Für Fans des Bamberger Amateurfußballs war es ein gewohntes Bild. In der 53. Minute des Landesligaduells zwischen dem TSV Burgebrach und der SpVgg Mögeldorf bekam Marcel Kutzelmann den Ball vom linken Flügel in den Sechzehner serviert. Mit dem Rücken zum Tor schirmte der bullige Mittelstürmer die Kugel vor zwei Gegenspielern ab, zog sie zwei, drei Mal mit der Sohle mit, schloss ab - und drehte nach seinem achten Saisontor jubelnd ab.
"Kutzi" traf so, wie er schon vor 15 Jahren beim FC Oberhaid die Tore machte. Als mittlerweile 34-Jähriger und Spielertrainer des Landesliganeulings sind solche Treffer dennoch etwas anderes. "Mein Vorteil ist vielleicht, dass ich schon immer höre, dass der Gegner mich ja kenne. Getroffen habe ich trotzdem, das motiviert mich", sagt er.
Vielleicht wäre es besser gewesen, den Schritt aus der Bezirks- auf die Landesebene vor zehn Jahren zu gehen, sagt Kutzelmann. "Aber wenn du nach dem Spiel von Mögeldorfern, die zwölf, dreizehn Jahre jünger sind, den Respekt ausgestellt bekommst - das macht auch Spaß."
TSV Burgebrach bricht Heim-Bann gegen Mögeldorf
Kutzelmanns Treffer in altbekannter Manier war am Sonntag das zwischenzeitliche 1:1, kurz darauf legte der unermüdlich ackernde Michael Zirkel nach einem 30-Meter-Lauf aus spitzem Winkel das 2:1 nach. Den Vorsprung rettete der TSV über die Zeit, fuhr drei Punkte ein und zeigte, dass der Trend in die richtige Richtung geht.
Es war der dritte Sieg in Serie, durch den der Bezirksligameister der Vorsaison die 20-Punkte-Marke knackte. Und gleichzeitig der erste Heimsieg seit dem Eröffnungsspiel am 16. Juli.
Für Kutzelmann sind die dazwischen liegenden sieben Heimniederlagen indes kein Drama. "Man muss einfach sehen, was wir für ein Heimprogramm hatten. Dann sind die Ergebnisse auch erklärbar", sagt er.
In der Tat folgten dem Auftaktspiel gegen Röslau fast ausschließlich Duelle mit den Topteams der Liga. Ammerthal, Münchberg, der FSV Erlangen-Bruck - "auch Schwabach oder der Jahn kommen mit Topteams, mit brutaler Qualität und Ambitionen", erinnert Kutzelmann.
Punkte holte Burgebrach in diesen Monaten nur in der Fremde. Viele waren es nicht, bis mit dem 4:0 in Gutenstetten und dem 3:2 im Rückspiel bei Röslau die Wende gelang. Dass der Aufsteiger nun auch die dunkle Heimserie brach und auf dem engen Kunstrasen spielstarke Mögeldorfer im Zaum hielt, tat am Windeck-Sportgelände allen gut.
"Man setzt sich schon Punkteziele, überlegt, was wir brauchen. Dann gingen die Spiele ins Land, aber die Punkte wurden nicht mehr. Wenn wir 36 bis 38 Punkte holen, könnten wir den direkten Klassenerhalt schaffen. Jetzt sind wir fast im Soll", freut sich Kutzelmann.
Kutzelmann: "Man muss wissen, wo man herkommt"
Den direkten Wiederabstieg, gar die Relegation zu vermeiden, wäre ein echtes Ausrufezeichen. In den vergangenen Jahren gelang das den Meistern der Bezirksliga West höchst selten. Schammelsdorf stieg zuletzt ebenso direkt wieder ab wie der FC Oberhaid davor.
"Es ist kein Zufall, dass das bei uns aktuell anders läuft. Die Jungs lernen unheimlich viel, weil sie sich gesteigert und auf die Liga eingelassen haben. Und natürlich haben wir Qualität im Team. Aber wir haben keine Landesligaspieler geholt, sondern vor allem junge Spieler, Jungs aus der Kreisliga", erklärt Kutzelmann.
Das körperliche Element, die Cleverness im Zweikampf - viele Kleinigkeiten laufen auf Landesebene anders als es fast alle Burgebracher vorher kannten. Zumal nicht nur Säulen der Meistermannschaft wie Torwart Florian Dörnbrack oder Kapitän Daniel Baier fehlen, sondern eingeplante Kräfte mit höherklassigem Background wie Jannik Denzler und Philipp Hörnes Verletzungen beklagten.
"Ich finde, dass unsere Leistung gar nicht hoch genug einzuordnen ist. Man muss wissen, wo man herkommt. Wir sind als Mannschaft gewachsen, jeder ist mitgewachsen. Das klappt bei uns besser als in den Vorjahren bei anderen Teams", ist Kutzelmann überzeugt.
TSV Burgebrach vor schwerer Aufgabe
Christian Trunk schlägt in dieselbe Kerbe. Auch der Teammanager hebt die gemeinsame Arbeit von Kutzelmann und seinem Trainerkollegen Bernd Baier mit der Mannschaft hervor. "Wir arbeiten Training für Training, entwickeln uns gut. Und haben gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist. Für alle sind diese Siege, besonders der im Heimspiel, eine Genugtuung", sagt Trunk.
Gutgetan hat Burgebrach zuletzt auch der Wechsel auf den kleinen Kunstrasenplatz. Schon beim 2:3 gegen Jahn Forchheim hielt der TSV mit, musste sich trotz eines guten Matchplans aber der offensiven Wucht der Elf von René Ebert geschlagen geben. In Gutenstetten wurde auf einem noch engeren Kunstrasen gespielt. "Die Jungs setzen die Marschroute gut um. Auch gegen Mögeldorf waren wir trotz des frühen Rückstands gut im Spiel", lobt Trunk.
Das honorieren auch die Zuschauer, die ihr Team in der Fremde regelmäßig begleiten. Trotz der Heimmisere stärkten sie der Mannschaft den Rücken. Das werden sie auch am Samstag tun, wenn das Rückspiel in Bruck ansteht. Anschließend steht der Heim-Abschluss gegen Unterreichenbach an. Ob am 29. November noch wie geplant das wichtige Spiel bei Abstiegskonkurrent Weißenburg steigt, ist ungewiss.
"Wir wissen, wie stark die Brucker sind, aber das nehmen wir an", gibt sich Trunk kämpferisch. Auch Kutzelmann, der spät, aber noch rechtzeitig sein einst gesetztes Ziel des Fußballs auf Landesebene erreicht hat, nimmt Rückenwind mit in die ausstehenden Spiele. Er baut dabei auf die gewonnene Erfahrung seiner Mannschaft: "Wir wollen ungeschlagen in die Pause kommen, wissen aber natürlich, dass Bruck Favorit ist. Im Hinspiel haben wir uns auf ihr Spiel eingelassen, sind unter die Räder gekommen. Danach gegen Unterreichenbach peilen wir drei Punkte an."













