„Anton muss bleiben“: Ein Textil mit dieser Aufschrift verfehlte seine Wirkung vor 15 Jahren nicht. Auch dank der groß angelegten T-Shirt-Aktion konnte die Vertragsverlängerung von Anton Gavel in Bamberg damals verwirklicht werden. Ein entscheidender Faktor für den Bamberger Titelregen, der in den nächsten Jahren folgen sollte. Zehn Jahre nach seinem Weggang aus Oberfranken schlüpfte der Deutsch-Slowake am Freitagnachmittag bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer Cheftrainer der Bamberg Baskets wieder in ein Klubtextil. Die drei Sterne, die über dem Logo auf dem Poloshirt prangen und die neun Meisterschaften symbolisieren, sind auch ein Verdienst Gavels.
„Ich spreche sehr ungern darüber, was früher war. Ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Damit hat es sich aber auch“, sagt der 39-Jährige auf dem Podium des Presseraums der Brose-Arena. Ob er sich sofort wieder zurechtgefunden habe in seiner neuen, alten Wahlheimat? „Ja, gleiche Halle, gleiche Trainingshalle. Die Bedingungen sind die, die ich gekannt habe. Ich freue mich auf die Herausforderung.“
"Ohne Druck spielen wir um gar nichts"
Während sich an den Trainingsbedingungen kaum etwas verändert hat, sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten selbstredend andere als damals. Gavel weiß das, kann die Rahmenbedingungen realistisch einschätzen. Gleichzeitig scheint ihn das aber auch unheimlich zu motivieren. „Nachdem, was die letzten 20 Jahre hier passiert ist, sind die Erwartungen in Bamberg nach wie vor groß. Und das finde ich gut. Dass wir nicht alle Erwartungen realisieren können, müssen die Fans verstehen. Aber Druck, sei es von den Fans oder anderen Seiten, ist wichtig. Ich habe früher immer gesagt: Ohne Druck spielen wir um gar nichts“, so Gavel.
Während Geschäftsführer Philipp Höhne bei der Frage nach der Zielsetzung nur davon spricht, um die Play-offs mitzuspielen, setzt der Ulmer Meistertrainer aus dem Jahr 2023 einen drauf. „Wir müssen uns die Play-offs als Ziel setzen. Und da rede ich nicht von den Play-ins, sondern von den Play-offs. Das ist hochgegriffen, ja. Aber am Ende wollen wir uns entwickeln und angreifen. Dafür steht Bamberg.“
Und wofür steht Gavel? „Wenn jemand versucht, den Basketball zu beschreiben, den man gerne in Bamberg sehen würde, kommt einem direkt Anton in den Kopf. Nicht das größte Talent, aber der größte Wille. Jemanden an der Seitenlinie zu haben, der immer mehr als 100 Prozent geben will, genau das braucht Bamberg“, erklärt Höhne.
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Und was braucht Gavel noch für seinen neuen Kader? Zwei Spieler. „Einen Back-up für die Positionen 1 und 2. Einen anderen Spielertyp als Ronaldo Segu. Jemand, der vielleicht von außen etwas gefährlicher ist und eine gute Größe mitbringt. Und einen Spieler für die Position 4, der gut reboundet, uns Energie bringt und auch von außen gefährlich ist“, beschreibt Gavel die gesuchten Spielerprofile. Eile sei dabei aber keine geboten.
Noch zwei Spieler fehlen
„Die Zeit drängt nicht“, so der 39-Jährige, der auch keinen Hehl draus macht, dass er gerne mehr Spieler aus dem letztjährigen Kader gehalten hätte. „Am Ende sind es die ökonomischen Kräfte. Wir hätten gerne mehr Kontinuität gehabt und zumindest zwei Importspieler gehalten. Aber wir konnten nicht mithalten.“ Sein Ziel sei es, dass mittelfristig Neuzugänge wieder Mehrjahresverträge unterschreiben. „Aber dafür brauchen wir erstmal Resultate“, so Gavel.
Einen Satz, den der 39-Jährige im Laufe der gut 45-minütigen Pressekonferenz fast gebetsmühlenartig wiederholt. „Wir müssen den ersten Schritt machen mit Resultaten – und so Sponsoren und Zuschauer locken, begeistern, etwas entfachen. Wir haben es selbst in der Hand.“
Andere Rolle als in Ulm
Mehr in der Hand als in den zwei Jahren als Headcoach in Ulm hat Gavel in Bamberg. Während er bei den Schwaben mit Thorsten Leibenath einen erfahrenen Sportdirektor für die Kaderzusammenstellung an der Seite hatte, obliegt ihm in Bamberg in diesem Bereich deutlich mehr Verantwortung. „Ja, es ist ein bisschen mehr als in Ulm. Aber es macht mir Spaß, zu scouten, zu schauen, wer passt, wer passt nicht. Und ich scheue mich nicht vor Verantwortung. Aber ich entscheide nicht allein, sondern mache das gemeinsam mit Arne, Stefan und Matt (Anm. d. Red.: Matt Haufer, Scout)“, sagt er.
Dabei soll es ähnlich demokratisch wie bei Chris Fleming, Weissenböck und Woltmann vor 15 Jahren zugehen. Für Gavel ein leuchtendes Beispiel der Arbeitsteilung.
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Ohne es zu wollen, rutscht der Deutsch-Slowake dann doch immer wieder in die Vergangenheit. Verwundern tut das nicht. Gavel verbrachte in Bamberg seine beste Zeit als Spieler – und fand auch sein privates Glück. Frau Elena und deren Familie kommen aus Bamberg. „Wenn sich die Familie wohlfühlt, geht es mir natürlich umso besser. Man kann schon sagen, dass ich zurück in die Heimat komme.“ Und in dieser Heimat will Gavel langfristig bleiben.










