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Gewalt gegen Einsatzkräfte
Rentnerin nach Streit mit Feuerwehr vor Gericht
Am Amtsgericht Forchheim gab es am Dienstag einen Prozess wegen eines Angriffs auf Feuerwehrleute.
Am Amtsgericht Forchheim gab es am Dienstag einen Prozess wegen eines Angriffs auf Feuerwehrleute. // Marijan Murat, dpa
Forchheim – Weil sie an einer Absperrung der Feuerwehr Kirchehrenbach versucht hat, einfach weiterzufahren, ist eine Frau nun vom Amtsgericht Forchheim für schuldig befunden worden.

Gewalt gegen Einsatzkräfte ist in Deutschland heute leider keine Ausnahmeerscheinung. Dies belegt unter anderem eine aktuelle Befragung des Deutschen Feuerwehrverbands aus dem Jahr 2023. Der zufolge gab jeder zweite Befragte an, in den vorhergehenden zwei Jahren bei einem Einsatz beleidigt worden zu sein, jeder dritte sei zudem von Autofahrern damit bedroht worden, dass man ihn anfahre. Wegen eines derartigen Falls stand nun eine Rentnerin vor dem Amtsgericht Forchheim.

Rentnerin beteuert Unschuld

Wie die Staatsanwaltschaft erklärte, soll die Frau am 25. Juni des vergangenen Jahres mit ihrem Toyota eine Bekannte zu ihrer Wohnung in Pretzfeld gefahren haben. Kurz vor dem Ortseingang sei die Straße jedoch infolge eines Unfalls gesperrt gewesen. Statt der Umleitung zu folgen, sei die Dame mit Schrittgeschwindigkeit auf die Absperrung zugefahren, weshalb ein Mitglied der Feuerwehr Kirchehrenbach gezwungen worden sei, sich auf ihre Motorhaube zu stürzen, um nicht überrollt zu werden. Folglich werfe man der Frau einen Fall von Nötigung vor.

„So wie das geschildert wurde, war die Situation nicht“, erklärte die Angeklagte aufgebracht. So sei ihr Ziel keineswegs gewesen, die Absperrung zu durchbrechen, noch habe sie versucht einen Feuerwehrmann anzufahren. Auch sei sie sich sicher, dass sie den mutmaßlichen Geschädigten nicht mit ihrem Fahrzeug berührt habe. „Ich bin nur links ran gefahren, um zu schauen, was los ist“, betonte sie. So habe ihre Bekannte angegeben, dass sie glaubte, einen der Wehrler zu kennen und fragen zu können, ob sie durch die Sperrung passieren dürften.

Wortgefecht mit Beifahrerin

Die Reaktion der Einsatzkräfte sei jedoch alles andere als freundlich gewesen. Kaum seien sie angekommen, habe ein Feuerwehrmann, welcher bei dem Einsatz keine Uniform getragen habe, mit seinen Fäusten auf ihre Motorhaube geschlagen und angefangen sie zu beschimpfen. Als ihre Bekannte das Fenster heruntergefahren habe, um ihre Fragen zu stellen, habe er ihr barsch geantwortet – wodurch dann ein Wortgefecht zwischen den beiden entfacht sei. „Wortführerin bei dem Streit war meine Beifahrerin“, sagte die Seniorin. Sie selbst sei von dem Verhalten des Feuerwehrmanns viel zu schockiert gewesen, um mit ihm zu sprechen. Letztendlich habe sie schließlich ihr Fahrzeug gewendet und eine andere Route genommen.

„Falls ich etwas aufgebracht war, möchte ich mich dafür entschuldigen“, erklärte die Beifahrerin. Sie habe lediglich fragen wollen, was geschehen sei, und ob es für Anwohner möglich wäre, durch die Sperrung zu fahren. Darauf habe der Feuerwehrmann jedoch geantwortet, dass sie das nichts angehe und sie sowie ihre Bekannte nun erst recht nicht passieren dürften. Und das obwohl sein Kollege sie eigentlich habe durchwinken wollen, weil er sie kenne. „Wenn die jetzt etwas anderes behaupten, dann, weil sie sich miteinander abgesprochen haben“, betonte sie.

Feuerwehrmann schildert Vorfall

In den Beschreibungen der drei geladenen Feuerwehrmänner hörte sich der Sachverhalt tatsächlich deutlich anders an. So etwa gab keiner der drei an, eine der Damen persönlich zu kennen. „Natürlich hatten wir unsere Uniformen an“, erklärte zudem der Wehrler, welcher sich im späteren Verlauf der Geschichte auf der Motorhaube des Toyotas wiederfand. Aufgrund des heißen Wetters hätten sie an der Absperrung jedoch ihre Jacken ausgezogen und stattdessen Warnwesten getragen.

„Aufgrund der Sperrung haben die Fahrzeuge oben am Berg gestanden“, berichtet er. Dann sei ein Fahrzeug jedoch ausgeschert und auf ihn zugefahren. Dabei habe er sich zunächst nichts Schlimmes gedacht. „Das kommt schon mal vor, dass einer zu uns fährt und wissen will, was passiert ist“, erzählte er. Als er der Toyota-Fahrerin das Zeichen zum Anhalten gegeben habe, habe sie statt zu bremsen immer wieder leicht Gas gegeben und sei so mit zügiger Schrittgeschwindigkeit auf ihn zugekommen.

Beifahrerin aggressiv

Um sie aufzuhalten, habe er sich ihr in den Weg gestellt. Letztendlich habe er sich aber auf ihre Motorhaube werfen müssen, um nicht überrollt zu werden. „Um auf sich aufmerksam zu machen, hat der Kollege dann angefangen auf die Motorhaube zu klopfen“, berichtete sein Kamerad, der etwas entfernt stand. Daraufhin habe die Beifahrerin das Fenster heruntergekurbelt und das Geschrei sei losgegangen.

„Die Beifahrerin war total aggressiv und hat gefordert, dass wir sie durchlassen, weil sie Anwohnerin sei“, erinnerte sich der Dritte. Dies sei jedoch nicht möglich gewesen. In ihrer aufgebrachten Verfassung habe sich die Frau jedoch auf kein vernünftiges Gespräch mit seinem Kameraden einlassen können.

Ein Monat Fahrverbot

„Diese Sachen mit Einsatzkräften gehen gar nicht“, erklärte die vorsitzende Richterin nach der Vernehmung aller Zeugen. Sie halte die Version der drei Feuerwehrmänner für deutlich glaubwürdiger als jene der beiden Damen. Aus diesem Grund spreche sie die Fahrerin wegen Nötigung in Tateinheit mit tätlichem Angriff schuldig und verurteile sie zu einer Strafe von 50 Tagessätzen in Höhe von je 60 Euro. Da ihr Tatwerkzeug ein Auto gewesen sei, erhalte sie zudem einen Monat Fahrverbot. Diese Strafe treffe sie möglicherweise hart, da sie in einem kleinen Ort ohne Einkaufmöglichkeiten lebe, sie sei aber laut der Richterin noch am unteren Limit.

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