Wärmestube Bamberg
Leiter hat immer ein offenes Ohr
Der Leiter der Wärmestube Peter Klein unterhält sich gern mit den Besuchern der Einrichtung.
Der Leiter der Wärmestube Peter Klein unterhält sich gern mit den Besuchern der Einrichtung.
Ronald Rinklef
Manuela Nagl von Manuela Nagl Fränkischer Tag
Bamberg – Peter Klein leitet seit fast 15 Jahren die Bamberger Wärmestube. Dabei ist er nur zufällig zu dieser Stelle gekommen.

Es herrscht eine angenehm warme Temperatur, es stehen Spiele zur Unterhaltung bereit und dampfende Becher mit Kaffee sorgen für ein heimeliges Gefühl: Der Treffpunkt „Menschen in Not“ mit seiner Wärmestube ist ein Zufluchtsort für Obdachlose und von Armut betroffene Menschen.

Ins Leben gerufen wurde diese ökumenische Einrichtung in Rechtsträgerschaft des Caritasverbandes für die Stadt und des Diakonischen Werkes Bamberg im Jahr 1996. Der laufende Betrieb ist überwiegend durch Spenden finanziert. Aktuell benötigt die Wärmestube vor allem Geldspenden. Sachspenden werden derzeit nicht gesammelt.

Durch Zufall zur Wärmestube

Peter Klein leitet seit 2008 die Wärmestube in der Siechenstraße. Zu dieser Stelle ist der Sozialpädagoge eigentlich nur per Zufall gekommen. „Früher habe ich mir nie vorstellen können, mal in der Obdachlosenhilfe zu arbeiten, aber mittlerweile ist das schon zu einer Berufung für mich geworden“, erzählt er mit ruhiger Stimme.

Die Wärmestube in der Siechenstraße in Bamberg
Die Wärmestube in der Siechenstraße in Bamberg
Ronald Rinklef

Neben seinen täglichen Aufgaben wie der Organisation der Wärmestube, der Akquise von Spendengeldern und Öffentlichkeitsarbeit hat Klein täglich auch Kontakt zu den Gästen und immer ein offenes Ohr für ihre Belange. „Das ist eine Voraussetzung für diese Arbeit: Man braucht Sympathie für die Betroffenen hier.“

Aber natürlich auch Professionalität und einen gewissen Abstand. „Ich kann nur Angebote machen. Die Verantwortung muss immer bei den Betroffenen selbst bleiben, denn sonst würde man an den Schicksalen, die ich hier sehe, verzweifeln.“

Wärmestube Bamberg arbeitet nach Prinzip der Freiwilligkeit

Zudem berät Klein wohnungslose Menschen sowie auch die regelmäßigen Besucher der Wärmestube, die eine eigene Wohnung besitzen. Das leitende Prinzip dabei ist Freiwilligkeit. „Die Wärmestube ist für die Menschen in erster Linie ein Rückzugsort, an dem sie zur Ruhe kommen und neue Energie tanken können“, erklärt der Einrichtungsleiter. „Und nur wenn sie wollen, wenn sie selbst den Wunsch nach Beratung verspüren, dann beraten wir sie auch und zeigen ihnen Möglichkeiten auf.“

Das zweite Prinzip, nach dem Klein arbeitet, ist das der akzeptierenden Haltung. „Ich kann die Leute nicht zwingen, sich zu ändern. Sonst würden sie womöglich gar nicht mehr in die Wärmestube kommen und das wollen wir auf keinen Fall“, so der Sozialpädagoge.

Deshalb entscheidet jeder Ratsuchende für sich selbst, ob und was er in seinem Leben ändern möchte.

Wärmestube Bamberg: Platz für 40 Betroffene

Aktuell können 40 Menschen in der Wärmestube Platz finden. Zur Mittagszeit, wenn es unter der Woche eine warme Mahlzeit gibt, sind alle Plätze so gut wie immer besetzt.

„Und zum Monatsende hin ist die Wärmestube auch immer voller als am Monatsanfang“, sagt der Einrichtungsleiter. Ohne die aktiven ehrenamtliche Mitarbeiter ist der Betrieb der Wärmestube allerdings nicht denkbar. Derzeit engagieren sich 15 bis 20 Freiwillige in der Initiative „Mt 25“.

Elias Biermann arbeitet ehrenamtlich in der Wärmestube und unterhält sich gerne mit Stammgast Petra.
Elias Biermann arbeitet ehrenamtlich in der Wärmestube und unterhält sich gerne mit Stammgast Petra.
Ronald Rinklef

Elias Biermann ist eines der neusten Mitglieder. Der 19-Jährige ist vor rund zwei Monaten fürs Studium von Jena nach Bamberg gezogen. Er hatte schon während seines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) mit Obdachlosen gearbeitet und wollte sein Engagement unbedingt fortsetzen.

„Bei der Arbeit mit Wohnungslosen lernt man die unterschiedlichsten Persönlichkeiten kennen, doch alle sind immer wahnsinnig herzlich und dankbar“, sagt Elias.

Er gibt allerdings auch zu bedenken: „Armut kann jeden von uns betreffen. Während meines FSJs habe schon studierte Personen in solchen Einrichtungen getroffen, bei denen man sich fragt, wie kann das passieren? Es geht eben schneller als man denkt.“

Seit Corona-Pandemie mehr Betroffene in der Wärmestube Bamberg

Ob die Zahl der von Armut betroffenen Menschen aufgrund der gestiegenen Energiekosten und der Inflation stiegen wird, lässt sich aktuell noch nicht feststellen, meint Klein und fügt hinzu: „Seit der Corona-Pandemie haben wir allerdings viele neue Leute bei uns zu Gast.“

Die Einrichtung selbst merkt die gestiegenen Preise auch. Jedes Jahr muss für das laufende Geschäft ein Spendenanteil von über 80.000 Euro aufgebracht werden. Fürs nächste Jahr wird sicherlich mehr benötigt werden, prognostiziert der Sozialpädagoge.

Denn die Ausgaben der Mittagseinkäufe sind beispielsweise um rund 40 Prozent gestiegen. „Es ist jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung und aufgrund der aktuellen Lage bleibt es auf jeden Fall spannend“, so Klein.

Spenden für die Wärmestube

Spendenkonto: Mediengruppe Oberfranken – Franken helfen Franken e.V.
Sparkasse Bamberg
IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01
BIC: BYLADEM1SKB

Mehr Infos zum Spendenverein „Franken helfen Franken“ unter www.frankenhelfenfranken.de.

 

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