Koks). Er ist auch bei den Darknet-Plattformen „Wall Street Market“ und „Tor2Door“ zugange. Dort kauft er seine Ware auch ein und lässt sie sich an zwei Packstationen in Zirndorf und Oberasbach liefern.
Natürlich unter einem falschen Namen. Seiner Kundschaft schickt er die Betäubungsmittel und Cannabis-Produkte mit der Post. Zur Tarnung in Luftpolsterumschlägen mit DVD- oder PC-Games-Hüllen und mit frei erfundenen Absendern. Das weiß man, weil durch den Zoll mehrere verdächtige Postsendungen aus Nordrhein-Westfalen nach Mittelfranken abgefangen werden. Und weil der Mann aus Zirndorf das viele Verpackungsmaterial bequemerweise mittels eines Zahlungsdienstleisters bestellt hat. Immerhin kann man ihm fast 1.500 Postsendungen nachweisen.
Verdeckter Ermittler tätigt Probekäufe
Als das Bundeskriminalamt den Angeklagten bereits im Visier hat, setzt es einen verdeckten Ermittler ein. Der „nicht offen ermittelnde Polizeibeamte“ (noeP) tätigt fünf Probekäufe, um über die Lieferungen an weitere Beweise zu kommen. Und tatsächlich tut der Mann aus Zirndorf den Kripo-Beamten den Gefallen und hinterlässt Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Zusätzlich wird er mittels eines GPS-Senders an seinem Fahrzeug und observierende Beamte überwacht, wie er die Drogenpäckchen auf den Postweg bringt. Der Prozess wird fortgesetzt.
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