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DIG contra „Free Palestine“
Gaza-Konflikt eskaliert auf Bamberger Jahnwiese
Israel-Palästina-Konflikt Bamberg
Der Israel-Palästina-Konflikt führt auch in Bamberg zu Auseinandersetzungen zwischen Pro-Palästina-Aktivisten und Israel-Unterstützern. // Grafik: Sahar Nezhadbahram
Bamberg – Wie aufgewühlt die Zeit ist, zeigt der offenbar wachsende Konflikt zwischen Pro-Palästina-Aktivisten und Israel-Unterstützern in Bamberg. Auf der Jahnwiese kam es beim Picknicken zu einem nicht nur verbalen Schlagabtausch.

Schon beim Kontakt-Festival im Mai war es zwischen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Pro-Palästina-Initiative „Bamberg for Free Palestine“ zum Streit um ein geplantes Konzert der Rapperin Sorah und einen Vortrag der Würzburger Gruppe „Students for Palestine“ (SfP) gekommen, deren Auftritte schließlich abgesagt wurden.

Gegen die Berliner Rapperin Sorah gibt es Vorwürfe der Israelfeindlichkeit und des Antisemitismus, während Unterstützer ihre Positionen als antirassistische Israel-Kritik verteidigen.

Beim diesjährigen Kontakt-Festival in Bamberg sollte die umstrittene Rapperin Sorah auftreten:

Zuletzt löste die Ehrung des ehemaligen DIG-Vorsitzenden Michael Genniges mit der Bezirksmedaille in Silber Entsetzen aus. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hatte den AfD-Politiker vor fünf Jahren abgewählt und sich von der Auszeichnung durch den Bezirk Oberfranken distanziert.

Am vergangenen Samstag (13. Juni 2026) kam es zu einem nicht nur verbalen Schlagabtausch der beiden Gruppierungen. Was genau vorfiel, dazu gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Die Polizei bestätigt, dass es zu Handgreiflichkeiten kam, Personalien festgestellt und mehrere Platzverweise ausgesprochen wurden. Die weitere Bearbeitung liege nun beim Staatsschutzkommissariat, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt dem Fränkischen Tag.

Israel-Palästina-Konflikt auf der Jahnwiese Bamberg
Bei zwei Picknicks auf der Bamberger Jahnwiese gerieten am Samstag (13. Juni 2026) Pro-Palästina-Aktivisten und Israel-Unterstützer aneinander. // Foto: DIG Bamberg

Fest steht, dass sich beide Initiativen, ob zufällig oder nicht, an dem sonnigen Juni-Nachmittag getrennt voneinander auf der Jahnwiese verabredet hatten: Die DIG-Arbeitsgemeinschaft Bamberg hatte ihre Kundgebung auch offiziell beim städtischen Ordnungsamt angemeldet. Unter dem Motto „Damals wie heute!“ wollte man für „Völkerverständigung, gegen Antisemitismus und die Vereinnahmung berechtigter Anliegen durch faschistische Ideologien“ demonstrieren.

In Sichtweite, rund 80 Meter entfernt neben dem Beachvolleyballplatz, veranstaltete zur selben Zeit „Bamberg for Free Palestine“ ein Picknick. Angeblich ohne Wissen der anderen Veranstaltung.

„Nachdem Mitglieder der DIG Bamberg und weitere Unterstützer den ihnen zugewiesenen Standort eingenommen und die Veranstaltung durch Israel-Flaggen und jüdische Musik sichtbar gemacht hatten, erschien in kurzem Abstand eine etwa 20-köpfige Gruppe aus dem Umfeld der Initiative ‚Bamberg for Free Palestine’“, heißt es in einer später von der DIG ausgesandten Pressemitteilung.

Picknick für an Palästina-Solidarität Interessierte

Dem widerspricht „Bamberg for Free Palestine“. Nicht sie seien auf die Pro-Israel-Demonstrierenden zugegangen, „sondern zwei DIG-Aktive auf uns. Davon einer mit Kamera in der Hand, der uns fotografierte und filmte. Das wollten wir nicht und sagten, er solle damit aufhören. Aber er hörte nicht auf, sondern meinte, dass das eine Versammlung sei, dann dürfe er filmen“, berichtet ein Gruppenmitglied.

Auf der Jahnwiese lade „Bamberg for Free Palestine“ immer mal wieder an Palästina-Solidarität Interessierte „zu einem Picknick als Social Event, um uns informell zu vernetzen“.

Als Versammlung angemeldet worden sei das Picknick nicht, aber es sei eine Palästina-Fahne als Erkennungsmerkmal aufgespannt gewesen. „Diese wurde seitens der DIG-Aktiven als Symbol für Terrorverherrlichung verunglimpft.“ Einige Teilnehmende hätten eine Kufiye getragen. „Dieses wurde als Terrorlappen beleidigt. Als er dann ein Selfie mit uns im Hintergrund machen wollte, ist es zu einer Auseinandersetzung gekommen.“

Israel-Palästina-Konflikt auf der Jahnwiese Bamberg
Bei zwei Picknicks auf der Bamberger Jahnwiese gerieten am Samstag (13. Juni 2026) Pro-Palästina-Aktivisten und Israel-Unterstützer aneinander. // Foto: DIG Bamberg

DIG-Vizevorsitzender Jochen Lupprian spricht von einem „schmerzhaften Polizeigriff“, mit dem man dem DIG-Mitglied den Arm auf den Rücken gedreht habe. „Ein anderes Mitglied wurde mit der Aussage ‚Du willst doch nur die Eier von Netanyahu lecken‘ beleidigt.“

Bambergs DIG-Vize Lupprian: Stellungnahme zu Absagen beim Kontakt-Festival 2026:

Die im Verlauf des Abends mit vier Streifenwagen präsente Polizei konnte die beiden Polit-Gruppen schließlich befrieden. Die Beamten verwiesen die Palestine-Aktivisten in den hinteren Bereich der Jahnwiese, nahmen zahlreiche Personalien auf und leiteten mehrere Strafanzeigen ein.

Trotz des Einschreitens der Polizei entschieden sich die DIG-Leute nach eigenen Angaben, ihre Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abzubrechen. Unter Polizeischutz hätten sie auf Redebeiträge verzichtet und die Jahnwiese verlassen.

DIG Bamberg: Zäsur für Bamberg

„Aus Sicht der DIG markiert es eine Zäsur, dass eine angemeldete pro-jüdische Friedensveranstaltung in Bamberg nicht durchgeführt werden konnte, weil Teilnehmende körperliche und verbale Angriffe befürchten müssen“, betont die DIG Bamberg in ihrer Pressemitteilung.

Die Pro-Palästina-Aktivisten sehen darin eine Provokation: „Der Vorfall auf der Jahnwiese wirkt sehr inszeniert, mit dem Ziel, uns zu diskreditieren.“

DIG Bamberg: „Wir verweigern uns der Logik des Hasses“

Ihre dann abgebrochene Rede stellte die DIG Bamberg hernach auf ihre Webseite. „Wir verweigern uns der Logik des Hasses“, ist darin unter anderem die Rede, und es wird eine Zweistaatenlösung für den seit Jahren schwer gebeutelten Gazastreifen gefordert.

„Wer Sicherheit nur für die Eigenen verlangt, schafft keinen Frieden. Frieden beginnt dort, wo wir die Würde des anderen anerkennen – gerade dann, wenn er nicht zu uns gehört. Deshalb stehen wir für Völkerverständigung zwischen Israelis und Palästinensern.“

Auf der Jahnwiese klappte das nicht.

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