Immobilien-Makler, Unternehmer oder Handwerker: Es sind Männer, die beruflich erfolgreich sind und über einiges an Lebenserfahrung verfügen. Und doch sind sie alle einem großangelegten Betrug mit Kryptowährungen aufgesessen. Es geht um mehr als 400 Opfer und einen Gesamtschaden von fast 26 Millionen Euro.
Riesen-Betrugsfall am Landgericht Bamberg
Am Landgericht Bamberg wird nun gegen einen 40-jährigen Albaner verhandelt. Er soll der Leiter eines Callcenters im mazedonischen Skopje gewesen sein. Von dort hat man die „Kunden“ von zwölf Online-Trading-Plattformen angerufen und zu immer neuen Überweisungen veranlasst.
Mit ein paar hundert Euro beginnt es – und mit der Aussicht auf enorme Gewinne. Mal ist von 50 Prozent Rendite die Rede, die man mit Bitcoin und Co. erzielen könne, dann sogar von 100 Prozent.
Betrüger verlocken zu immer neuen Zahlungen
Das psychologisch geschulte Personal am anderen Ende der Leitung weiß genau, wie es die menschliche Gier befeuern muss. Mit ständigen Anrufen und WhatsApp-Nachrichten halten sie ihre Opfer auf Trab. Sie dienen dazu, ein persönliches Verhältnis zu den „Kunden“ aufzubauen, etwa indem man erfundene Geschichten über die eigene Familie erzählt. Irgendetwas zu Herzen gehendes, mit Krankheit und Tod kommt immer gut an.
Die Gespräche und Chats sollen aber auch jeden Zweifel zerstreuen und zu immer neuen Zahlungen verlocken. Mal sind es 10.000 Euro, dann 35.000 Euro, mitunter auch noch mehr. Es kommt sogar vor, dass man ein paar Tausend Euro als „Gewinn“ ausschüttet, um endgültig das Vertrauen der Opfer zu gewinnen. Selbst am Ende des Fischzuges, sobald die „Anleger“ auf Auszahlung drängen, kommt noch einmal der Versuch, mit einer „Sicherheitsleistung“ an weitere 18.000 Euro zu kommen.
Viele Tausend Euro bei Betrug verloren
So kommt es, dass die Männer, die als Zeugen am Landgericht Bamberg aussagen, im Laufe sehr kurzer Zeit enorme Summen verlieren. Ein Immobilien-Makler aus der Nähe von Leipzig verbrennt in nur drei Monaten mehr als 115.000 Euro. Ein Unternehmer aus Ergoldsbach bei Landshut überweist in nur fünf Monaten über 150.000 Euro. Und ein Mann aus einem Dörfchen nicht weit von Ulm hat am Ende knapp 90.000 Euro weniger. „Das Geld hätte ich lieber einem Bettler auf dem Marktplatz schenken sollen“, so seine späte Einsicht.
Bei einem Handwerksmeister aus Bautzen sind es mehr als eine Million Euro – auch vom Geschäftskonto. Zum Glück für seine Mitarbeiter gerät sein Unternehmen dadurch nicht in Gefahr.
Bei anderen sind es die Ersparnisse eines Lebens, die sich in Luft aufgelöst haben. In existenzielle Nöte kommt allerdings keiner der Zeugen. Auch psychische Probleme oder Ehekrisen werden nicht berichtet. „Wenn man so dämlich ist, ist man selber schuld“, so einer der Geschädigten.
Modernste Technik bei Betrugsmasche im Einsatz
Freilich hat man auch modernste Technik im Einsatz. Zum einen täuscht man mit einer speziellen Software vor, man rufe aus Berlin, London oder Luzern an. Dabei sitzen die Betrüger im mazedonischen Skopje, sprechen aber reines Hochdeutsch und je nach Legende mit englischem oder schweizerischen Akzent.
Auch ihre Alias-Namen passen sie je nach Gelegenheit an. Eine nennt sich „Hannah Gold“. Nicht zu reden von den Internet-Auftritten, die aussehen, als ob man es mit einem renommierten, seriösen Finanzdienstleister zu tun hätte. Dabei sind es entweder Fake-Adressen oder Briefkästen auf Zypern oder den pazifischen Marshall-Inseln.
Zum anderen hat man ein Programm erstellt, das den „Kunden“ auf deren eigenen Rechnern den angeblichen Kursverlauf anzeigt. Das erweckt den Eindruck, dass sich die Investition im Laufe nur weniger Monate vermehrt hätten. In Wahrheit sind die Summen nie irgendwo angelegt worden. Sie sind längst über weltweite Scheinfirmen und gesichtslose Strohleute etwa in Litauen zu den Hinterleuten gelangt.
Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg verfolgt den Geldfluss
Es bedarf aufwendiger Finanzermittlungen der Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg, um die Geldspur verfolgen zu können. Damit man es vielleicht teilweise noch zurückholen kann.
Manchmal bekommt die Fassade aber auch Risse. Wenn „Kunden“ etwa versuchen, die auf ihrem Display angezeigten Fake-Rufnummern anzuwählen und dann erleben, dass es sie gar nicht gibt. Oder wenn während eines Telefonats im Hintergrund zu hören ist, wie ein anderer „Anlageberater“ mit einem „Kunden“ streitet, der seinen Gewinn ausbezahlt haben will. Dann aber ist es schon zu spät.
Am Landgericht Bamberg muss sich nun ein 40-jähriger Mann aus Albanien wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges verantworten, für den man bis zu zehn Jahre hinter Gittern landen kann. Wie man ihm auf die Schliche gekommen ist, was sein Beitrag innerhalb des kriminellen Netzwerks war, und warum man ihn ausgerechnet in Italien verhaften konnte, darüber berichten wir in der kommenden Woche.











