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Bamberger Projekt Gunda
Trotz psychischer Erkrankung zurück in die Arbeitswelt
Die GGSD Bamberg unter der Leitung von Ramona Zenk bietet Menschen mit psychischen Krisen oder Erkrankungen im Alg-Bezug in Form der zwei Projekte Inge und Gunde gezielt Unterstützung an.
Die GGSD Bamberg unter der Leitung von Ramona Zenk bietet Menschen mit psychischen Krisen oder Erkrankungen im Alg-Bezug in Form der zwei Projekte Inge und Gunde gezielt Unterstützung an. // Manuela Nagl
Ein Herz für Bamberger
Bamberg – Wer aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr arbeiten kann, ist oft auf sich allein gestellt. Das neue Projekt Gunda schafft Abhilfe.

Egal ob Depressionen, Schlafstörungen oder Zwangsstörungen – psychische Erkrankungen sind schon lange keine Seltenheit mehr. „Gerade seit den letzten zehn Jahren machen psychische Erkrankungen auch in Deutschland einen immer größeren Anteil im Diagnose- und Behandlungsspektrum aus“, schreibt das Bundesministerium für Gesundheit. Demnach leide jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung.

Zunahme von psychischen Erkrankungen

Das hat Auswirkungen auch auf den Arbeitsmarkt. Denn rund zehn Prozent der Fehltage bei den Berufstätigen gehen auf Erkrankungen der Psyche zurück. Etliche Betroffene müssen sogar ihren Job aufgeben, rutschen in die Arbeitslosigkeit und finden oft keinen Weg mehr heraus. Claudia aus Bamberg ist eine davon. Aus Angst vor Stigmatisierung und Vorurteilen möchte sie ihren richtigen Namen nicht nennen.

Die 47-Jährige hat viele Jahre lang eine Vorgesetzte gehabt, der es an Menschlichkeit und Empathie gemangelt habe. Als dann auch noch private Probleme bei ihr hinzukamen, die zu einem psychischen Zusammenbruch und langer Krankschreibung führten, beschloss Claudia ihren Zeitvertrag nicht mehr zu verlängern. „Es wurde mir alles zu viel. Ich war überfordert und konnte einfach nicht mehr“, sagt sie.

Gesundheitsfürsorge in Bamberg: Projekt Inge

Ähnliche Geschichten hat Ramona Zenk schon oft gehört. Um diesen Menschen zu helfen und sie bei ihrer Rückkehr in die Arbeitswelt zu unterstützen, startete die Psychologin unter dem Dach der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste (GGSD) – ein Bildungsträger mit Angeboten in den Bereichen Pflege, Gesundheit und Soziales – das Projekt Inge: Initiative für nachhaltige Gesundheitsfürsorge im Erwerbsleben. Das Ziel: Menschen, die sich durch verschiedene Umstände dem Arbeitsmarkt derzeit nicht gewachsen fühlen, dabei zu helfen, „ihre individuellen Stärken zu entdecken, Strategien zu Krankheitsbewältigung zu lernen und eine nachhaltige berufliche Perspektive zu entwickeln“.

Eine Projektarbeit, wie beispielsweise Malen, gehört auch zum Baustein vom Projekt Gunda.
Eine Projektarbeit, wie beispielsweise Malen, gehört auch zum Baustein vom Projekt Gunda. // Manuela Nagl

„Das Hauptziel ist nicht, sofort zurück in den Arbeitsmarkt zu kommen, sondern den Projektteilnehmern die Hilfe zukommen zu lassen, die sie in ihrer Lebenssituation gerade brauchen“, betont Zenk. 

Während sich Projekt Inge auf Betroffene fokussiert, die Arbeitslosengeld 2 empfangen, also schon länger in der Arbeitslosigkeit sind, konzentriert sich das neu geschaffenen Projekt Gunda – Gesundheitsfürsorge und Nachhaltigkeit in Deinem Arbeitsleben – darauf, „die Menschen schon früher abzuholen“. Langzeitarbeitslosigkeit vertiefe psychische Probleme, deswegen „wollten wir mit dem Projekt Gunda schon bei Arbeitslosengeld 1 ansetzen“, sagt Zenk.

Gesundheitsfürsorge in Bamberg: Projekt Gunda

Projekt Gunda gibt es seit Juni 2023. Es läuft in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und hat derzeit zehn Teilnehmer. Neben beruflich relevanter Unterstützung wie Hilfe bei Bewerbungen bietet Gunda auch sozial-psychologische Unterstützung an. Diese beruhen auf drei Bausteinen: wöchentliche Einzelgespräche, tägliche gesundheitsbezogene Seminare und eine Projektarbeit, die angelehnt an die Ergotherapie ist.

All das in den Räumen der GGSD Bamberg in der Pödeldorfer Straße. „Unsere Teilnehmer sind drei bis fünf Tage die Woche von 9 bis 16 Uhr vor Ort. Manche gehen auch schon früher, manche bleiben bis 16 Uhr. Fast täglich wird jedoch zusammen gekocht“, erzählt Zenk. 

Darüber hinaus bekommen die Teilnehmer auch Hilfe dabei, „eine psychotherapeutische Anbindung zu finden, die auch über die Dauer der Projektteilnahme hinausgeht“, so die Projektleiterin.

Projekt Gunda: drei Monate und ein Monat Praktikum

Die Teilnahme bei Gunda beträgt drei Monate zuzüglich eines einmonatigen Praktikums. Eine Verlängerung ist jedoch möglich – ganz auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst. Claudia hat beispielsweise ein halbes Jahr am Projekt Gunda teilgenommen. Ihr haben vor allem die Einzelgespräche sehr gutgetan. „Ich konnte einfach sein, wie ich bin und wusste, dass ich hier nicht verurteilt werde.“ Doch auch die Seminare zum Umgang mit Emotionen und Ängsten haben der 47-Jährigen wieder zu mehr Selbstvertrauen und einem besseren Selbstverständnis geholfen. 

Projekt Gunda hat Claudia fast abgeschlossen. Bewerbungen hat sie schon einige geschrieben und ein Vorstellungsgespräch steht auch demnächst an. „Ich bin dankbar, dass es ein solches Projekt gibt und ich hier mitmachen konnte.“ Die 47-Jährige hat wieder die Kraft zurückbekommen, die sie in der Arbeitswelt braucht und ist „motiviert, in einen neuen Job zu starten“. Dabei wünscht sie sich vor allem eines: „Mein nächster Vorgesetzter sollte ein fairer Mensch sein.“

Dem kann Zenk nur beipflichten. „Psychische Erkrankungen sind aufgrund von Unwissenheit und Berührungsängsten noch immer mit einem Stigma versehen.“ Dabei prägen sie schon jetzt unsere Arbeitswelt. „Angesichts des vorherrschenden Fachkräftemangels können wir es uns sicher nicht leisten, gute Arbeitskräfte in die Arbeitslosigkeit zu verlieren. Deswegen müssen wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen und Vorurteile abbauen.“

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