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Bezahlbarer Wohnraum
Lagarde: Bambergs spannendstes Projekt
In den „Lagarde Höfen“ entstehen derzeit für 100 Millionen Euro 350 Wohnungen, davon die Hälfte mietpreisgedeckelt oder -gedämpft.
In den „Lagarde Höfen“ entstehen derzeit für 100 Millionen Euro 350 Wohnungen, davon die Hälfte mietpreisgedeckelt oder -gedämpft. // Ronald Rinklef
Signet des Fränkischen Tags von Herbert Mackert
Bamberg – Acht Jahre nach dem Abzug des letzten GIs der US-Armee wird auf der Lagarde Richtfest gefeiert. Im neuen Stadtteil sollen einmal 2500 Menschen leben.

Für Andreas Stahl ist das, was auf dem Gelände der ehemaligen Lagarde-Kaserne entsteht, nichts weniger als eine Sensation. „Es ist die Wärmeversorgung der Zukunft, es ist die Möglichkeit, mit niedrigen Temperaturen ein ganzes Quartier warm zu bekommen“, sagt der Geschäftsführer der Volksbau GmbH.

Der Name und das Unternehmensmotto „Wohnen für alle“ klingen ein bisschen nach Volkssolidarität und DDR-Sozialismus, als eine der auf dem Areal tätigen Bauunternehmen scheint die Firma aber die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Klimawandel, Inflation und Energiekrise will sie mit ökologischem und gemeinschaftsorientiertem Wohnungsbau, der noch dazu erschwinglich sein soll, begegnen.

Lagarde: Kaufpreis 5000 Euro pro Quadratmeter

Finanziert durch die auf ökosoziale Investitionen ausgerichtete Umweltbank müssen ein Viertel der im Teilbereich „Lagarde Höfe“ für 100 Millionen Euro entstehenden 350 Wohnungen an Menschen mit Wohnberechtigungsschein, ein weiteres zu „preisgedämpften“ Mieten vermietet werden.

Doch wer Eigentum erwerben will, muss dennoch rund 5000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlen.

Hochmodernes Heizsystem auf dem Lagarde-Campus

Die Häuser erreichen mindestens den Effizienzhaus-Standard KfW 40, werden mit Öko-Kalksteinen und recycelten Dämmstoffen errichtet. Nur für zwei Drittel der Wohnungen wird es Autoparkplätze geben. Den Rest decken Mobilitätskarten ab, mit denen der ÖPNV, Carsharing und Lastenräder genutzt werden können.

Auch die Stadtwerke betreten auf dem 20 Hektar großen neuen Herzstück des Bamberger Ostens Neuland. Die hier entstehenden 29 Gebäude werden zu 70 Prozent aus Energien beheizt, die die Erde und wir Menschen selbst gratis zur Verfügung stellen: Erdsonden zapfen die Wärme in 120 Metern Tiefe an und Kollektoren sammeln die menschliche Abwärme, die in der Kanalisation steckt. Wärmepumpen erhitzen damit Wasser, das dann über die Wasserleitung und die Fußbodenheizung in die Wohnungen strömt.

Lagarde: Photovoltaik und Blockheizkraftwerke

Den Strom für die Wärmepumpen erzeugen Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Wird an sonnenreichen Tagen zu viel Strom produziert, wird er in Batterien in der Energiezentrale gespeichert.

Überschüssige Wärme wird unterhalb der Gebäude gespeichert. Nur an kalten Tagen im Winter springen zwei erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke an, um die Wärmepumpen zu betreiben.

„Bambergs spannendstes Projekt“

Stadtwerke-Chef Michael Fiedeley schwärmt von dem innovativen Wärmekonzept. „Wir investieren 18 Millionen Euro in ein Modellvorhaben, das anderen Städten als Blaupause für moderne Stadtentwicklung dienen wird.“

Für Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ist die Lagarde das spannendste Projekt, das in Bamberg derzeit verwirklicht wird. „In einer Stadt müssen Kräne stehen, das zeigt die Dynamik einer Kommune und die Investitionsfreude von Unternehmern, dass sie Bamberg für das richtige Pflaster für ihre Erwartungen ansehen“, sagt er beim Richtfest für die Lagarde Höfe.

Die Stadt wächst auf 85.000 Einwohner

Neben der Verleihung des Welterbetitels sei der Abzug des letzten US-Soldaten 2014 das wichtigste Ereignis in der Nachkriegsgeschichte der Stadt gewesen, als ein Zehntel der Stadtfläche für neue Nutzungen frei wurde. Auf dem „völlig überhitzten Wohnungsmarkt“ sei die drängendste Nutzung der Bau neuer Wohnungen.

Denn Bamberg, so Starke, werde laut Prognosen als einzige Stadt in Oberfranken in den nächsten fünf Jahren weiter wachsen – von heute 78.000 auf 85.000 Einwohner.

2500 Menschen sollen auf der Lagarde leben

„Das zeigt, wir werden mehr Wohnraum, mehr Kitaplätze, mehr Kulturangebote, mehr schulische Einrichtungen brauchen.“ Auf der gesamten Lagarde sollen bis 2030, wenn einmal alles fertig ist, rund 2500 Menschen wohnen und bis zu 1000 arbeiten.

Innovativ ist auch, dass bei einigen der Mehrfamilienhäuser anstelle eines Bauträgers die künftigen Eigentümer selbst die Planung und Beauftragung der Bauleistungen übernommen haben. Jede dieser Baugemeinschaften wird dabei von einem Projektleiter wie Markus Schäfer unterstützt.

Was Bauherren auf der Lagarde sagen

„Wer bei einem Elternabend schon nach einer Viertelstunde die Vollkrise bekommt, ist in einer Baugemeinschaft definitiv falsch am Platz“, räumt der Architekt ein. Doch am Ende lohne sich die Mehrarbeit für die künftigen Eigentümer – denn sie bestimmen selbst über Gestaltungsfragen, Material- und Farbauswahl bis zum Konzept für den Gemeinschaftsraum.

Nils Schmeinck ist einer der Bauherren, der seinen Einzug für Juni nächsten Jahres anpeilt. Er sagt, die Hausgemeinschaft freue sich über die Beschlüsse des Stadtrats für eine kulturelle Nutzung der Reithalle und auf eine lebendige Quartiersentwicklung. Neben mehr Elektro-Ladesäulen stehe angesichts der hohen Geburtenrate im Quartier eine eigene Lagarde-Schule auf der Wunschliste.

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