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Camp mit Frauen und Männern
Weissenböck macht Olympionikinnen in Strullendorf fit
Alina Hartmann, Marie Gülich und Luisa Geiselsöder (von links) trainierten in Strullendorf mit Stefan Weissenböck.
Alina Hartmann, Marie Gülich und Luisa Geiselsöder (von links) trainierten in Strullendorf mit Stefan Weissenböck. // Johannes Nusko
Bamberg – Die Bambergerin Alina Hartmann und drei weitere deutsche Nationalspielerinnen schwitzen vor dem Vorbereitungsstart unter der Anleitung von Stefan Weissenböck in der Baskets-Trainingshalle. Im Summer-Campus des Österreichers trainieren erstmals Frauen und Männer zusammen. So haben die Spielerinnen und Weissenböck die Woche erlebt.

Der Startschuss für den Olympia-Sommer der DBB-Frauen ist gefallen. Am Freitag versammelte Bundestrainerin Lisa Thomaidis ihren Kader in Würzburg. Vor dem offiziellen Trainingsstart in Unterfranken bereitete sich ein Spielerinnen-Quartett für eine Woche in Oberfranken vor. In Strullendorf um genauer zu sein. Die gebürtige Bambergerin Alina Hartmann (vergangene Saison: BC Namur Capitale, Belgien), Marie Gülich (Valencia, Spanien), Luisa Geiselsöder (Basket Landes, Frankreich) und Emily Bessoir (UCLA, College) schwitzten im Trainingszentrum der Bamberg Baskets. Die vier Nationalspielerinnen waren eine Woche Teil des Summer-Campus von Individualtrainer Stefan Weissenböck.

Der „Head of Player Development“ der Bamberg Baskets veranstaltet diese Art von Camps seit vielen Jahren, arbeitet unter anderem mit aktuellen oder ehemaligen NBA-Stars wie Daniel Theis, Jakob Pöltl oder Tomas Satoransky zusammen. In diesem Sommer sind zum ersten Mal Spielerinnen Teil der individuellen Trainingseinheiten. „Im letzten Herbst ist der tschechische Verband, mit dem ich bereits seit vielen Jahren zusammenarbeite, an mich herangetreten und mich gefragt, ob ich es mir vorstellen kann, auch mit Nationalspielerinnen zu arbeiten. Ich habe mich dafür entschieden“, erklärt der Österreicher.

Schwierige Hallensuche in Deutschland

Mit Hartmann steht Weissenböck bereits länger in Kontakt, seit einem Monat arbeiten sie intensiv zusammen in der Halle. „Wenn ich Alina dabei unterstützen kann, ihr Ticket für Olympia zu lösen, mache ich das natürlich mit allem, was ich zu bieten hab‘“, so Weissenböck. Dankbar über die Möglichkeit, mit dem Individualtrainer unter professionellen Rahmenbedingungen zu trainieren, ist aber nicht nur Hartmann. „Olympia steht an, aber in Deutschland ist es manchmal schwer, überhaupt Trainingshallen zu finden – und vor allem Facilities, die alles beinhalten und in denen man einen halben Tag verbringen kann“, sagt Centerin Marie Gülich wenige Minuten nach einer schweißtreibenden Einheit.

Die 30-Jährige war die vergangenen vier Jahre für Valencia aktiv und gewann dort insgesamt sieben Titel. In der kommenden Saison geht es für die ehemalige WNBA-Spielerin zu einem neuen Klub. Ein Wechsel in ein neues Land wird auf jeden Fall für Alina Hartmann anstehen. Ihre neue Destination möchte die 28-Jährige noch nicht preisgeben.

Vier Nationalspielerinnen zum Training in Strullendorf (von links): Alina Hartmann, Marie Gülich, Emily Bessoir und Luisa Geiselsöder
Vier Nationalspielerinnen zum Training in Strullendorf (von links): Alina Hartmann, Marie Gülich, Emily Bessoir und Luisa Geiselsöder // Johannes Nusko

"Stefan achtet auf wahnsinnig viele Details"

Der Fokus gilt nun ohnehin der Nationalmannschaft. Und dort möchte die Flügelspielerin der Bundestrainerin möglichst viele Argumente liefern, sie in den endgültigen Olympia-Kader zu berufen. Dafür stand sie in den vergangenen Wochen mehrere Stunden täglich in der Strullendorfer Halle. „Meine Stärke ist der Wurf. Aber es ist krass, wie viel mir Stefan noch mitgeben konnte. Ich werde immer konstanter, kann jetzt von weiter weg schießen und bin sicherer beim Wurf aus der Bewegung“, erklärt Hartmann. „Stefan achtet auf wahnsinnig viele Details. Manchmal stehen wir auch nur eine halbe Stunde da und unterhalten uns über Technik. Es geht nicht immer nur ums Schwitzen, sondern es tut auch mental gut, wenn du dich in Ruhe austauschen kannst.“

Trainer Kevin Kositz (rechts) erklärt eine Übung.
Trainer Kevin Kositz (rechts) erklärt eine Übung. // Johannes Nusko

"Nationalmannschaftscamp" in Bamberg

Hartmann hat dabei bei sich zu Hause, wie sie sagt, ein kleines „Nationalmannschaftscamp“ errichtet. Marie Gülich und Emily Bessoir haben sich für eine Woche bei der Bambergerin einquartiert. Nach getaner Arbeit in Strullendorf ging es mittags nach Bamberg. „Wir haben mittags in der Stadt gegessen, dann habe ich den Mädels noch Bamberg gezeigt. Sie fanden es alle sehr schön“, so Hartmann. Das bestätigt die Rheinländern Gülich nur zu gerne: „Voll schön hier, richtig süß. Kann man sich dran gewöhnen.“

Wohin es sie zur neuen Saison zieht, weiß die Centerspielerin noch nicht. Über einen anderen Trainer entstand ihr Kontakt zu Weissenböck. Die Woche in Oberfranken bereut sie nicht. Die 30-Jährige wollte nach längerer Pause nach dem Saisonende wieder in ihren Rhythmus kommen und vor allem an ihren Distanzwurf arbeiten. Dass bestimmte Übungen mit den Männern, darunter die Baskets-Spieler Karsten Tadda, Gabriel Kuku und Adrian Petkovic, zusammen absolviert wurde, findet sie gut. „Diversity tut gut, das ist eine andere Energie. Das Schöne ist, dass jeder Bock hat, an seinem Game zu arbeiten“, so Gülich.

Hartmann ergänzt: „Die Männer spielen natürlich noch mal physischer, das bringt uns richtig viel. Im Männerbereich ist es völlig normal, im Sommer auf die Art intensiv zu arbeiten, sich jeden Tag im Eins-gegen-eins zu messen. Und das macht einen natürlich besser. Bei uns im Frauenbereich müssen wir immer noch um Hallenzeiten und Trainingsmöglichkeiten kämpfen.“

Marie Gülich und Luisa Geiselsöder
Marie Gülich und Luisa Geiselsöder // Johannes Nusko

Weissenböck: "Spirit hat mich beeindruckt"

Und wie fällt das Fazit von Weissenböck zur ersten Trainingswoche seines Summer-Campus‘ mit Männern und Frauen aus? „Der Spirit mit den gemeinsamen Übungen ist ein anderer und hat mich echt beeindruckt. Ich war überrascht, wie hart und mit welcher Begeisterung die Mädels trainieren. Und sie sind sehr selbstorganisiert, kümmern sich um viel selbst“, erklärt der 51-Jährige, der seine Arbeitsweise etwas anpassen musste. „Natürlich war es im letzten Herbst eine Umstellung für mich. Der Umgang mit den Spielerinnen ist ein etwas anderer, die Terminologie ist anders, beim Kontakt ist man etwas vorsichtiger. Aber ist sehr erfrischend und macht viel Freude.“

 Aber auch mehr Arbeit für den Basketball-Workaholic, der fast den kompletten Sommer über in der Trainingshalle steht. „Wenn man Leidenschaft für etwas hat, ist das nie Arbeit, sondern in den meisten Fällen Vergnügen“, sagt Weissenböck mit einem verschmitzten Lächeln.

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