Unfallgefahr
Sicher fahren bei Schnee: Bamberger Experten geben Tipps
Jetzt sind Winterreifen das A und O – sie sollten aber eine Profiltiefe von mindestens vier Millimeter haben.
Jetzt sind Winterreifen das A und O – sie sollten aber eine Profiltiefe von mindestens vier Millimeter haben.
candy1812/adobestock.com
Christian Pack von Christian Pack, Markus Klein, Herbert Mackert Fränkischer Tag
Bamberg – Wintereinbruch in der Region: Wie Autofahrer im unfallreichen Winter sicher unterwegs sind und was besonders Besitzer von E-Autos beachten müssen.

Adventszeit: Kerzenschein, Budenzauber, Glühweinduft. Doch auf den Straßen geht es aktuell weniger romantisch zu. Viele Autofahrer wurden am Mittwoch aufgrund des plötzlichen Wintereinbruchs im wahrsten Sinne des Worte kalt erwischt.

Die Die Bamberger Service Betriebe (BSB) waren aufgrund der Wettervorhersage aber vorbereitet und hatten eine Nachmittagsschicht bereits eingeplant. Alle Fahrzeuge waren im Einsatz, ebenso alle Straßenreinigungskräfte. Der Einsatz verlief trotz teils schwieriger Verhältnisse störungsfrei. „Es gab keine besonderen Vorkommnisse“, sagt Sprecher Sebastian Martin.

Das könnte Sie auch interessieren:

Trotzdem sollten vor allem motorisierte Verkehrsteilnehmer aktuell ein paar Regeln und Vorsichtsmaßnahmen beherzigen. Gute Vorbereitung und vorausschauende Fahrweise sind entscheidend, mahnen Verkehrswacht Bamberg und ADAC Nordbayern.

Auto winterfit machen

Im Winter sind zuallererst die passenden Reifen wichtig. In Deutschland herrscht laut Straßenverkehrsordnung die situative Winterreifenpflicht. Das heißt, bei Witterungsbedingungen mit Glatteis, Schneeglätte und Schneematsch müssen die entsprechenden Pneus aufgezogen sein. „Unter vier Millimeter Profiltiefe sind Winterreifen, obwohl gesetzlich zulässig, für den Wintereinsatz nicht mehr sicher und sollten getauscht werden“, so Wolfgang Lieberth, Verkehrsexperte beim ADAC Nordbayern.

Beleuchtung prüfen

Darüber hinaus sollten Beleuchtung und Kühlerfrostschutz geprüft werden. Für eine gute Sicht sind neben sauberen Scheiben und dem Kontrollieren der Wischer auch ein ausreichender Scheibenfrostschutz von Bedeutung, weil Schnee und Streusalz immer wieder Rückstände auf der Scheibe verursachen, sagt Matthias Wenninger, Vorsitzender der Verkehrswacht Bamberg.

Tagfahrlicht sei bei Schneefall nicht ausreichend. Wenninger empfiehlt deshalb, die Lichtautomatik bei solchen Bedingungen ab- und das Abblendlicht einzuschalten. Die Nebelschlusslichte sollte wirklich nur bei Nebel, die Nebelscheinwerfer vorne können aber auch bei schlechter Sicht, etwa bei Schneefall eingesetzt werden. Eiskratzer, Schneebesen und eine Decke sollten ebenfalls mit an Bord sein.

Komplett von Schnee befreien

Vor dem Losfahren muss das Fahrzeug komplett von Schnee und Eis befreit werden – „Nicht nur die Scheiben, sondern auch das Dach, die Motorhaube und den Kofferraum, das vergessen viele“, betont Wenninger. Ansonsten könnte die eigene Sicht und die des nachfolgenden Verkehrs durch herabfallende Schneereste beeinträchtigt werden.

E-Auto: Weniger Reichweite, Rutschgefahr

Elektroautos haben im Winter Einbußen. ADAC-Messungen zufolge reduziert sich die Reichweite bei niedrigen Temperaturen um bis zu 30 Prozent. Um dem entgegenzuwirken, hilft ein Vorheizen des Autos, solange es noch am Stromnetz angeschlossen ist. Hier sollte man aber unbedingt auf die Ladeleistung des Anschlusses achten.

Darüber hinaus lässt sich die Reichweite des Elektrofahrzeugs durch das Einschalten der sparsameren Sitzheizung anstelle der Innenraumheizung optimieren.

E-Autos könnten zudem durch die Rekuperation ins Schleudern geraten, warnt Wenninger. Diese erzeugt Strom, wenn beim Elektroauto das Gaspedal losgelassen oder die Bremse betätigt wird – „quasi wie ein umgekehrter Dynamo.“ Dies sollte ausgeschaltet werden. Wenn das nicht geht und der E-Autofahrer ins Rutschen kommt, empfiehlt Wenninger, auf „Neutral“ umzuschalten.

Notfalls im zweiten Gang anfahren

Die gefahrene Geschwindigkeit muss immer den Witterungsbedingungen angepasst sein. Wenn die Sichtweite unter 50 Meter sinkt, darf man nicht schneller als 50 Stundenkilometer fahren, informiert der ADAC. Sofern das Fahrzeug über eine Schaltung verfügt, ist es bei starkem Schneefall sinnvoll, notfalls im zweiten Gang anzufahren, um ein Durchdrehen der Räder zu verhindern.

Auch bei einer Automatik sollte man besonders vorsichtig mit dem Fahrpedal umgehen und ein eventuell vorhandenes Winterfahrprogramm aktivieren. Ansonsten sind niedertouriges Fahren und bei freier Strecke eine kurze Bremsprobe hilfreich. Ruckartige Lenkbewegungen sollten vermieden werden.

Nebenstraßen vormittags meiden

Wer morgens früh los muss, sollte sich auf die Hauptstraßen konzentrieren, rät Wenninger. „Denn die werden immer vor den Nebenstraßen geräumt.“ Lieber solle man einen Stau auf der Hauptstraßen in Kauf nehmen, als die Sicherheit von sich und anderen auf ungeräumten Straßen zu riskieren.

Wenninger selbst ist Pendler, arbeitet in Nürnberg. Während des Gesprächs steht er im Stau. „Immer dasselbe im Winter. Mir reicht’s, ich hole mir ein 49-Euro für die Bahn!“

 

Lesen Sie auch: 

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: