„Unser Projekt soll eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Es geht darum, Familien in schwierigen Situationen temporär auszuhelfen und ihnen beizubringen, selbst klarzukommen“, sagt Yvonne Berberich. Sie ist Projektleiterin der Familienpaten unter der Trägerschaft des Kinderschutzbundes Bamberg.
Finanziell gefördert wird das Familienpatenprojekt von Koki Netzwerk frühe Hilfen der Stadt und des Landkreises aus Mitteln der Bundesstiftung Frühe Hilfen und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Dabei können die Situationen, bei denen Familienpaten zum Einsatz kommen, stark variieren: Von überforderten Erst-Müttern, über Eltern, die nicht wissen, wie sie mit ihrem Kind mit Beeinträchtigung umgehen sollen, bis hin zu Familien mit Migrationshintergrund, die mit den Herausforderungen der Integration zu kämpfen haben.
Manchmal sei auch einfach ein fehlendes soziales Netz der Grund für die Überforderung der Eltern. Wenn die Großeltern nicht ab und an auf das Kind aufpassen können, weil sie entweder zu weit weg wohnen oder vielleicht gar nicht mehr leben, kann das sehr belastend sein, weiß Berberich zu berichten.
Ehrenamtliche Familienpaten versorgen Kinder
Die Aufgaben der Familienpaten sind dementsprechend je nach Familie unterschiedlich. Das weiß auch Familienpatin Gabi Fresz. Sie arbeitet schon seit rund vier Jahren mit dem Kinderschutzbund als Ehrenamtlerin zusammen. Bisher hatte sie schon zwei Patenschaften, beide Kinder waren ein Jahr alt. „Die Mütter haben Entlastung gesucht. Manchmal braucht man einfach etwas Zeit für sich selbst“, erklärt die Rentnerin.
Sie erzählt von einem fixen „Gabi-Tag“, an dem sie ihr Patenkind jede Woche von der Kita abgeholt hatte. Im Anschluss waren sie manchmal ein Eis essen, ein anderes Mal ging es gemeinsam auf den Spielplatz. „Die Eltern sind mir sehr dankbar dafür. Selbst wenn es nur ein halber Tag ist, den sie für sich selbst nutzen können“, so Gabi.
Der Vater ihres Patenkindes arbeite sehr lang, die Mutter leide mental. Da kann die Versorgung eines Einjährigen sehr anstrengend sein. Die Eltern würden gern, so Gabi, ihre Unterstützung noch länger in Anspruch nehmen. Das ist jedoch nicht möglich, da eine Familienpatenschaft immer auf sechs bis zwölf Monate ausgelegt ist.
Gabi Fresz möchte noch etwas für die Gesellschaft tun
Auf das Projekt ist Fresz zufällig gestoßen. Vor sechs Jahren war die ehemalige Lehrerin in Rente gegangen. Schon damals war ihr bewusst: Sie würde gern noch etwas für die Gesellschaft tun. Ihre eigenen Kinder und Enkel leben allerdings recht weit weg, wodurch sie die Kleinen nur sehr selten sieht.
Als sie auf das Familienpaten-Projekt des Kinderschutzbundes aufmerksam wurde, dachte sie sich: „Das wär's eigentlich!“ Sie fügt hinzu: „Ich hatte vorher noch nie ein Ehrenamt. Da dachte ich mir: Das könntest du doch auch mal machen!“
„Bei mir war das ziemlich ähnlich“, berichtet auch Familienpatin Gisela. Sie selbst hat zwei Enkel, die sie einmal die Woche sieht. Nun wollte sie auch anderen Kindern eine Freude bereiten. Kurzerhand bewarb auch sie sich für eine Schulung als Familienpatin. „Dafür muss man ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen“, erinnert sich Gisela.
Giselas Patenschaft war ein besonderer Fall
Gisela hatte bisher erst eine Familienpatenschaft. „Die Mutter ist alleinerziehend und war gerade dabei, eine Ausbildung zur Arzthelferin zu machen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch“, erzählt sie. Zusätzlich ist die Mutter Migrantin und musste die deutsche Sprache noch lernen.
Ihr ältester Sohn geht in den Kindergarten, der Kleine ist in einer Kinderbetreuung der Lebenshilfe. „Ich habe die beiden aus Kindergarten und Betreuungsstätte abgeholt und nach Hause gebracht“, erklärt die Familienpatin. Dort hat sie dann mit ihnen gespielt und ihnen Essen gekocht. „Vor allem der Kleine ist ein sehr lebendiges Kind. Er wollte viel Aufmerksamkeit, auch wenn ich gerade mit seinem Bruder gespielt habe“, erinnert sie sich.
Die Mutter ist meistens gegen halb acht nach Hause gekommen. „Sie hat sich sehr bemüht. Als Auszubildende kannst du nicht einfach sagen: ,Ich muss um 16 Uhr los.'“ Gisela unterstützte die Alleinerziehende auch, in dem sie für die Mutter das Abendessen vorbereitete. „Dafür war sie sehr dankbar“, sagt Gisela.
Vor kurzem ist Giselas Patenschaft zu Ende gegangen. Der Abschied sei ihr sehr schwergefallen: „Das ist aber auch gleichzeitig das Schöne an einer Patenschaft: Man fühlt sich mit den Kindern verbunden.“
Familienpaten aus allen Altersgruppen gesucht
„Ohne die Ehrenamtlichen wäre das alles nicht möglich“, betont der Schatzmeister des Bamberger Kinderschutzbundes, Sandro Da Ros. Projektleiterin Berberich stimmt ihm zu: „Das stimmt. Trotzdem haben wir noch immer einen unglaublich hohen Bedarf an Paten. Wir freuen uns über jeden Freiwilligen.“
Gesucht werden Familienpaten aus allen Altersgruppen. „Das ist also nicht nur ein Projekt für Rentner“, betont Gisela. Und Berberich fügt hinzu: „Wir hatten auch schon studierende Patinnen und auch welche, die gerade frisch in den Arbeitsmarkt gestartet sind. Die Erfahrung ist vor allem für junge Menschen sehr wertvoll.“
Was eine Patin laut den Vieren mitbringen sollte: Toleranz, Offenheit, Empathie und Freude daran, mit Menschen zu arbeiten, insbesondere Kindern.
Falls auch Sie Interesse daran haben, Familien mit jungen Kindern zu unterstützen, können Sie sich hier per E-Mail bewerben. Weitere Informationen finden Sie hier. Die nächste Schulung wird vom 24. Oktober bis zum 22. November 2025 stattfinden.














