Ein Mojito in der Hand, die Sommersonne im Gesicht, Reggae im Ohr, die Füße im Sand: Das klingt nach einer runden Sache. So rund, wie die Ruine des alten Schuppens, wo einst Lokomotiven repariert wurden, bevor sie wieder auf die Bamberger Schienen geschickt wurden. Die alten Bögen des Bahnbetriebswerkes bieten eine Kulisse wie ein antikes Amphitheater. Mit ein bisschen Fantasie entsteht vor dem geistigen Auge eine spannende Location für einen Strand am Rande der Stadt, umgeben von Bahngleisen und Gärtnerfeldern. Ein Ort zum Feiern. Ein Ort zum Tanzen. Ein Ort für Subkultur. Ein Ort für die Jugend. Genannt: „Lokbeach.“
Eine schöne Vision. Aber auch eine realistische? Investor Josef Badum plant genau das auf dem Areal des ehemaligen Lokschuppens an der Coburger Straße. Doch über dem sonnigen Projekt hängt von Anfang an eine dunkle Wolke – die Kostenfrage.
Kostenfrage bremst Partystimmung
„Die Investitionssumme zuzüglich Miete für die Fläche ergibt natürlich einen nicht kleinen Monatsmietbetrag“, erklärt Badum. „Dies haben wir mit den potenziellen Betreibern besprochen, diese sehen dies jedoch sehr kritisch, denn bei solchen Frühjahren wie dieses Jahr oder einem sehr durchwachsen Sommer ist die Sache sehr eng.“ Zumal Badum die Sanierungskosten auf fünf bis zehn Millionen Euro schätzt.
Ein Betrieb von Mitte Mai bis Ende September, quasi parallel zu den Freibädern, spült wahrscheinlich nicht genügend Geld in die Kassen, um wirtschaftlich zu sein. Oder doch? Findet sich auch eine Nutzung für den Winter? In diesen Tagen will Badum erneut mit den potenziellen Betreibern sprechen.
Es wäre ein erneuter trauriger Rückschlag, sollten sich die Pläne zerschlagen. Wieder einmal. Denn der Sohn einer Bamberger Gärtnerfamilie hatte für das Areal mit dem halbkreisförmigem Baudenkmal, das er 2008 erworben hat, schon verschiedene Pläne präsentiert. Zuerst ein Domizil für seinen Abschleppdienst. Ein Kino, eine Pflegeschule, ein Wohnwagenstellplatz, eine Zunfthalle für regionales Handwerk: Schon mehrfach hatte es im Bamberger Rathaus grünes Licht für Pläne gegeben – doch dann wurde nichts daraus.
Bamberg fragt sich deshalb schon lange: Meint der Investor das ernst mit den Plänen? Oder wartet er nur darauf, dass die alten Bögen irgendwann von alleine zusammenbrechen?
Diesmal sieht es wirklich so aus, dass es realistische Chancen gibt. Zuletzt sind kleine Bagger angerollt. Arbeiter haben Buschwerk gerodet und die alte Verteilerschiene in der Mitte freigelegt. Laut Badum handelt es sich um „verschiedene Sicherungsmaßnahmen sowie eine Teilrenovierung laut Baugenehmigung von 2019“. Von der Stadt geforderte Sicherungsmaßnahmen seien außerdem in die Baupläne eingearbeitet.
Apropos Stadt: Der Partystrand hat vorangegangenen Ideen noch etwas Entscheidendes voraus. Die Stadtpolitik hat die Pläne diesmal geradezu gefeiert. Badum würde den Mangel an Treffpunkten für die Jugend mildern. Quer durch die Parteien im Stadtrat prasselte deshalb das Lob wie ein warmer Sommerregen auf die Planer ein.
Der Standort ist ideal für die Jugend
Die Vorteile sind vielfältig: Über Lärm beschweren könnten sich höchstens die Kaninchen auf den Gärtnerfeldern. Menschliche Nachbarn sind rar und haben bereits Wohlwollen geäußert. Sogar die Öffnungszeiten haben das städtische Placet erfahren: unter der Woche von 11 bis 2 Uhr und am Wochenende von 11 bis 4 Uhr.
Anwohner erinnert sich an Altlasten
Nur: Reicht das? Hans Strobler ist skeptisch. Der Rentner wohnt nur wenige hundert Meter entfernt. Er fürchtet sich eher vor den Belastungen durch den Bahnausbau – eine Strand-Disko und tanzende Jugendliche können ihn nicht schrecken. Er glaubt nicht daran. Denn der 82-Jährige kann sich noch erinnern, wie im Bahnbetriebswerk die Fahrzeuge gewartet wurden. „Was glauben Sie? In den Gruben, wo die Dampfloks drüber waren, waren die Arbeiter mit Stiefeln knöcheltief im Öl gestanden.“
Machen die Kosten zur Beseitigung der jahrzehntealten Altlasten jede Revitalisierung illusorisch, wie der Anwohner glaubt?
Die städtische Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar sieht durchaus Möglichkeiten, finanzielle Fördertöpfe des Bundes anzuzapfen. Der Standort wäre laut Siebenhaar ideal. Das Projekt aus ihrer Sicht ein Gewinn für die städtische Subkultur.
„Es liegt am Investor, Fördergelder zu beantragen“, sagt Heinz Kuntke. Der Fraktionschef der SPD im Stadtrat begrüßt die Idee ausdrücklich. Die Finanzierung sei aber Sache des Bauherren. „Wir können von Seiten der Stadt nicht als Betreiber auftreten. Wir können allenfalls helfen, indem wir bei Genehmigungen großzügig sind.“
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