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280 Mitarbeiter vor Rauswurf
Nächste Eskalationsstufe bei Traditionsfirma Valeo
Valeo FTE Automotive Ebern ist ein Traditionsunternehmen und prägt die Kleinstadt seit Jahrzehnten
Valeo FTE Automotive Ebern ist ein Traditionsunternehmen und prägt die Kleinstadt seit Jahrzehnten // Sebastian Schanz
Ebern – Nun wird ein Arbeitsrichter aktiv: Der Streit um den geplanten Stellenabbau bei Valeo in Ebern geht in die nächste Eskalationsstufe. Besonders jüngere Mitarbeiter müssen mit Kündigungen rechnen.

Aus der Drohnenperspektive zeigt sich, wie sehr FTE Automotive Ebern prägt – nicht nur in Sachen Stadtbild. Die Kleinstadt ist im Norden geradezu um die Traditions-Fabrik herum gewachsen. Das 1100 Mitarbeiter große Werk ist eine Säule der Wirtschaftsregion, lange Zeit eine feste Größe in der Automobilindustrie rund um Bamberg. 

Abwärtsspirale droht bei Valeo FTE Automotive Ebern

Entsprechend tief sind die Sorgenfalten: „Ich finde die Situation des Unternehmens besorgniserregend“, sagt Mitarbeiterin Magda-Anna Stöhr aus Kirchlauter. Denn immer deutlicher wird, dass Valeo den Stellenabbau auf die harte Tour durchdrücken will. 

Mitarbeiterin Magda-Anna Stöhr aus Kirchlauter arbeitet bei Valeo FTE Automotive in Ebern
Mitarbeiterin Magda-Anna Stöhr aus Kirchlauter arbeitet bei Valeo FTE Automotive in Ebern // Sebastian Schanz

Das sagt der Arbeitgeber Valeo

280 der 1100 Beschäftigten sollen gehen, weil in Ebern Profitabilität als auch Wettbewerbsfähigkeit „unter dem Niveau anderer Werke“ lägen. Das bestätigt Valeo-Sprecher Andreas vom Bruch. Zu den aktuellen Entwicklungen war er am Donnerstag jedoch nicht erreichbar. Doch gerade diese neuesten Entwicklungen machen klar: Die Zeichen stehen auf Kahlschlag. 

Gewerkschaft IG Metall Bamberg mit deutlicher Kritik

„Die Gespräche mit der Geschäftsführung von Valeo Ebern haben Mitte Februar begonnen, Anfang April wurde einseitig durch den Arbeitgeber das Scheitern der Verhandlungen erklärt“, berichtet Martin Feder. Und der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg findet dafür deutliche Worte: „Für uns ist völlig klar: Es wurde nur pro forma verhandelt, man hatte seitens des Arbeitgebers zu keinem Zeitpunkt ein ernsthaftes Interesse daran, mit uns über Alternativen zum Stellenabbau von 280 Menschen zu sprechen.“

Auch Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister hatte sich mehr Offenheit von Valeo-Seite erhofft. „Der Arbeitgeber will direkt die Einigungsstelle einschalten. Aus Sicht der Interessenvertretung geht das alles sehr schnell. Die Sorgfalt lässt zu wünschen übrig.“ Bei den Gesprächen hätten die Arbeitnehmervertreter noch nicht einmal alle relevanten Informationen und Antworten auf ihre Fragen erhalten. 

Nun wird ein Arbeitsrichter eingeschaltet, um eine Einigung zu erzielen. Der Kampf um Arbeitsplätze am Werk Ebern wird damit eine Eskalationsstufe hoch katapultiert. 

„Der Geschäftsführung geht es am Ende nur darum, die 280 Kolleginnen und Kollegen möglichst schnell und möglichst billig vom Hof zu jagen“, schimpft Gewerkschaftler Feder. „Das gesamte Verhalten der Arbeitgeberseite während der Verhandlungen zeigt deutlich, dass diese Geschäftsführung keinen Respekt vor der Belegschaft hat.“

Arbeitskampf in Ebern

Es wird ein hartes Ringen um jede Stelle geben – das zeichnet sich ab. Die IG Metall Bamberg als mächtigste Industriegewerkschaft der Region gibt sich kampfeslustig: „Das deutsche Arbeitsrecht sieht vor, dass bei größeren Personalabbau-Maßnahmen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zunächst über Alternativen verhandeln“, sagt Feder und kündigt Konsequenzen an: „Macht der Arbeitgeber das nicht, hat er Nachteile zu erwarten, wenn es dann um die Abfindungssummen der gekündigten Mitarbeiter geht.“

Überraschend kommt die harte Linie bei Valeo nicht. Geradezu eisern hatten sich die Franzosen in den vergangenen Jahren geweigert, Zukunftstechnologien und Investitionen nach Ebern zu bringen. Versuche des Betriebsrates, Innovations-Ideen made in Franconia der Firmenleitung schmackhaft zu machen, scheiterten. Zukunftsprojekte gingen an andere Werke. Ebern ging leer aus. 

Doch ohne Zukunftsprojekte keine Zukunft – eine gefährliche Abwärtsspirale droht. 

Betriebsrat wartet vergeblich auf Antworten

„Wir wollen ja verstehen, was Valeo plant. Deshalb haben wir viel gefragt. Es macht ja vielleicht wirklich Sinn, die ein oder andere Maschine rauszunehmen“, zeigt sich Sonja Meister sogar gesprächsbereit. Nun aber sehen sich die Betriebsräte mit düsteren Aussichten konfrontiert. 

Valeo-Mitarbeiter protestieren gegen massiven Stellenabbau in Ebern
Valeo-Mitarbeiter protestieren gegen massiven Stellenabbau in Ebern // Sebastian Schanz

„In der Einigungsstelle wird in der Regel ein Sozialplan verhandelt, darunter meist ein Freiwilligenprogramm“, erklärt Meister. Wer aus freien Stücken in die Rente geht oder Valeo verlässt, wird dafür in der Regel mit einer Abfindung gelockt. „Doch je schlechter das mit Finanzmitteln ausgestattet ist, desto mehr Kündigungen drohen.“ 

Und während ältere Mitarbeiter arbeitsrechtlich meist besser geschützt seien, werde es vor allem Nachwuchskräfte treffen. „Junge Menschen sind meistens die ersten, die gehen müssen. So schade und falsch es auch ist. Dabei sind es ja gerade sie, die mit moderner Technik schnell zurechtkommen.“

Aktionen gegen den Stellenabbau geplant

Kampflos aufgeben wollen die Eberner nicht. Mehrere Protestaktionen sind geplant. So soll sich am Samstag, 20. April, ab 17 Uhr eine Menschenkette um das Eberner Valeo-Werk spannen.

Die Botschaft ist klar: FTE Automotive ist für Ebern ein Traditionsunternehmen. Die Firma wuchs im Zweiten Weltkrieg ab 1943 als Standort der Schweinfurter FAG Kugelfischer auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerks. 1993 wurde FTE als eigenständige Firma ausgegliedert. 

Nach mehreren Käufen und Verkäufen durch Finanzinvestoren hofften die Eberner Mitarbeiter 2016 auf eine nachhaltige Entwicklung, als die französische Firma Valeo das Ruder übernahm. 

„Endlich mal ein Stratege, haben wir damals gedacht“, erinnert sich Sonja Meister. Doch von der Euphorie ist heute nichts mehr übrig. 

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