Die Schlagzeilen der vergangenen Jahre zu Maschinenbau Leicht (MBL) waren von Krisenstimmung geprägt. Im Frühjahr 2021 hat Hallstadts zweitgrößter Arbeitgeber 120 Leute entlassen. Eine Transfergesellschaft wurde gegründet. Jeder vierte der 450 Beschäftigten musste gehen. Danach ist es still geworden um das Unternehmen in der Valentinstraße.
Massenentlassungen erschüttern Maschinenbau Leicht
Bis in der vergangenen Woche Meldungen von einem anderen angeschlagenen Unternehmen die Runde machten: Webasto, ein Autozulieferbetrieb mit 16.000 Mitarbeitern aus dem Raum München, geht es schlecht. Kenner der Branche wissen: Gesellschafter bei Webasto ist Gerhard Mey – jener Unternehmer, der über die Mey-Gruppe Maschinenbau Leicht gekauft hat.
Es ist ein offenes Geheimnis in Hallstadt, dass die Mey-Gruppe die schwächelnde Kasse bei MBL schon mehrfach mit Geldspritzen aufgepäppelt hat.
Ist die Krise bei Webasto über Umwege also auch eine Krise für Maschinenbau Leicht?
Das sagt der neue Geschäftsführer bei MBL
Nein, antwortet Jochen Michael Schmidt. Der 49-Jährige ist seit Juni 2024 als Geschäftsführer in Hallstadt aktiv und betont: „MBL ist komplett autark von Webasto. Wir haben keinerlei Geschäftsbeziehungen. Wir sind ein selbstständig agierendes Unternehmen.“
Zur Rolle von Gerhard Mey sagt Schmidt: „Herr Mey gibt uns einen Rahmen vor, bei gewissen Investitionen treffen wir Entscheidungen gemeinsam. Ansonsten möchte er mit seiner Mey-Group Partner im Deutschen Maschinenbau sein, eine bedeutende Maschinenbaugruppe aufbauen.“
Investor Gerhard Mey wollte die Münchener Löwen kaufen
Der 67-jährige Unternehmer Mey stand 2017 im Rampenlicht, weil er den Fußballverein 1860 München kaufen wollte – ohne Erfolg. Abseits der Löwen hat er ein Firmennetzwerk geschaffen, das sich auf die Bereiche Maschinenbau und Automotive konzentriert – da passte Maschinenbau Leicht vor zehn Jahren gut ins Portfolio.
„Ich stehe absolut zu dem Investment, auch wenn das nicht zu allen Zeiten so leicht war“, sagte Mey 2020 im FT-Gespräch. „Aber ich komme aus einer großen Industriellenfamilie. Wir machen nichts Leichtfertiges, sondern stehen zu den Themen.“
In Hallstadt installierte Mey 2019 seinen Vertrauten Rolf Welzmiller als Geschäftsführer – der sich als harter Sanierer erwies. Welzmiller kappte den Draht zur Industriegewerkschaft IG Metall, hielt den Umsatz bei rund 35 Millionen Euro und setzte ein Sparprogramm auf, dessen Höhepunkt die Massenentlassung 2021 bildete.
Der neue Geschäftsführer will MBL breit aufstellen
Nun also hat Welzmiller Maschinenbau Leicht verlassen – und in die Hände von Jochen Michael Schmidt gegeben. Und der verbreitet demonstrativ Optimismus: „Die Mitarbeiter hören natürlich viel in den Medien und machen sich Sorgen. Wir versuchen Sicherheit reinzubringen“, sagt der neue Chef von noch 330 Mitarbeitern. Und: „Wir stehen stabil.“
Schmidt ist selbst gelernter Maschinenbauer und seit über 30 Jahren in der Industrie tätig – ein Trumpf im Werk. „Wir stellen den besten bayerischen Azubi im Handwerk. Auf Ausbildung legen wir großen Wert.“ 28 junge Leute lernen bei MBL. Eigenen Nachwuchs heranziehen, ist deshalb so wichtig, weil die Jobs bei Maschinenbau Leicht eine große Bandbreite haben und mehr Eigenverantwortung erfordern als an hoch spezialisierten Produktionsbändern.
Statt nach dem Flächentarif der IG Metall bezahlt MBL nur nach dem Tarif der Christlichen Gemeinschaft Metall (CGM).
Stellenabbau ist laut Geschäftsführung kein Thema
Stellenabbau ist laut Geschäftsführer Schmidt derzeit kein Thema. „Wir setzen ganz klar darauf, unser Personal zu halten und brauchen das auch für unsere zukünftigen Projekte und für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung.“
Schmidt erklärt: „Wir haben für das erste und das zweite Quartal 2025 eine Beschäftigungssicherung ausgesprochen. Die Betriebsvereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Wir bewerten das in Q2 nochmal neu. Meine Erwartung ist, dass es im Q3 wieder aufwärts geht, und ich rechne für das Q4 mit guten Auftragseingängen.“
Die Bamberger Autoindustrie in der Krise
Die Zeiten sind angespannt. Bosch, Brose und Schaeffler entlassen Mitarbeiter. Freilich spürt das 1965 gegründete Unternehmen die Krise der deutschen Industrie ebenfalls. „Die Konjunktur ist gerade im Werkzeugmaschinenbau schwierig. Es gibt eine große Investitionszurückhaltung, wegen Planungsunsicherheit.“
Aktuell bekommt Schmidt oft Initiativbewerbungen von Autobauern auf den Schreibtisch. „Generell suchen wir nicht, aber bei Fachkräften für Großanlagen, Experten und Spezialisten für Prozesse und Technologien schauen wir ganz genau hin, wer sich da bewirbt“, sagt er dazu.
Ein Vorteil bei MBL ist, dass die Firma nicht nur auf die Automobilindustrie angewiesen ist, die in einem Abwärtsstrudel gefangen scheint. „Wir sind heute so weit aufgestellt, dass wir Auftragsfertigung machen, aber auch komplette Baugruppen und komplette Maschinen bauen.“
MBL: Rüstungsindustrie und Medizintechnik
Diesen Weg will Schmidt weitergehen: „Wir haben die Weichen gestellt hin zu mehr Diversifikation, wollen uns breit aufstellen“, sagt der Schwabe. Neben der Automobilindustrie sei MBL deshalb stark aktiv in der Medizintechnik, liefert Bauteile für CTs und MRTs. „Auch in der Defense-Wehrtechnik sind wir im Bereich Landsysteme aktiv und forcieren dieses Feld, weil Sicherheit ein Grundbedürfnis der Menschen ist.“ Und bei der Energieerzeugung mittels großer Motoren haben die Hallstadter ebenfalls Produkte. „All das gibt uns Sicherheit, damit wir immer das Grundrauschen an Aufträgen haben, das nötig ist.“
Schmidt zeigt sich bewusst selbstsicher – vermutlich, um seine Mitarbeiter mit dem Optimismus anzustecken.
„Ich sehe uns in fünf Jahren als Industrieunternehmen auf Augenhöhe mit dem renommierten deutschen Maschinenbau in den Branchen, die wir beliefern.“ Technologieführer im Bereich Präzisionskomponenten und funktionsrelevante Bauteile, Baugruppen und für ganze Maschinen: Das gibt er als Ziel aus. „Wir wollen die Flexibilität als Handwerksbetrieb erhalten und uns zum Schlüsselpartner der Industrie weiterentwickeln“
Und dann sagt Schmidt etwas, was einen ganz neuen Ton an der Valentinstraße anstimmt: „Mir ist der Mannschaftsgeist sehr wichtig. Jeder trägt seinen Beitrag bei und bringt sich mit seiner Expertise und seinem Können ein.“
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