Mit 50 Kilometern pro Stunde fährt Wolfgang Cziommer das Auto des ADAC die Straße entlang. Als er die Ziellinie erreicht, geht die Flagge herunter und er fängt zu bremsen an. Erst einige Meter hinter der Ziellinie kommt er wirklich zum Stillstand und das Auto hält an. Die Fünftklässler der Mittelschule Hirschaid sind überrascht. Sie sollten vorher mit einem Verkehrshütchen schätzen, wo das Auto ihrer Meinung nach anhalten wird. Kein einziger lag richtig.
„Ich hätte euch jetzt alle überfahren“, sagt Wolfgang Cziommer ernst. Einige Schüler schweigen betroffen. Cziommer arbeitet beim ADAC Nordbayern und führt verschiedene Verkehrserziehungsprogramme an Schulen in ganz Nordbayern durch. Die Finanzierung übernimmt dabei die ADAC Stiftung, auf die Schulen selbst kommen keine zusätzlichen Kosten zu.
Dieses Mal waren Cziommer und sein Kollege Emanuel Podvorec bei der fünften Klasse der Mittelschule Hirschaid zu Gast, um dort das Verkehrserziehungsprogramm „Achtung Auto“ zu präsentieren. Dieses Programm soll die Schüler für Gefahren im Straßenverkehr sensibilisieren. Sie lernen in praktischen Übungen, was der Anhalteweg ist und wie lange es dauert, bis ein Fahrzeug wirklich zum Stehen kommt. „,Achtung Auto‘ kann Leben retten“, betont Cziommer. „Denn wenn man bei 50 Kilometer pro Stunde auf der Kühlerhaube landet, ist man tot.“
Mittelschule Hirschaid: Verkehrserziehung mit ADAC
Die Beauftragte für Verkehr und Sicherheit der Grund- und Mittelschule Hirschaid, Viola Schneider, hatte sich dafür eingesetzt, dass der ADAC zu ihnen kam. „Die Geschwindigkeit von Autos wird oft unterschätzt, und zwar nicht nur von Kindern“, sagt die Lehrkraft. „Daher finde ich es sehr wichtig, dass das unseren Schüler bewusst wird und sie so lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen.“
Bereits im Februar war der ADAC für ein anderes Verkehrserziehungsprogramm bei der Grund- und Mittelschule in Hirschaid. Schneider war schon damals begeistert. „Jedes Projekt, das für unsere Schüler sinnvoll ist, sollten wir nutzen. Das ist nur von Vorteil für sie.“
Doch zurück zum aktuellen Programm „Achtung Auto“: Wolfgang Cziommer lässt die Schulkinder den Anhalteweg am eigenen Leib austesten. Dafür rennen sechs von ihnen von einer Startlinie aus los. Erst, wenn sie die Ziellinie erreicht haben, dürfen sie bremsen. So lernen sie, dass sie nicht einfach abrupt stehen bleiben können. „Das hat mich echt überrascht“, sagt Sophia im Nachhinein. „Beim Rennen konnte ich genau sehen, wie lange ich zum Anhalten brauche. Das war mir vorher nicht bewusst.“
Der ADAC-Moderator erklärt den Fünftklässlern, dass der Grund dafür die Reaktionszeit ist. „Mit den Augen seht ihr, dass ihr die Ziellinie erreicht habt. Diese Information wird ans Gehirn weitergegeben und von dort über die Nervenbahnen in die Muskeln in eurem Fuß geleitet“, sagt er.
Fünftklässler der Mittelschule Hirschaid lernen Anhaltweg bei ADAC-Verkehrsprogramm
„Und erst, wenn die Information dort angekommen ist, fangt ihr das Bremsen an.“ Jetzt wissen die Kinder, wie Brems- und Reaktionsweg zusammenhängen. Im Chor sagen sie die Formel „Reaktionsweg plus Bremsweg ergibt Anhalteweg“ auf.
Als es dann zum Test mit dem Auto kommt, sind die meisten Fünftklässler wieder voll bei der Sache. Vor allem, als beim zweiten Mal drei Mädchen mitfahren dürfen, natürlich angeschnallt und mit Sitzerhöhung. „Das war für mich der schönste Teil“, freut sich Sofia, die im Fahrzeug saß. Mit Schrittgeschwindigkeit fährt das Auto, bevor es abrupt anhält. „Habt ihr gesehen, wie stark alle drei mit dem Kopf genickt haben?“, fragt Cziommer die Klasse.
ADAC-Verkehrserziehungsprogramm an der Mittelschule Hirschaid
Um zu verdeutlichen, was erst passiert, wenn die Mitfahrer nicht angeschnallt sind, kommt Teddybär Paul zum Einsatz. Beim Bremsen mit Schrittgeschwindigkeit knallt er mit dem Kopf gegen das Armaturenbrett. „Ein Mensch hätte sich jetzt ein paar Zähne ausgeschlagen und eine offene Stirn“, erklärt der ADAC-Moderator und betont: „Ihr müsst euch immer im Auto anschnallen, egal wie kurz die Fahrt ist oder wie langsam gefahren wird. Nur dann seid ihr sicher!“
90 Minuten später ist das Verkehrserziehungsprogramm beendet. „Es war richtig spannend zu sehen, was auch bei Schrittgeschwindigkeit passieren kann“, sagt Emily. Ihrem Klassenkameraden Vincente gefiel vor allem die Demonstration mit dem Auto. „Ich war überrascht, dass er an meinem Hütchen vorbeigefahren ist“, so der Fünftklässler. Er fühlt sich im Straßenverkehr jedoch recht sicher. „Ich verhalte mich immer vorsichtig.“
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