68.000 Lehrkräfte werden bis 2035 in Deutschland fehlen. Das hat eine neue Modellrechnung ergeben, die auf der Kultusministerkonferenz im Dezember 2023 vorgestellt worden ist. Es muss dringend gehandelt werden. Deshalb hat das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus kürzlich ein neuartiges Projekt ins Leben gerufen: „Vor Ort Zukunft prägen. Lehrer/-in werden!“.
„Zur langfristigen Gewinnung von Lehrpersonal wird bereits seit mehreren Jahren mit der Kampagne 'Zukunft prägen. Lehrer/-in werden!' geworben, um junge Leute dazu zu animieren, Lehramt zu studieren. Das vorliegende Projekt ergänzt nun diese Werbekampagne um einen weiteren Baustein: Schüler werden an ihren Schulen vor Ort von erfahrenen Lehrkräften auf den Beruf aufmerksam gemacht“, heißt es dazu von der Pressestelle des bayerischen Kultusministeriums.
Zehn Lehramtsbotschafter aus der Region Bamberg
So funktioniert es: Sogenannte Lehramtsbotschafter besuchen im Team, bestehend aus je einer Vertretung aus dem Gymnasium, der Mittel-, Förder-, Real- und Berufsschule, die letzten beiden Jahrgänge einer Schulart und informieren die Schüler vor Ort über den Lehrerberuf. „Die Zusammenarbeit im Team hat zum Ziel, dass alle Schularten gleichermaßen und nicht konkurrierend beworben werden“, so das bayerische Kultusministerium.
Authentische Begegnungen und der direkte Austausch mit den Lehrkräften steht im Vordergrund. „Die Schüler sollen dieses Berufsfeld von einer anderen Perspektive kennenlernen“, ganz nach dem Motto: „Wer könnte besser für den Lehrerberuf werben, als diejenigen, die selbst voller Begeisterung als Lehrkräfte tätig sind?“
„Vor Ort Zukunft prägen. Lehrer/-in werden!“: bundesweit einzigartiges Projekt
Ein laut Angaben des bayerischen Kultusministeriums bundesweit einzigartiges Großprojekt. „Uns ist deutschlandweit kein vergleichbares Projekt bekannt“, lässt die Pressestelle dazu verlauten. Denn aktuell sind knapp 500 Lehramtsbotschafter für ganz Bayern im Einsatz. In der Region Bamberg haben sich insgesamt zehn Lehrkräfte dazu bereiterklärt, jeweils zwei von jeder Schulart.
Eine davon ist Erika Fischer. Sie ist Studienrätin an Förderschulen und unterrichtet an der Giechburgschule Scheßlitz, dem privaten sonderpädagogischen Förderzentrum. Und vor allem ist sie Förderschullehrkraft mit Leib und Seele. Sie hat sich im Studium für das Lehramt für Sonderpädagogik entschieden und die Fachrichtungen Lernbeeinträchtigung, verursacht durch Schulstrukturen oder familiäre Gründen sowie Gehörlosenpädagogik, gewählt. „Mir gefällt es, mit den einzelnen Schülern zu arbeiten und so herauszufinden, was sie brauchen, um ihnen letztendlich einen adäquaten Schulabschluss und eine positive soziale Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.“
Förderschullehrkraft an Giechburgschule Scheßlitz
Neben der Interaktion mit den Schülern ist auch der vielseitige Einsatz einer Förderschullehrkraft etwas, das Fischer an ihrem Beruf begeistert. „Aktuell habe ich eine Kooperation mit einer 1. Klasse laufen, in der sich Kinder befinden, die pädagogischen Förderbedarf benötigen. Das ist wunderschön, wie hier schulübergreifend kooperiert wird“, erzählt die 53-Jährige mit deutlicher Begeisterung in ihrer Stimme. Zudem begleitet man als Förderschullehrkraft seine Schüler auch noch über den Schulabschluss hinaus. „Oft trifft man seine Schüler bei Sommerfesten und dergleichen und kann dann direkt miterleben, wie sie sich positiv in die Gesellschaft integriert haben. Das ist sehr befriedigend“, schwärmt die 53-Jährige.
Aber auch die Zusammenarbeit mit ihren Kollegen an der Giechburgschule hebt Fischer als einen positiven Berufsaspekt hervor. „Wir ziehen alle gemeinsam an einem Strang und das macht die Arbeit so schön“, betont Fischer. Allgemein zeigen alle Lehrkräfte, angesichts des immer größer werdenden Lehrermangels, eine hohe Belastbarkeit und große Flexibilitätsbereitschaft, so die 53-Jährige. Deswegen freut sie sich auch sehr über dieses Großprojekt. „Für mich gehört lebenslanges Weiterbilden zum Lehrerberuf dazu. Dazu gehört auch, dass die jungen Menschen ihre Sichtweise in den Beruf mit einbringen“, sagt sie.
Lehramtsbotschafter für Bamberg: große Begeisterung für Lehrerberuf
An ihrem Lehramtsbotschafterteam gefällt ihr deswegen auch so gut, dass „wir nicht schulartenheterogen sind, sondern auch altersheterogen“. „Wir haben Lehrkräfte, die schon viele Jahre in dem Beruf arbeiten, aber auch relativ junge“, sagt Fischer. Und natürlich legen alle Zehn eine „unheimliche Begeisterung für unseren Beruf an den Tag“.
Fischer ist sicher, dass das Projekt, das auf zwei Jahre angelegt ist, bei den Schülern ankommen wird. „Ich halte es für sehr erfolgversprechend“, sagt sie. Die Schulen selbst zeigen zudem eine große Bereitschaft, die Lehramtsbotschafter bei ihnen zu empfangen. „Ich denke, das ist der Knackpunkt. An den Schulen gibt es direkte Ansprechpartner, die das Projekt aktiv unterstützen“, so die Förderschullehrkraft. Für die Schulen, die sie im ersten Projektjahr besuchen wollen, haben die Lehramtsbotschafter sofort Termine bekommen. „Das läuft reibungslos“, lautet ihr erstes Fazit.
Fischer und ihre Teamkollegen freuen sich schon sehr auf ihren ersten Termin Ende Februar am Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg. „Wir machen uns auf die Suche nach begeisterten jungen Menschen, die Lehramt studieren wollen. Und dafür eignet sich dieses Projekt wunderbar.“
Termine der Lehramtsbotschafter für Bamberg
- 21.02.2024: Franz-Ludwig-Gymnasium
- 24.02.2024: Studienmesse, 10-14 Uhr in der Konzert- und Kongresshalle, Mußstraße 1, 96047 Bamberg
- 29.02.2024: FOS/BOS Bamberg
- 07.03.2024: Kaiser-Heinrich-Gymnasium
- 13.03.2024: Maria-Ward-Gymnasium
- 16.03.2024: Studieninfotag an der Universität Bamberg
- 21.03.2024: Eichendorff-Gymnasium
- 09.04.2024: Dientzenhofer-Gymnasium
- 10.04.2024: Clavius-Gymnasium
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