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Basketball-Interview
Karsten Tadda: "Bin im schnell fahrenden Zug unterwegs"
Karsten Tadda bei einer Aufwärmübung vor einem Bamberger Heimspiel. In der kommenden Saison will der 35-Jährige wieder länger auf dem Parkett stehen.
Karsten Tadda bei einer Aufwärmübung vor einem Bamberger Heimspiel. In der kommenden Saison will der 35-Jährige wieder länger auf dem Parkett stehen. // Daniel Löb
Bamberg – Ein Jahr nach seiner Rücken-OP nähert sich der Kapitän der Bamberg Baskets seiner Topform an. Im Interview spricht der 35-Jährige über seinen Gesundheitszustand, Neu-Trainer Anton Gavel und die Fußball-EM.

Im Baskets-Trainingszentrum geht es Tag für Tag auch im Sommer zur Sache: So schwitzen zum Beispiel Gabriel Kuku (22), Adrian Petkovic (19) oder Nico Höllerl (20) auf dem Strullendorfer Parkett. Akteure, die die spielfreien Wochen nutzen, um den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen. In der neuen Saison möchten sich die Talente dann bei den Bamberg Baskets und Kooperationspartner BBC Coburg beweisen. Nicht mehr beweisen muss sich dagegen Karsten Tadda. Doch der 35-Jährige ist mittendrin, statt nur dabei, geht ein ähnliches Pensum wie die Youngster. Die vergangene Saison, die aufgrund einer Rückenverletzung „nicht zufriedenstellend“ verlief, möchte er vergessen machen. Unvergesslich kann sich der Gundelsheimer im besten Fall Anfang des neuen Kalenderjahres machen. Denn Tadda fehlen nur noch 24 BBL-Spiele, um die Bestmarke von Rekordspieler Alex King (638 BBL-Spiele) zu knacken. Im FT-Interview spricht er über seinen Gesundheitszustand, Neu-Trainer Anton Gavel und die Fußball-EM.

Herr Tadda, seit Ihrer Rücken-OP ist etwas mehr als ein Jahr vergangen. Es ist kein Geheimnis, dass Sie monatelang mit den Folgen zu kämpfen hatten. Wie ist Ihr Gesundheitszustand heute?

Karsten Tadda: Ich bin auf einem guten Weg, dahinzukommen, wo ich vor meiner Verletzung war. Ich habe keine Probleme mehr, kann mich dementsprechend gut bewegen. Ich fahre aktuell das komplette Programm, fünfmal die Woche stehe ich in der Halle, mache Laufeinheiten und Krafttraining. Ich bin momentan im schnell fahrenden Zug unterwegs.

Gab es in der vergangenen Saison überhaupt einen Zeitpunkt, an dem Sie nahe der 100 Prozent waren?

Diesen Punkt gab es nicht, wobei ich mich die letzten zwei Saisonmonate schon deutlich besser gefühlt habe. Aber da hätte ich trotzdem noch eine vierwöchige Vorbereitung gebraucht, um an der Schnelligkeit, Kondition und solchen Dingen zu arbeiten. Ich war zu keinem Zeitpunkt bei 100 Prozent, habe aber, soweit es mir möglich war, versucht, meinen Teil zum Teamerfolg beizutragen.

Die Erwartungen an Sie nach der Rückkehr in die alte Heimat waren groß. Ihr Tatendrang ebenso. Wie frustrierend war die Situation für Sie?

Sehr. Ich war zuvor noch nie in so einer Situation, war in meiner Karriere nie schwerer verletzt. Es war mental schwierig für mich, weil ich von mir selbst zu viel erwartet habe. Ich habe gehofft, dass der Heilungsverlauf schneller vorangeht und wollte der Karsten sein, den alle von früher kannten. Aber jetzt blicke ich nach vorne und will helfen, dass die Bamberger Basketball-Euphorie wieder größer wird.

Kapitän Karsten Tadda (Mitte) im Kreis der Mannschaft. Mit EJ Onu, Trey Woodbury und Lukas Herzog (von links) wird er allerdings nicht mehr zusammenspielen.
Kapitän Karsten Tadda (Mitte) im Kreis der Mannschaft. Mit EJ Onu, Trey Woodbury und Lukas Herzog (von links) wird er allerdings nicht mehr zusammenspielen. // Daniel Löb

Sie schwitzen seit einigen Wochen in der Halle. Wann ist Urlaub angesagt?

Erst wenn mein Sohn Ferien hat. Wir werden zu Beginn der Sommerferien noch zehn Tage in Urlaub fahren, um dann mit voll geladenen Akkus in die Mannschaftsvorbereitung zu starten. In den Pfingstferien war ich schon ein paar Tage in Paris, habe meine alten Teamkollegen aus Bonn besucht.

Coach Tuomas Iisalo und fünf Spieler sind allesamt von Bonn nach Paris gewechselt, haben dort den Eurocup und Pokal gewonnen. Haben Sie damit gerechnet, dass Iisalo auch in Frankreich so erfolgreich ist?

Ja, weil ich um die Qualität von ihm und der Spieler weiß. Es hilft sehr, wenn du einige Spieler in deinem Kader hast, die bereits ein oder zwei Jahre zusammengespielt haben. Dann geht es natürlich viel schneller, das Konzept des Trainers zu verinnerlichen.

Das Konzept des neuen Trainers gilt es auch für Sie und Ihre Teamkollegen zu verinnerlichen. Wie haben Sie die Rückkehr von Anton Gavel aufgenommen?

Natürlich sehr positiv. Man hat sofort in der Stadt gemerkt, dass die Freude riesig ist, dass eine weitere Identifikationsfigur zurück ist.

Karsten Tadda zieht am Hamburger Ivey Brae vorbei. Dem Routinier fehlte es im gesamten Saisonverlauf an Spritzigkeit.
Karsten Tadda zieht am Hamburger Ivey Brae vorbei. Dem Routinier fehlte es im gesamten Saisonverlauf an Spritzigkeit. // Daniel Löb

Für viele Jahre spielten Sie an der Seite von Anton Gavel. Können Sie sich noch an seine Ankunft 2009 erinnern?

Ja. Er kam damals in einer Art Notsituation und hat geholfen, das Ruder herzumreißen. Ab dem Zeitpunkt seiner Verpflichtung ging es damals wieder aufwärts. Was von Beginn an zu sehen war: Anton macht alles mit großer Leidenschaft. Die Energie, die er damals als Spieler aufs Feld gebracht hat, war ansteckend. Genauso groß sind jetzt die Leidenschaft und der Elan, wenn er an der Seitenlinie steht. Als würde er am liebsten selbst noch mitspielen.

Kadertechnisch tut sich bei den Baskets wieder einiges. Bedauern Sie es, dass keiner der Importspieler zurückkehren wird?

Für die Hintergründe der Kaderplanungen bin ich der falsche Ansprechpartner. Die Coaches und das Management versuchen, das bestmögliche Team zusammenzustellen. Und da habe ich auch großes Vertrauen.

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Die Neuzugänge kommen größtenteils aus kleineren Ligen. Beschäftigt man sich im Vorfeld mit den Spielern, schauen Sie beispielsweise Highlight-Videos Ihrer neuen Teamkollegen an?

Früher habe ich das gemacht, ja. Aber aus meiner Erfahrung täuschen solche Videos häufig auch mal. Jeder Trainer hat eine andere Spielidee, die Art des Basketballs ist in jeder Liga unterschiedlich. Ich bilde mir meine Meinung lieber, wenn ich einige Wochen mit den Neuzugängen zusammen trainiert habe.

Apropos Sport anschauen: Wie präsent ist die Fußball-EM im Hause Tadda?

Mein siebenjähriger Sohn spielt neben Basketball auch Fußball. Er führt daheim auch fleißig eine Liste, wie die einzelnen EM-Spiele ausgegangen sind. Wir schauen also viele Spiele. Nur die 21-Uhr-Spiele gehen natürlich noch nicht.

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