Ohne Bamberger wie ihn gäbe es keinen Weltkulturerbelauf (WKEL). So einfach ist das. Dabei hätte Wolfgang Zenk selbst große Lust gehabt, bei „diesem perfekten Wetter“ die Laufschuhe zu schnüren. Zenk ist leidenschaftlicher Läufer und bei der LG Bamberg in dieser Disziplin sogar als Trainer tätig.
Trotzdem begnügt er sich am Sonntag (4. Mai) mit einer dienenden Rolle. Im Zielbereich am Rathaus kümmerte er sich um diejenigen, die seiner Hilfe bedurften. „Ich habe dafür mit den Jahren einen ganz guten Blick entwickelt“, sagte Zenk.
Zenk dachte dabei in erster Linie an Läuferinnen und Läufer, die über ihre körperlichen Grenzen gegangen sind. Sie versorgte Zenk mit Wasser, Zuspruch und auf Wunsch auch mit einer Banane. „Vor allem vergewissere ich mich, ob jemand medizinische Hilfe benötigt“, sagte Zenk.
Als selbstlos will er sein Engagement nicht verstanden wissen, das sei ihm zu pathetisch. Dass es ohne Helferinnen und Helfer wie ihn beim WKEL nicht geht, darüber ist sich Zenk allerdings klar: „Das alles klappt nur, wenn viele Freiwillige mit anpacken."
WKEL 2025: Morgens um Sechs begannen die Helfer mit der Arbeit
Rund 1500 Männer und Frauen taten es Zenk am Sonntag beim 11. Weltkulturerbelauf gleich. Sie kommen aus Vereinen, von der Polizei, der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder dem THW. Sogar Reservisten der Bundeswehr stellten ihre Zeit und Arbeitskraft in den Dienst des großen Laufs.
Morgens um sechs Uhr, als das Gros der Läuferinnen und Läufer im Schlaf noch letzte Kraftreserven für die bevorstehenden Kraftanstrengungen mobilisiert haben dürften, kamen sie zusammen. Sie bauten auf, sperrten ab und bereiteten vor. Sie taten dies gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins Weltkulturerbelauf. Der Verein organisiert den Lauf seit Beginn an.
Die Bamberger Polizei klingelte morgens säumige Parker aus dem Bett
Schon früh am Sonntag zogen auch Beamte der Bamberger Stadtpolizei durch die Innenstadt. Sie erinnerten säumige Autohalter daran, dass sich ihre Fahrzeug im gesperrten Bereich befinden. „Wo das möglich war, suchten wir die Betroffenen zu Hause auf. Das Abschleppen wird ja sonst richtig teuer“, sagte Polizeichef Florian Mayer.
Mittags um halb zwölf eröffneten Kindergartenkinder den WKEL. Nach 800 zurückgelegten Metern ließen sie sich auf dem Maxplatz feiern. Rund 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer wurden an diesem Tag entlang der Strecken erwartet.
Die Stadt vibrierte wie sonst nur bei der Sandkerwa. Der WKEL ist zu gleichen Teilen ein sportliches wie gesellschaftliches Ereignis. Man trifft sich, man kennt sich, man verbringt gemeinsam eine gute Zeit.
WKEL 2025: Etwa 30.000 Zuschauer feuerten die Läufer an
Beifall und wenn es sein muss auch Aufmunterung spendeten die Zuschauer nicht nur jenen, denen sie familiär oder freundschaftlich verbunden sind. „Ich feure alle an“, sagte etwa Kilian Deller aus Bamberg. Seiner Unterstützung verlieh der Jugendliche auch schriftlich Ausdruck. „Umkehren wäre jetzt auch doof“, stand auf einem seiner beiden Schilder.
Mehr als 12.000 Läuferinnen und Läufer hatten sich bei den insgesamt sieben, zwischen 800 Meter und 21,1 Kilometer langen Läufen viel vorgenommen. Darunter waren Männer und Frauen, Junge und Alte, Durchtrainierte und Gelegenheitsläufer.
Etwas unbehaglich von einem Fuß auf den anderen trippelte vor dem Start zum 4,4-Kilometerlauf die Bambergerin Claudia Hupfer. „Die Sohlen meiner Turnschuhe haben sich gerade eben abgelöst“, sagte sie.
Ihr Ehemann bemühe sich um Ersatzschuhe, ob rechtzeitig bis zum Start, das könne sie nicht sagen. „Ausgerechnet heute“, sagte sie. An Rückzug verschwendete Claudia Hupfer dennoch keinen Gedanken: „Wenn es gar nicht anders geht, laufe ich barfuß.“
Auch Teilnehmer aus Bamberger Partnerstädten waren beim WKEL am Start
„No German“, sagte Richard. Also bitte, dann eben auf Englisch. Richard kommt aus Bambergs englischer Partnerstadt Bedford. In die Domstadt kam er des Halbmarathons wegen. Er freue sich auf den Lauf durch „this lovely town“. Sport und Weltkulturerbe sind für Richard keine Gegensätze. Im Gegenteil, beides gehöre zusammen. Wie Richard beteiligten sich mehr als 200 Läuferinnen und Läufer aus Bamberger Partnerstädten am diesjährigen WKEL.
Auch Menschen, die man aus dem öffentlichen Leben der Stadt kennt, aus dem Stadtrat zum Beispiel, aus der Wirtschaft oder den Kirchen tauschten einen Nachmittag lang Anzug gegen Sportdress. OB Andreas Starke dagegen war angezogen wie immer: „Ich bin erkältet, ein Lauf ist mir deshalb zu riskant.“ Ihm blieb die zeremonielle Aufgabe des Schirmherrn.
Dem emeritierten Erzbischof Ludwig Schick war nach 4,4 Kilometern im Ziel die Anstrengung kaum anzumerken. Wie auch, Schick bringt an jedem einzelnen Morgen zwischen sechs und sieben Kilometer hinter sich. Da müssen sich die etwas mehr als vier Kilometer für ihn angefühlt haben wie ein lockerer Aufgalopp. Würde er so natürlich nie sagen.
Der emeritierte Erzbischof Ludwig Schick hat für gutes Wetter gebetet
Was Schick stattdessen sagt, ist: „Doch, doch, es lief ganz gut heute.“ Am Abend zuvor habe er noch für gutes Wetter gebetet: „Auch das hat geklappt“, sagte Schick.
Unter Bambergs Sonne aber waren sie am Sonntag alle gleich, ob prominent oder nicht, ob gläubig oder nicht, ob sportlich oder nicht: Atmen, laufen, schwitzen, im Zweifel hart sein gegen sich selbst. Bis zum Ziel am Maxplatz, wo neben einem euphorisierten Publikum auch Wolfang Zenk und die vielen anderen Helfer schon auf sie warteten.
















