Wärmestube Bamberg
Rettungsinsel und Heimat für Menschen in Not
Petra besucht fast täglich die Wärmestube in der Siechenstraße. Sie gehört dort zu den Stammgästen der Einrichtung.
Petra besucht fast täglich die Wärmestube in der Siechenstraße. Sie gehört dort zu den Stammgästen der Einrichtung.
Ronald Rinklef
Manuela Nagl von Manuela Nagl Fränkischer Tag
Bamberg – Petra ist eine von rund 40 Bedürftigen, die fast täglich den Treffpunkt „Menschen in Not“ mit seiner Wärmestube in der Siechenstraße besucht. Das ist ihre Geschichte.

„Ich gehöre fast schon zum Inventar. So lange bin ich hier in der Wärmestube“, sagt Petra und lacht. Seit 1996 gibt es den Treffpunkt „Menschen in Not“ mit seiner Wärmestube in Bamberg und fast genauso lange schon ist die 61-Jährige unter der Woche dort fast täglich anzutreffen. „Außer, wenn ich krank bin oder einen Termin habe“, fügt Petra hinzu.

Die Wärmestube in der Siechenstraße ist für viele Bedürftige eine Rettungsinsel.
Die Wärmestube in der Siechenstraße ist für viele Bedürftige eine Rettungsinsel.
Ronald Rinklef

Der Treffpunkt „Menschen in Not“ ist eine ökumenische Einrichtung in Rechtsträgerschaft des Caritasverbandes für die Stadt Bamberg und des Diakonischen Werkes Bamberg. Der laufende Betrieb ist überwiegend durch Spenden finanziert und damit auch abhängig von der Großzügigkeit der Menschen. Aktuell benötigt die Wärmestube vor allem Geldspenden. Sachspenden werden derzeit nicht gesammelt.

Warmes Mittagessen unter der Woche

Die Wärmestube wird von Obdachlosen, Wohnungslosen und auch von Armut betroffenen Personen genutzt – völlig unabhängig von deren Religionszugehörigkeit, Nationalität, Geschlecht oder den Ursachen ihres Hilfebedarfs.

Die Betroffenen haben dort die Möglichkeit, sich kostenlos mit Essen und Getränken zu versorgen. Montags bis freitags gibt es in der Regel meist immer ein warmes Mittagsessen. Obdachlose können sich dort zudem duschen, ihre Wäsche waschen und gegebenenfalls auch ein Postfach eröffnen, um ihre Briefe zu empfangen.

Viele Tiefpunkte im Leben

„Die Mittagessen nutze ich oft als Anregung für mich, um neue Rezepte zu erhalten“, sagt Petra, die ursprünglich aus Bayreuth stammt. Allerdings lebt sie schon seit über 40 Jahren in der Domstadt. Ihr Leben ist von vielen Tiefpunkten geprägt. Bereits im jungen Alter von nur 17 Jahren wurde sie von ihrem Vater rausgeschmissen und hatte dann einige Jahre auf der Straße gelebt, erzählt sie ganz offen.

Über eine Bekannte kam sie dann mit kurzen Zwischenstopps in Nürnberg und Schwabach schließlich nach Bamberg und blieb hier. Sie jobbte als Babysitterin, um immer mal wieder ein paar Nächte der Straße entfliehen zu können.

Über eine andere Bekannte fand sie schließlich eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung. Zwar gab es dort Probleme mit dem Vermieter, doch seit über 20 Jahren hat sie eine neue Wohnung, die sie sich mit ihrem Lebensgefährten teilt und in der sie sich mehr als wohl fühlt.

Wärmestube bietet eine Gemeinschaft

Aber auch die Wärmestube ist für die 61-Jährige so etwas wie ein Zuhause geworden. Sie kommt täglich nicht nur für das kostenlose Mittagessen her, „obwohl das Mittagessen immer besser wird“, fügt Petra hinzu und lobt gleich darauf einen Freiwilligen für sein Pastagericht, das er vor kurzem zum ersten Mal für die Menschen dort gekocht hat. Sie kommt auch tagtäglich der Gemeinschaft wegen in die Wärmestube. „Mein Freund ist auf der Arbeit und zuhause alleine rumsitzen möchte ich auch nicht. Hier kann ich mich mit anderen unterhalten, wir spielen Brettspiele zusammen oder ich stimme mal ein Lied an“, sagt sie.

In die Wärmestube kann jeder kommen, der obdachlos oder von Armut betroffen ist.
In die Wärmestube kann jeder kommen, der obdachlos oder von Armut betroffen ist.
Ronald Rinklef

Diese Art der sozialen Grundversorgung ist laut dem Leiter der Wärmestube, Peter Klein, bei vielen der Besucher der Hauptgrund, warum sie hierher kommen. „Wo in Bamberg gibt es sonst einen Ort, an dem sich hilfebedürftige Menschen treffen und austauschen können, ohne Geld auszugeben? Hier bei uns finden Sie eine Gemeinschaft.“

Als langjähriger Stammgast ist Petra auch immer zur Stelle, wenn vor Ort Hilfe gebraucht wird. „Manchmal helfe ich anderen beim Ausfüllen ihrer Papiere fürs Amt oder greife den Freiwilligen unter die Arme. Es gibt immer etwas zu tun“, so die 61-Jährige.

Diese Hilfsbereitschaft und den Arbeitswillen hatte Petra schon immer. Doch entweder fehlte es an Geld, um die 61-Jährige als vollwertige Arbeitskraft einzustellen oder ihre gesundheitlichen Probleme machten ihr einen Strich durch die Rechnung.

„Das ist häufig der Fall bei den Menschen, die zu uns in die Wärmestube kommen. Ihre gesundheitlichen Probleme machen eine Integration im Arbeitsmarkt nicht möglich“, erklärt Peter Klein. Und Petra fügt hinzu: „Ich würde Putzen gehen oder so, aber ich kann noch nicht einmal meinen eigenen Haushalt führen. Das muss mein Lebensgefährte machen.“

Beklagen möchte sich die 61-Jährige aber nicht. „Da jetzt die Energiekosten gestiegen sind, nehme ich statt eines Heizkissens eben Wärmepflaster. Auf die kleinen Dinge kommt es im Leben letztendlich an!“

Spenden für die Wärmestube

Spendenkonto: Mediengruppe Oberfranken – Franken helfen Franken e.V.
Sparkasse Bamberg
IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01
BIC: BYLADEM1SKB

Mehr Infos zum Spendenverein „Franken helfen Franken“ unter www.frankenhelfenfranken.de.

 

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