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Olympia
Gina Lückenkemper: Vorbereitung mit Hürden
Ausgestattet für Tokio wurde Gina Lückenkemper in Herzogenaurach, den Feinschliff holte sie sich in Bamberg.
Ausgestattet für Tokio wurde Gina Lückenkemper in Herzogenaurach, den Feinschliff holte sie sich in Bamberg. // Andreas Klupp
Bamberg – Zwei Monate vor den „Spielen“ zog sich die Bambergerin einen Muskelfaserriss zu. Doch Lückenkemper hat Erfahrung mit „auf den letzten Drücker.“

Die Norm hat sie längst in der Tasche. Noch genau zwei Monate bis zu den Olympischen Spielen in Tokio. Gina Lückenkemper steht am Start der Boston Boost Games für die 100 Meter. „Ready, Steady, Go!“. Dann passiert es. „Beim ersten Schritt habe ich mich verletzt“, erinnert sich die 24-Jährige an das Rennen am 23. Mai im Nordosten der USA. Diagnose: Muskelfaserriss im vorderen Oberschenkel. Für Spitzensportler eigentlich nicht ganz so dramatisch. Doch für die Sprinter der kürzest möglichen Strecke eine sensible Sache.

Verletzung stört die Vorbereitung

Statt einem Rennen als Vorbereitung auf die Großveranstaltung in Japan beginnt für Lückenkemper an diesem Tag ein Wettlauf mit der Zeit. „Erst nach fünf Wochen durfte ich wieder sprinten“, berichtet die Nordrhein-Westfälin, die seit 2017 zu Freund Stefan nach Bamberg pendelte und seit Anfang 2020 dort ihren Wohnsitz hat. „Meine Trainingsleistung war sehr gut, umso ärgerlicher war das.“

Seit Ende 2019 gehört Lückenkemper zur Gruppe um US-Coach Lance Brauman in der Nähe von Orlando. Coronabedingt verbrachte sie aber ein Jahr in der Wahlheimat. Training im Bamberger Fuchsparkstadion statt in Florida. „Wir haben uns in dieser Zeit online zusammengeschaltet“, erzählt Lückenkemper. Im Februar durfte sie mit einer Ausnahmegenehmigung wieder rüber.

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Bis kurz vor Olympia war ihr Visum für die Staaten gültig. Dann kam die Verletzung. Inzwischen zogen drei deutsche Konkurrentinnen an Lückenkemper vorbei. In Tokio ist sie deshalb „nur“ Ersatzfrau. Sicher ist ihre Teilnahme aber in der 4x100-Meter-Staffel. An den Positionen 2, 3 und 4 ist die 24-Jährige schon gerannt. Diesmal vielleicht Startläuferin? „Lieber nicht“, sagt sie. Obwohl alle aus dem Quartett dieselbe Aufgabe haben, sei der Unterschied enorm.

„Jeder kann 100 Meter laufen“

Am 19. Juli geht der Flug ins Land der aufgehenden Sonne. Zunächst bereiten sich die Kurzstreckler in Miyazaki auf den Wettbewerb vor, der am 31. Juli und 1. August in Tokio über die Bühne geht. Für Lückenkemper auch in der Nach-Usain-Bolt-Ära immer noch die interessanteste Disziplin. „Es ist leicht nachzuvollziehen. Jeder hat es schon mal gemacht oder hat die Möglichkeit, es nahezu überall zu tun.“

Den Stabhochsprung finde sie zwar auch faszinierend, die Sportart sei aber nicht so nahbar wie der Sprint. Kurz vor Ende der Spiele, am 6. und 7. August, ist Lückenkemper mit der Staffel im Einsatz. „Ich denke, da ist für uns alles möglich.“

Die Entscheidung, bei den Wettkämpfen keine Zuschauer zuzulassen, kam für die Bambergerin nicht überraschend. „Es war abzusehen. Ich finde es traurig und schade, aber absolut verständlich.“ Nicht einmal Partner Stefan darf die 24-Jährige in Tokio unterstützen. „Das bin ich inzwischen gewohnt. Ich war ja auch in Florida vier Monate allein. Dass er bei Rennen dabei ist, ist eher die Ausnahme. Außerdem hat er ja auch einen Job“, sagt Lückenkemper.

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Für einige Athleten sieht die Sprinterin in den leeren Rängen sogar eine Chance: „Es gibt Trainingsweltmeister, die nicht liefern, wenn es ernst wird, weil sie vor Publikum unter Druck stehen.“ Sie selbst bezeichnet sich als einen Mix: „Ich habe Spaß, wenn im Stadion Stimmung herrscht, aber ich messe mich auch ohne Fans gerne mit anderen.“ Den Zehnkämpfern fehlten der Jubel und Applaus am zweiten Tag enorm.

Herzogenaurach als gutes Omen?

Lückenkemper ist dankbar, dass Wettbewerbe wie Olympia in diesen Zeiten überhaupt stattfinden. Und froh, dass sie trotz ihrer Verletzung von Ende Mai dabei ist. Ihre Team-Deutschland-Kleidung für die Spiele hat sie gerade bei einer Anprobe in Herzogenaurach ausgesucht.

Dort, wo sie im Mai 2016 die Norm für Rio schaffte. Für die doppelte Strecke qualifizierte sie sich sogar erst im Juni. Der olympische Spätstart hat bei Lückenkemper offenbar Tradition. Und macht Mut für Tokio 2021.

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