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WKEL in Bamberg
Glüsenkamp rettet die sportliche Ehre der Stadtspitze
Jonas Glüsenkamp beim WKEL 2025
Mit seiner Zeit von gut 28 Minuten war Bamberger Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp sehr einverstanden. // Foto: Nadja Öffner
Bamberg – Weil Oberbürgermeister und Dritter Bürgermeister unpässlich waren, kam es beim Weltkulturerbelauf auf die Nummer zwei an. Jonas Glüsenkamp war mit seiner Zeit zwar zufrieden. Eine Grünen-Ikone hätte darüber trotzdem nur spöttisch gelächelt.

Oberbürgermeister Andreas Starke? Erkältet und deshalb nicht in der Verfassung, seinen Körper zu belasten. Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner? Machte sich am Streckenrand nützlich als Animateur. Er klatschte und feuerte an. „Außerdem fahre ich ohnehin lieber Rad“, sagte er.

So blieb es beim Weltkulturerbelauf (WKEL) am Sonntag (4. Mai) Zweitem Bürgermeister Jonas Glüsenkamp überlassen, die Stadtspitze auf den Straßen, die einen Tag lang in Bamberg die Welt bedeuteten, zu repräsentieren.

Für seine Aufgabe hatte Glüsenkamp den Pflaum-Logistik-Lauf gewählt. 4,4 Kilometer lang, aber deshalb nicht ohne Tücke. „Immerhin geht es den Domberg hoch“, sagte Glüsenkamp. Gut 28 Minuten und 14 Sekunden lagen für ihn zwischen dem Start am Markusplatz und dem Zieleinlauf am Maxplatz. „Ganz gut“, so ordnete Glüsenkamp seine Zeit ein.

Was hätte wohl Joschka Fischer über die Zeit von Glüsenkamp gesagt? 

Der grüne Ex-Außenminister Joschka Fischer, der sich einst vom sinnfreudigen Genussmenschen zum asketischen Ausdauersportler (und später wieder zurück) formte, hätte über beides, Strecke wie Laufzeit, wahrscheinlich nur spöttisch gelächelt. Bis auf Weiteres bleibt Fischer die unangefochtene Referenzgröße bündnisgrüner Selbstkasteiung.

Wenn Glüsenkamp denn wollte, dann könnte er sich vor Fischer mit seiner fehlenden Vorbereitung herausreden. Zweimal mit den Kindern um den Sportplatz und einmal noch morgens durch die schlafende Stadt, mehr sei nicht drin gewesen. Aber sich rausreden, das will Glüsenkamp erst gar nicht. Weil er seine Zeit voll okay findet. Und weil sie ihm eigentlich doch auch recht wurscht ist. Sagte er zumindest. „Für mich ging es allein um die Freude daran, bei so einer tollen Sache dabei sein zu können.“

Joschka Fischer
In seiner Zeit als Außenminister lief Joschka Fischer unter anderem den Marathon in New York. // Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

In den vergangenen Jahren hatte es sich Glüsenkamp zur Angewohnheit werden lassen, den 4,4,-Kilometer-Lauf gemeinsam mit seinem Vater zu bestreiten. Ging dieses Mal nicht, die Gesundheit erlaubte es dem Vater nicht.

An seiner Statt hatte sich Glüsenkamp Bambergs grünen Co-Fraktionschef Christian Hader an die Seite geholt. „Der ist zehn Jahre älter, aber trotzdem fitter als ich“, sagte Glüsenkamp.

Weltkulturerbelauf 2025: Glüsenkamp ging ohne mulmiges Gefühl ins Rennen 

Die Republik denkt gerade über Politiker nach, die als Reaktion auf fortgesetzte Beleidigungen und Bedrohungen ihren Abschied aus der Politik genommen haben. Erst vor wenigen Tagen begründete der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert seinen jähen Rückzug mit dem  zerstörerischen Gefühl, nirgendwo mehr sicher und unbeschwert sein zu können. „Vergleichbares habe ich Bamberg zum Glück noch nie erlebt“, sagte Glüsenkamp.

Ins Rennen beim WKEL ging er deshalb ohne jedes mulmige Gefühl. Er sei erkannt worden, das ja, von anderen Läufern und auch von Zuschauern am Streckenrand. Aber beleidigt oder gar bedroht, nein, das nicht, im Gegenteil: „Die Stimmung war doch wieder einmal phänomenal heute“, sagte Glüsenkamp.

Im Ziel ein Getränk und dann ab unter die Dusche. Nicht etwa daheim, sondern im Keller des Rathauses. Es musste schnell gehen, Glüsenkamp hatte noch etwas zu erledigen. „Wir haben einen Termin mit den Repräsentanten unserer Partnerstädte.“ Dazu wollten dann auch Starke und Metzner stoßen.

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