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Angeklagter gesteht am Gericht
Mordversuch bei Bamberg mit Gift-Pizza: Was war das Motiv?
Rechtsanwalt Andreas Dräger aus Strullendorf und der Angeklagte
Rechtsanwalt Andreas Dräger aus Strullendorf und der Angeklagte // Foto: Udo Güldner
Bamberg/Breitengüßbach – Im Prozess um eine vergiftete Pizza „Speciale“ und eine beinahe tödliche Lasagne aus dem Tiefkühlfach kommen immer neue Details ans Licht. Am Landgericht Bamberg legt der Ehemann ein Geständnis ab.

Am zweiten Verhandlungstag am Landgericht Bamberg gibt es ein Geständnis zu den Mordversuchen mit präparierter Pizza und Lasagne in Breitengüßbach. Außerdem sagen die Ehefrau, die beiden erwachsenen Kinder, sowie die Internet-Bekanntschaft des Ehemannes aus. Bei ihr ist er nach dem gescheiterten letzten Giftanschlag auf seine Ehefrau auf der Flucht in Frankreich gefasst worden.

Giftanschlag im Landkreis Bamberg

Es ist noch Lasagne vom Vorabend übrig. Die wärmt sich die Ehefrau in der Mittagspause auf. Dabei beißt sie auf etwas Hartes. Ein metallischer Geschmack macht sich breit. „Es hat mega gebrannt im Mundraum.“ Sie spült alles aus. Doch bald schon ist ihr schlecht und schwindelig, sie muss sich übergeben, bekommt Hautrötungen, die Finger und Füße schwellen an, am ganzen Körper brennt es, und der Kreislauf macht Schwierigkeiten.

Sie kommt ins Krankenhaus in Lichtenfels. Dort findet man die Ursache nicht heraus. „Man hat mich nicht ernst genommen und nicht richtig gesucht.“ Dieser Vorfall ist nur das Vorspiel zu einem Finale, in dem die Ehefrau tagelang zwischen Leben und Tod schwebt.

Lesen Sie hier den Prozessauftakt:

Dabei hätte es nicht so weit kommen müssen. Wenn der Ehemann frühzeitig mit dem Notruf Unterstützung angefordert hätte. Aber er sitzt nur neben seiner Ehefrau auf dem Sofa und zockt an der Playstation. Wenn der Ehemann den Sanitätern und Notärzten vor Ort gesagt hätte, warum seine Ehefrau gerade einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat und mehrfach wiederbelebt werden muss. Inklusive der hernach höllischen Schmerzen durch reihenweise gebrochene Rippen.

Stattdessen steht er daneben und schweigt. Ja, er gibt sich sogar besorgt. Auch später im Klinikum Bamberg spielt er seiner Tochter den ängstlichen und fürsorglichen Ehemann vor, der sogar weint.

Warum versucht Mann aus Kreis Bamberg seine Frau zu ermorden?

Doch warum hat der Ehemann mehrfach versucht, seine Frau zu ermorden? Nach 36 Jahren Beziehung, mit Höhen und Tiefen, mit schönen Momenten und Schwierigkeiten. Immerhin hat sie ihn vor fast zwei Jahrzehnten aus einem Alkoholmissbrauch gerettet. Warum hat er sein bisheriges, familiär und beruflich gesichertes Leben weggeworfen, hat sein und das Leben vieler anderer Menschen zerstört?

Darauf gibt es auch nach stundenlangen Befragungen der Zweiten Strafkammer keine befriedigende Antwort. Zumindest keine, mit der die Ehefrau und die beiden erwachsenen Kinder etwas anfangen können.

Die Rechtsanwälte Jochen Kaller und Mona Antretter aus Bamberg vertreten die Ehefrau und den Sohn
Die Rechtsanwälte Jochen Kaller und Mona Antretter aus Bamberg vertreten die Ehefrau und den Sohn // Foto: Udo Güldner

Ob es dem Ehemann ums Geld geht? Es gibt jedenfalls keine Lebensversicherung der Ehefrau, durch die er reich geworden wäre. Das gemeinsame Eigenheim ist zwar etwas wert, aber auch mit einer Hypothek belegt. Die Abzahlung des Kredits dauert noch zehn Jahre. Auch ein Darlehen von 30.000 Euro für die Erneuerung der Heizungsanlage und der Küche steht im Raum. „Es geht hier nicht um Millionen“, kommentiert Oberstaatsanwalt Michael Hoffmann.

Vielleicht spielt aber auch eine andere Frau eine gewisse Rolle. Weil im ehelichen Schlafzimmer nicht mehr viel läuft. Eine thailändische Internet-Bekanntschaft aus Hamburg. „Ich fühlte mich geschmeichelt, dass eine junge, hübsche Frau mich attraktiv findet.“

Landgericht Bamberg: Angeklagter flüchtet nach Frankreich

Mit der 40-jährigen Pflegehelferin flüchtet er kurz nach dem letzten Mordversuch nach Toulouse, wo ihre Cousine lebt. Dort will man noch einmal ganz von vorne anfangen.

In seinem Geständnis findet man dazu kaum etwas. Darin geht es darum, wie er mehrfach selbst oder mithilfe einiger Arbeitskollegen im Internet Giftstoffe bestellt hat. Dass er seinem Sohn nicht habe schaden wollen. Der Angeklagte spricht von der eigenen „Grausamkeit“ und dass er „ein Monster“ gewesen sei. Er habe erst in der Untersuchungshaft begriffen, was er verloren habe.

Als der Plan fehlschlägt und die Kriminalpolizei Bamberg zu ermitteln beginnt, versucht der Ehemann seinen Sohn als Tatverdächtigen ins Spiel zu bringen. Plötzlich taucht im Kofferraum seines Wagens, unter der Abdeckung, eine geheimnisvolle Plastiktüte mit verdächtigem Inhalt auf.

Zudem äußert sich der Ehemann wiederholt abfällig über seinen Sohn. Das geht sogar so weit, dass er ihn völlig grundlos als „Kinderficker“ beleidigt und ihm das Gefühl vermittelt, dass er sich einen ganz anderen Sohn wünschen würde. Er bringt später sogar die Geschichte auf, der Sohn hätte sich aufgrund psychischer Probleme selbst töten wollen und seine Mutter „mit erwischt“.

Die Ehefrau und beide Kinder leiden bis heute an den Folgen der letzten und zugleich schwersten Tat. Weniger im Hinblick auf körperliche Probleme, obwohl die Ehefrau nach längerem Koma und dem dadurch eingetretenen Muskelabbau das Stehen und Gehen erst mühsam wieder erlernen muss und gerade erst mit enormer Willensanstrengung den Rollator hinter sich gelassen hat.

Sie muss deshalb weiterhin regelmäßig zur Physio- und Ergotherapie. Schlimmer sind die psychischen Probleme. Eine schwere Depression, die wie das schreckliche Trauma auch behandelt werden muss.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.

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