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Wahl-Bambergerin bei Olympia
Gina Lückenkemper: "Auch mal ein wenig die Sau rauslassen"
Olympia im Blick: Sprinterin Gina Lückenkemper bereitet sich in Rattelsdorf auf ihre mittlerweile dritte Teilnahme bei den Spielen vor.
Olympia im Blick: Sprinterin Gina Lückenkemper bereitet sich nördlich von Bamberg in Rattelsdorf auf ihre mittlerweile dritte Teilnahme bei den Spielen vor. // Max Danhauser
Bamberg – Die in Bamberg lebende Sprinterin Gina Lückenkemper fährt zu ihren dritten Olympischen Sommerspielen. Warum die für sie ganz besonders werden und wie es im Deutschen Haus ist, verrät sie im FT-Interview.

In der Ferne rufen Kinder durcheinander, LKW brausen auf der B4 vorbei. Ansonsten ist es still auf dem Sportplatz in Rattelsdorf, nördlich von Bamberg. Weit und breit ist niemand. Nur Gina Lückenkemper geht langsam die Laufbahn entlang, den Blick fokussiert nach unten gerichtet.

Sie nimmt eine halbtiefe Startposition ein, atmet zwei Mal tief durch und sprintet bis auf die andere Seite des Platzes.

Dort hat sie ihre Sporttasche liegen und einen kleinen Hocker stehen. Erst einmal hinsetzen und ein paar Minuten ausschnaufen. So bereitet sich die schnellste Frau Deutschlands auf die Olympischen Spiele in Paris vor. Nach Rio de Janeiro (2016) und Tokio (2020) ist das ihre dritte Teilnahme.

Gina Lückenkemper: Vorbereitung auf Olympia

Wir hätten Sie eigentlich im Bamberger Fuchs-Park-Stadion erwartet. Wie kommt es, dass Sie jetzt in Rattelsdorf trainieren?

Gina Lückenkemper: Obwohl die Stadionbahn supergut gepflegt wurde, ist sie im Moment nicht benutzbar. Sie ist an vielen Stellen aufgeplatzt. Es ist für mich schlicht zu gefährlich, dort zu laufen. Ich habe hier mit Rattelsdorf eine gute Ausweichmöglichkeit und war auch schon ein paar Mal in Baunach im Stadion. Aber es ist schon schade, ich würde schon gerne wieder in Bamberg trainieren.

Gina Lückenkemper ist die schnellste deutsche Frau. Beim Sprint ist sie fast 40 km/h schnell.
Gina Lückenkemper ist die schnellste deutsche Frau. Beim Sprint ist sie fast 40 km/h schnell. // Max Danhauser

Wenn Sie Olympia hören, was kommt Ihnen da als Erstes in den Sinn?

Boah, als Erstes eine wahnsinnige Vorfreude. Ich bin total gespannt darauf, wie meine ersten Olympischen Spiele in Europa werden, weil es auch für mich das erste Mal die Chance ist, dass meine Familie und auch mein Freund im Stadion dabei sein können. Das hatte ich bisher noch nicht.

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Was gibt Ihnen das, wenn Sie wissen, dass die Familie dabei sein wird?

Im Vorfeld freue mich sehr darüber. Aber bei jedem Großereignis, egal ob meine Eltern mit dabei waren oder nicht: Wenn ich auf der Bahn stehe, ist alles andere egal. Das blendet man aus, im Ziel aber freue ich mich dann.

Gina Lückenkemper: Sprint und Staffel

Wann geht es für Sie nach Paris?

Am 25. Juli. Mein erster Wettkampf ist am 2. August. Um 11.50 Uhr starten die 100-Meter-Vorläufe. Und am 3. August sind Halbfinale und Finale. In den Tagen danach laufe ich noch die Staffel.

Springen wir ein paar Wochen zurück zu den Deutschen Meisterschaften. Sie haben bestätigt, die schnellste deutsche Frau zu sein. Was war das für ein Gefühl, als Sie im Ziel waren?

Erleichterung und unfassbare Freude. Ich habe in den vergangenen Jahren immer ordentlich performt, bin viele starke Zeiten gelaufen. Nichtsdestotrotz: Es sind drei Rennen an einem Tag, das ist ein sehr langer Wettkampftag. Sieben Stunden lang die Anspannung und Konzentration hochhalten. Das ist schon nicht ohne.

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Sie sind im Finale eine Zeit von 11,04 Sekunden gelaufen, Olympia-Norm ist eine 11,07. Wann ist Ihnen bewusst geworden, dass Sie so auch die olympische Norm überboten haben?

Ich bin sie mit 11,03 schon vergangenes Jahr bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel gelaufen. Das war schon im Olympia-Qualifikationszeitraum. Auf meiner Trainingsanlage in den USA bin ich eine 11,06 gelaufen, in Atlanta eine 11,01. Auch bei den Europameisterschaften habe ich die Norm in zwei Rennen überboten. Von daher war es für mich eigentlich ,Pflichtprogramm', diese Leistung bei den Deutschen Meisterschaften nochmal zu bestätigen und zu zeigen: ,Ich bin fit, bin in Form und ready für die Olympischen Spiele.‘

Die Nominierung galt nur noch als Formsache, musste aber trotzdem noch erfolgen. Wie haben Sie von Ihrer Nominierung erfahren?

Bei den Deutschen Meisterschaften habe ich schon mit meinem Bundestrainer gesprochen. Er hat mir gesagt, dass ich in der Ausschusssitzung auf jeden Fall vorgeschlagen werde. Offiziell habe ich es tatsächlich aus der Pressemitteilung erfahren, weil die etwas früher als die E-Mail an uns rausging (lacht).

Lückenkemper: "Arbeite genauso akribisch weiter"

Wie sieht jetzt Ihr Trainingsalltag aus und was machen Sie wegen der Olympischen Spiele extra?

Extra gemacht wird nichts mehr. Ich arbeite genauso akribisch weiter wie davor. Aber ich schaue von Tag zu Tag, wie wir das Training gestalten. Ich bin am Mittwoch erst von einem Wettkampf in der Schweiz zurückgekommen. Da muss ich immer dafür sorgen, das Training an die Situation und die Gegebenheiten angepasst wird. Vor den Spielen geht es für mich nochmal nach Potsdam für ein Staffel-Vorbereitungstrainingslager. Das ist vielleicht eine Besonderheit. Denn hier bin ich allein. Da ist keiner zum Staffellaufen (lacht).

"Wahnsinnige Vorfreude": Die in Bamberg lebende Sprinterin Gina Lückenkemper freut sich auf di Olympischen Spiele in Paris.
"Wahnsinnige Vorfreude": Die in Bamberg lebende Sprinterin Gina Lückenkemper freut sich auf die Olympischen Spiele in Paris. // Max Danhauser

Sie haben eine lange Verbindung zu den Olympischen Spielen, tragen die Ringe als Tattoo sogar unter Haut. Woher kommt diese Faszination dafür?

Ich hatte nie geplant, Profisportlerin zu werden. Das ist in meinem Leben einfach passiert. 2012 bin ich das erste Mal im Trikot der Jugendnationalmannschaft gestartet. Da habe ich Blut geleckt. 2012 war auch ein olympisches Jahr. Bei den Spielen in London habe ich so richtig aufmerksam hingeschaut. Da war mir klar: ,Boah, das will ich auch mal machen, das will ich auch erreichen!‘ Dass ich das dann schon in meinem Abi-Jahr 2016 hinbekomme, hätte ich nicht gedacht.

Lückenkemper: "Olympia ist einzigartig"

Es sind Ihre dritten Olympischen Spiele. Inwiefern ist Olympia anders als Europameisterschaften oder andere Wettkämpfe?

Das Feeling ist komplett anders. Allein durch die Tatsache im olympischen Dorf zu wohnen, in dieser riesigen Anlage mit so vielen Profisportlern aus allen möglichen Sportarten. Das hat ein ganz besonderes Flair: Das Zusammenkommen mit den Besten der Welt aus den unterschiedlichsten Sportarten. Wir Sportler haben die Möglichkeit, uns zu vernetzen, vor allem auch mal mitzubekommen, wie zum Beispiel bei einem Turner die Vorbereitung auf den Wettkampf abläuft, wie das die Teamsportler machen. Das Schaffen dieser Verbindungen und der Austausch macht die Olympischen Spiele so einzigartig.

Tauschen sich die Athleten nur über Sport aus oder wird auch gefeiert? Es gibt da so ein paar Gerüchte …

(lacht) Was soll ich sagen, die Gerüchte sind wahr. Wenn die Wettkämpfe durch sind, wird da auch gemeinsam gefeiert. Da kann man auch schonmal ein wenig die Sau rauslassen.

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