Weihnachten ist die Zeit der Freude, der Liebe und der Besinnlichkeit – eigentlich. Doch oft trifft genau das Gegenteil zu. Eine Studie der Universität Gießen zeigt, dass viele Menschen sich in der Vorweihnachtszeit und während der Feiertage besonders gestresst fühlen. Denn nach der Arbeit noch kurz Geschenke kaufen, zwischendurch Plätzchen backen, das Fünf-Gänge-Menü für Heiligabend planen und das Haus oder die Wohnung festlich dekorieren, all das kann dazu führen, dass wir uns gestresst fühlen.
„Stress ist eine Kraft, die von außen auf uns einwirkt und ursprünglich dazu diente, unseren Körper in eine Art Alarmzustand zu versetzen“, erklärt Andrea Schöppner, Fachärztin für Innere Medizin und Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Sozialstiftung Bamberg.
Stress kann etwas Positives sein
Für einen kurzen Zeitraum wirkt sich eine Stressreaktion nicht negativ auf unsere Gesundheit aus, sondern führt eher dazu, dass wir uns weiterentwickeln und anpassungsfähiger werden. „Positiven Stress erfährt man beispielsweise häufig bei sportlichen Turnieren. Sobald der Wettkampf beendet ist, wurde das Ziel erreicht, man hat meist ein Erfolgserlebnis und die Stresssituation entfällt“, sagt die 63-Jährige.
Hält die Stresssituation allerdings länger an oder wird sogar chronisch, dann hat das negative Auswirkungen.
Das sind typische Stresssymptome
Zu den typischen Symptome eines überaktiven Stresssystems zählen beispielsweise hoher Blutdruck, Spannungskopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Migräne sowie Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und eine höhere Infektionsneigung, da Stress auch unser Immunsystem insgesamt beeinträchtigt.
Die Zahl der Immunzellen im Blut sinkt und die natürlichen Killerzellen sind weniger aktiv. Zudem steigt bei Betroffenen das Risiko für einen Herzinfarkt und es kann zu Zyklus- und sexuellen Störungen kommen.
Stress wirkt sich auf die Psyche aus
„Neben diesen physischen Symptomen wirkt sich chronischer Stress allerdings auch negativ auf unsere Psyche aus“, merkt die Fachärztin an. So kann es zu Antriebsarmut, sinkender Leistungsfähigkeit, Lustlosigkeit und Schlafproblemen sowie zu Depression kommen. „All das kann schließlich in einem Burnout gipfeln“, so Schöppner.
Damit es erst gar nicht so weit kommt, rät die Expertin, auf Hinweise des Körpers zu achten: „Wer viel grübelt, schlechter schläft, kaum noch abschalten kann und sich häufig überfordert fühlt, könnte einer dauerhaften Stresssituation ausgesetzt sein.“
Instrumente zum Stressausgleich
Was tun, wenn man bei sich diese Frühwarnzeichen entdeckt? „Yoga, diverse Achtsamkeits- und Atemübungen sowie Meditation sind bekannte Instrumente, die als Ausgleich von stressigen Zuständen genutzt werden können“, sagt die Expertin. Für wichtiger erachtet Schöppner allerdings folgende Tipps:
1. Eigene Grenzen erkennen und setzen
Wer genau weiß, was er alles schaffen kann und die eigenen Grenzen des Erreichbaren somit realistisch einschätzen kann, der ist deutlich weniger gestresst. Dazu gehört auch, einfach mal Nein zu sagen. „Viele trauen sich nicht, Anfragen abzulehnen, weil sie negative Konsequenzen fürchten. Das ist aber meist reine Kopfsache“, sagt Schöppner.
2. Zwiespalt aushalten
Sich gestresst zu fühlen, ist häufig das Ergebnis einer zu hohen Erwartungshaltung an sich selbst. „Dabei darf man nicht vergessen, dass es komplett subjektiv ist, was der einzelne schafft. Ein und dieselbe Aufgabe kann der einen Person spielerisch leicht von der Hand gehen, während die andere sie nur unter großer Anstrengung erledigen kann“, gibt die Fachärztin zu bedenken und mahnt an: „Vergleiche mit anderen Menschen bringen da überhaupt nichts.“
Stattdessen rät sie, sich dem inneren Zwiespalt zu stellen, den Verzicht zu akzeptieren und sich kleinere Ziele zu setzen. „Dadurch baut man sich eine gute Resilienz auf und wächst mit jeder Herausforderung“, weiß die Expertin.
3. Um Hilfe bitten
Egal, ob es die Kollegen auf der Arbeit sind, unter Freunden oder in der Familie, um Hilfe zu bitten fällt vielen Menschen sehr schwer.
Ein Grund dafür könnte der wachsende Erfolgs- und Erwartungsdruck sein, der meist mit dem Gedanken verbunden ist, dass es von Schwäche zeugt, wenn man nicht alles allein schafft.
„Das ist eine völlig falsche Einstellung: Manchmal braucht man einfach die fremde Hilfe und daran ist nichts falsch oder schwach“, sagt Schöppner.
Das könnte Sie auch interessieren:












