Fünfeinhalb Wochen vor der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 steht Weiß noch unter dem Eindruck der Proteste gegen den Bundesparteitag seiner Partei in Riesa. Am zweiten Januar-Wochenende hatten mehrere tausend Menschen die Zufahrtsstraßen in die sächsische Kleinstadt blockiert. Weiß und viele der Delegierten standen siebeneinhalb Stunden im Stau, kamen verspätet zum Tagungsort.
Der in Zapfendorf lebende AfD-Kreisvorsitzende ist noch immer wütend: „Das Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht, das ist auch gut so. Aber einen legalen Parteitag verhindern zu wollen, das ist zutiefst undemokratisch. Man hat dort dem Pöbel die Macht auf der Straße überlassen“, schäumt der dreifache Familienvater.
Auf dem Parteitag wurde Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt. Dazu wurden Plakate mit der Aufschrift „Alice für Deutschland“ in die Höhe gereckt. Offenbar in bewusster Anlehnung an die verbotene Nazi-Parole „Alles für Deutschland“. Weidel verschärfte den Ton der Rechtaußenpartei um den rechten Kampfbegriff der Remigration, den die Parteiführung bislang gemieden hatte.
Wird ihm die AfD da manchmal selbst unheimlich, hat er Angst, dass sie zu weit nach rechts driftet? Weiß beschwichtigt: „Von dem Rechtsdrall höre ich schon seit zehn Jahren. Wir sind schon so weit rechts, dass wir schon wieder links sind und die Erdkrümmung eingeholt haben.“ Sein Credo laute: „Ich stehe zum Parteiprogramm und nicht, was einzelne AfD-Vertreter von sich geben. Ich kann nichts damit anfangen, was da menschenverachtend von einigen geäußert wird.“
“Wer der CSU noch vertraut, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.
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Weiß: CSU kopiert unsere Anträge
Hauptkonkurrent ist für den 55-jährigen gelernten Bäcker und Konditor die CSU. Dieser unterstellt Weiß, sie kopiere Anträge der AfD und gebe sie hernach als eigene Vorschläge aus. Außerdem seien die Christsozialen unberechenbar.
Beispiel Ankerzentrum Bamberg. „Die CSU hat versprochen, nach zehn Jahren wird das geschlossen. Aber nichts ist es mit Schluss.“ Oder 2011, da war Markus Söder Umweltminister und es sei ihm nicht schnell genug gegangen mit dem Ausstieg aus der Kernenergie. Heute verlange Söder, Atommeiler wieder ans Netz zu nehmen.
Hauptfeldwebel und Tankstellenbetreiber
Michael Weiß wuchs in Gaustadt auf. Nach der Bäckerlehre wurde er in die Bundeswehr eingezogen. Nach dem Wehrdienst verpflichtete er sich weiter, brachte es bis zum Hauptfeldwebel. Ab 2004 betrieb er mit seiner Frau mehrere Tankstellen und Waschstraßen. Als Dienstleister für Winterdienst und Gartenpflege ist Weiß weiter selbstständig.
Seine Chancen auf einen Einzug in den Bundestag sieht er so: Im Wahlkreis 235 Bamberg sei CSU-Direktkandidat Thomas Silberhorn als Erststimmensieger „wahrscheinlich gesetzt, in einer Region, wo es heißt: Hast a Kuh, wählst CSU“, räumt er ein.
Auf der Landesliste hat Weiß Listenplatz 25 inne – auch das keine sichere Bank. Derzeit sitzen im Bundestag zehn AfD-Abgeordnete aus dem Freistaat. Damit Weiß dabei ist, müsste die AfD ihr Wahlergebnis von 2021 von 10,3 Prozent mehr als verdoppeln.
Hat er Verständnis für in Deutschland mit ausländischem Pass lebende Menschen, denen die auf dem AfD-Bundesparteitag angekündigte „Rückführung im großen Stil“ Angst macht? Weiß: „Asyl ist ein Grund auf Zeit. Wenn dieser wegfällt, dann sollten die Leute auch zurückgeführt werden. Wer abgelehnt wird, darf nicht einfach geduldet werden.“
Weiß: „Wenn jemand kriminell wird, hat er das Gastrecht verwirkt.“
Die Forderung der Union, Ausländer nach zwei Straftaten auszuweisen, hält er für zu lax. „Wenn jemand kriminell wird, egal in welcher Form, hat er das Gastrecht verwirkt.“
Strom aus Kohle und Kernkraft und raus aus dem Euro
Eine Energiewende lehnt die AfD ab und will stattdessen die Kohleverstromung ausbauen, Kernkraftwerke wieder ans Netz nehmen und Gas aus Putins Russland beziehen. Aus dem Euro und dem Pariser Klimaabkommen will sie aussteigen.
Kann Weiß nachvollziehen, dass Menschen Angst davor haben, dass die AfD Deutschland wieder in eine Diktatur führt? „Nein, denn wir wollen das Gegenteil: Wir wollen Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild.“
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