Es ist ein spektakulärer Fall, der gerade am Landgericht Bamberg verhandelt wird. Der Angeklagte, ein 57-jähriger Mann aus dem Landkreis, soll mehrfach versucht haben, seine gleichaltrige Ehefrau mit vergifteten Speisen und Genussmitteln zu ermorden. Dabei soll er auch eine Pizza Speciale mit den Samen der giftigsten Pflanze Europas, dem blauen Eisenhut, versetzt haben.
Mann aus Kreis Bamberg vergiftet seine Ehefrau: Was ist sein Motiv?
Nach den Ermittlungen soll das Motiv ein neues Leben mit einer deutlich jüngeren Frau gewesen sein. Nach 30 Jahren Ehe und zwei gemeinsamen Kindern mit der bisherigen Partnerin. Der Mann habe mit einer Internet-Bekanntschaft aus Hamburg eine neue Familie mit Kindern gründen wollen. Tatsächlich wird er nur wenige Tage nach dem Vorfall an der Seite der Geliebten in Frankreich festgenommen und landet in Toulouse in Auslieferungshaft.
Am Abend des 11. Dezember 2024 sitzt das Ehepaar mit dem 25-jährigen Sohn noch einträchtig in Breitengüßbach beieinander. Es gibt drei Tiefkühlpizzen. Thunfisch für den Mann, Speciale für die Ehefrau und den Sohn. Drei Stunden später geht es der Frau und dem Sohn schlecht. Sie melden sich bei der Notrufzentrale. Sie schildern Schwindel und eiskalte Haut, Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Armen, sowie Schwellungen im Bereich des Mundes.
Das kann man auf den mitgeschnittenen Telefonaten hören. Man schickt zwei Krankenwagen. Denn die Lage der Patienten verschlimmert sich. Bald kämpfen die Mediziner vor Ort in der Wohnung und auf dem Weg ins Klinikum Bamberg um das Leben der Ehefrau. Die Spezialisten haben solch einen schweren Verlauf noch nicht erlebt.
Rettungsdienst muss Frau aus Kreis Bamberg reanimieren
Zweimal erleidet sie einen Herz- und Atemstillstand, muss wiederbelebt werden. Im Krankenhaus kommt sie auf die Intensivstation. Noch Tage später ist nicht klar, ob sie wieder auf die Beine kommen wird.
Den zusätzlich alarmierten Notärzten fällt auf, dass etwas nicht stimmt. Zwei unterschiedliche Personen, die zeitgleich einen allergischen Schock haben … Daher stellen sie die verbliebenen Pizzastücke sicher und informieren sie die Landpolizei.
Eine Streifenbesatzung sieht gegen Mitternacht nach dem Rechten. Noch geht man nicht davon aus, dass es sich um eine Straftat handelt. Es sieht alles nach einer Lebensmittelvergiftung aus. Die Beamten wundern sich, dass der Ehemann zu Hause ist, obwohl seine Gattin und der Sohn in den Kliniken Bamberg und Coburg ums Überleben kämpfen. Er erzählt ihnen, dass er auch einen Bissen von der Pizza seiner Ehefrau gegessen habe und dabei so ein pelziges Gefühl auf der Zunge verspürt und einen bitteren Beigeschmack bemerkt habe. Seine Frau habe schon länger Herzprobleme, sei auch schon operiert worden und habe einen Herzschrittmacher.
Pizza ist mit Gift versehen: Ehemann gerät in Verdacht
Noch in der Nacht haben die Ärzte von beiden Patienten Blut- und Urinproben an die Giftnotrufzentrale in München versandt. Denn man vermutet aufgrund der aufgetretenen Symptome eine Vergiftung mit Aconitin.
Als es sich bewahrheitet, glaubt man erst, dass jemand den Hersteller erpressen könnte. Die Nachforschungen in diese Richtung führen jedoch ins Leere.
Danach gerät der Ehemann ins Visier. Bei einer Hausdurchsuchung findet man im Keller auf einem Hackstock verdächtiges Gestrüpp. Zudem gibt es an mehreren Stellen Samen, die grünen Pfefferkörner ähneln. Außerdem stellt man sein Smartphone sicher, auf dem man später wichtige Hinweise finden wird. Etwa Suchanfragen, aus denen hervorgeht, dass er sich für Pflanzengifte, deren Wirkungsweise und Nachweisbarkeit interessiert, und wissen will, wie man deren möglicherweise bemerkbaren Geschmack neutralisiert.
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Bamberg fördern zutage, dass es wohl nicht der erste Versuch war, die unliebsame Ehefrau loszuwerden. Oberstaatsanwalt Michael Hoffmann kommt in einem Zeitraum von rund 15 Monaten auf sechs Versuche, wobei der Ehemann beim letzten Anlauf auch den Tod des Sohnes als „Kollateralschaden“ in Kauf nimmt.
Ehemann aus Kreis Bamberg: mehrere Vergiftungsversuche an Gattin
Zuvor soll er mit verschiedenen Pflanzengiften seine Gattin mehrfach ins Krankenhaus gebracht haben. Die Schäden werden im Laufe der Zeit immer schlimmer. Weil die Ehefrau aber schon Vorerkrankungen hat, werden die Ärzte nicht misstrauisch. Das Material besorgt er sich offenbar aus dem Internet, wobei er teilweise auch Arbeitskollegen dazu bringt, für ihn zu bestellen.
Zum Auftakt des Prozesses deutet sich an, dass der Angeklagte am nächsten Verhandlungstag ein Geständnis abgeben könnte. Damit will er eine lebenslängliche, zumindest aber eine zweistellige Freiheitsstrafe vermeiden. Denn die Beweislage ist gut. Fortsetzung am Dienstag (28.10.25) um 9 Uhr.













