Infolge eines schweren Verkehrsunfalls auf der A70 verstarb am Wochenende ein Siebenjähriger. Für Angehörige bricht in so einer Situation die Welt zusammen. Aber auch an Einsatzkräften gehen derartige Katastrophen nicht spurlos vorbei. Aus diesem Grund gibt es im Kreisfeuerwehrverband Forchheim eine Fachgruppe für Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV).
Forchheims Feuerwehr: Hilfe gegen psychische Belastungen
„Als Feuerwehrmann bekommt man Dinge zu sehen, die eigentlich keiner sehen möchte“, berichtet Sebastian Müller, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Kirchehrenbach. Vorbereiten könne man sich darauf etwa anhand der Alarmierung im Vorfeld nur schwer. Wenn man beispielsweise zu einem Verkehrsunfall ausrücke, müsse man immer damit rechnen, dass man etwas Schlimmes zu sehen bekomme.
Einsätze mit Kindern besonders schlimm
„Am schlimmsten sind oftmals nicht unbedingt jene Fälle mit besonders extremen Verletzungsmustern, sondern solche, die einen persönlich treffen, weil man sich mit den Opfern oder ihren Angehörigen identifiziert“, berichtet Müller. Ein Beispiel hierfür seien etwa Einsätze mit Kindern. „Seit ich selbst Kinder habe, bewegen mich solche Situationen deutlich stärker“, erläutert er. Auch als er von dem Vorfall an der A70 las, habe er kurzzeitig einen Kloß im Hals gehabt.
Feuerwehr Forchheim: Psychische Gesundheit wichtig für Feuerwehren
„Belastend ist es auch immer, wenn man ein Unfallopfer persönlich gekannt hat“, erzählt Timo Sokol, Sprecher der Forchheimer Feuerwehr. Dies sei gerade für Feuerwehren in kleineren Ortschaften, in denen eigentlich jeder jeden kenne, eine große Herausforderung. Ganz besonders gelte dies etwa, wenn es um einen Feuerwehrkameraden ginge. „Dann sind nicht nur einzelne betroffen, sondern die ganze Truppe“, erläutert Sokol. Aus diesem Grund sei es üblich, dass man, wenn man an einem Unfallort ein Nummernschild erkenne, mitunter versuche, die Einsatzleitung an eine andere ebenfalls alarmierte Feuerwehr von auswärts abzugeben und selbst bei der Absicherung unterstütze.
Dies sei jedoch nicht immer möglich und könne auch nicht garantiert verhindern, dass ein Feuerwehrmann etwas erlebe, das ihn im Nachgang beschäftigt. Seit etwa zwei Jahrzehnten ist psychische Gesundheit jedoch auch bei der Feuerwehr ein wichtiges Thema. Etwa als fester Bestandteil in der Grundausbildung junger Kameraden. Außerdem gibt es im Landkreis eine eigene PSNV-Fachgruppe. Diese ist mit speziell ausgebildeten Feuerwehrleuten besetzt, die Kameraden im Zuge besonders belastender Einsätze unterstützen sollen.
Vertrauen unter Einsatzkräften
„Unsere Aufgabe ist zunächst einmal zuhören“, erklärt Matthias Roppelt, der dieser kreisübergreifenden Truppe an Spezialisten angehört. Zwar handle es sich bei ihm und seinen Kollegen nicht um studierte Psychotherapeuten, da sie selbst aktive Feuerwehrleute seien, würden sie jedoch „den richtigen Stallgeruch“ mitbringen. Das erlaube es Einsatzkräften, Vertrauen zu fassen und sich zu öffnen.
„Wir bewirken keine Wunder. Aber das auszusprechen, was einen belastet, kann schon helfen, den Druck abzubauen, der einen belastet“, erklärt Roppelt. Früher seien solche Belastungen kein Thema gewesen. Inzwischen habe sich das glücklicherweise aber geändert. So wird die Fachgruppe, wenn manche Stichworte im Rahmen der Alarmierung fallen, automatisch mit alarmiert. Ebenso sei es jedoch auch möglich, dass Kommandanten PSNV nachfordern. Dieses Angebot werde gut angenommen.
Feuerwehr Kirchehrenbach: Kommandant veranlasst Nachbesprechung
„Als Kommandant ist es meine Aufgabe, meine Leute im Blick zu behalten“, betont Sebastian Müller. Dazu gehöre auch die Fähigkeit einschätzen zu können, ob jemand sich direkt nach einem Einsatz anders verhalte als sonst. „Für eine Freiwillige Feuerwehr gibt es kaum etwas Schlimmeres, als wenn Einsatzkräfte infolgedessen, was sie bei einem Einsatz erlebt haben, das Ehrenamt aufgeben“, erklärt er. Schließlich werde jeder Mann und jede Frau gebraucht.
„Wenn wir einen belastenden Einsatz hatten, ist es üblich, dass ich zumindest diejenigen, die an vorderster Front waren, nochmal zu einer Nachbesprechung zurückbehalte“, erläutert er. Hierbei sei es hilfreich, wenn ein Mitglied des PSNV-Teams unterstütze. Manchmal fände diese Besprechung aber auch mit der ganzen Truppe statt.
Gedanken nach Einsatz belastend
Damit ist es in Bezug auf seine Fürsorgepflicht jedoch nicht getan. Auch Tage nach einem Einsatz können in den Köpfen von Einsatzkräften noch Bilder hochkommen. „Aus diesem Grund rufe ich manchmal auch noch später bei Kameraden an, um zu kontrollieren, wie es ihnen geht“, erzählt Müller. Dies werde stets gut angenommen und führe mitunter dazu, dass Betroffene sich öffnen. Auch dann könne PSNV nachgefordert werden. Helfe dies nicht, sei auch eine Psychotherapie denkbar. Die Kosten hierfür müsse als Träger der Feuerwehr dann die zuständige Kommune übernehmen.
„Oftmals macht man sich gerade im Nachgang noch Gedanken, ob man etwas anders hätte machen sollen“, erklärt Timo Sokol. Dies sei insbesondere der Fall, wenn Menschen gestorben oder schwer verletzt worden seien. „Dann muss man sich bewusst machen, dass es einfach nicht besser ging“, betont er. Manchmal komme man als Retter einfach schlicht zu spät, um ein Leben zu retten.
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