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Gewalt gegen Einsatzkräfte
„Ich hoffe diese Frau liest das hier“
Die Frau ignorierte die Straßensperrung, fuhr direkt auf den Feuerwehrmann zu und touchierte ihn.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Frau ignorierte die Straßensperrung, fuhr direkt auf den Feuerwehrmann zu und touchierte ihn. // Grafik: Maximilian Arnold
Kirchehrenbach – Eine Frau bedrängt einen Feuerwehrmann aus Kirchehrenbach an einer Straßensperre mit ihrem Auto – ohne Rücksicht darauf, ihn dabei verletzen zu können. Wie die Feuerwehr damit umgeht.

Johannes war gerade beim Mittagessen mit seiner Frau, als der Alarm den entspannten Sonntagnachmittag unterbrach.

Es war bereits der zweite Einsatz für die Feuerwehrmänner aus Kirchehrenbach am vergangenen Sonntag: Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person in Pretzfeld. Der 29-Jährige machte sich sofort auf den Weg.

Die Straße musste voll gesperrt werden. Mit drei Kameraden stand Johannes, der Gruppenführer war, an der Abzweigung nach Altreuth, um den Verkehr umzuleiten. In der Autoschlange, die sich durch die Sperrung bildete, stand eine Fahrerin, die nicht mehr warten wollte.

Auf die Motorhaube fallen lassen

Sie scherte aus der Schlange aus und fuhr auf die Feuerwehrmänner zu. „Ich habe gedacht, sie bleibt stehen. Sie fuhr aber weiter, wurde zwar langsamer, aber hat mich einfach weiter geschoben. Ich habe mich dann auf ihre Motorhaube fallen lassen, sonst wäre sie mir noch über die Füße gefahren“, sagt Johannes.

Wüst beschimpft

Verletzt wurde der mutige Feuerwehrmann, der auch seine Kameraden schützen wollte, also nicht. Als sie stehen blieb, ging es jedoch weiter mit wüsten Beschimpfungen. Sie sei Anwohnerin und müsse durch. Sie sei völlig aufgebracht gewesen. Sie flüchtete schließlich über einen Feldweg. Die Polizei, die wegen des Unfalls vor Ort war, verfolgte die Autofahrerin sofort, erwischte sie allerdings nicht mehr. „Ich war völlig perplex, dass sie auf mich drauf gefahren ist. Was alles hätte passieren können, das wurde mir erst im Nachhinein bewusst, als ich mit meiner Frau darüber geredet habe“, sagt Johannes.

Eine Anzeige erstattet er allerdings nicht. „Da mir nichts passiert ist, kann die Polizei ohnehin nicht viel machen. Aber ich hoffe sie liest das hier und denkt darüber nach, was sie getan hat.“

Kommandant Müller „Es wird gefühlt immer schlimmer“

Sebastian MülerForchheim & Fränkische Schweiz
Sebastian Müler // privat

Unsere Redaktion hat auch mit Sebastian Müller, Kommandant der Feuerwehr Kirchehrenbach, über den Vorfall gesprochen.

Wie gehen Sie mit dem Vorfall um?

Sebastian Müller: Man muss natürlich noch mal gemeinsam über das Ganze reden.Vor allem mit den vier Feuerwehrleuten, die bei dem Vorfall direkt dabei waren. Es war beispielsweise ein Feuerwehrmann dabei, der noch ganz jung und auch frisch dabei ist. Wie verarbeitet er das? Da habe ich schon ein Auge drauf. Es gibt auch Kurse zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte oder auch Konfliktmanagement. Das möchte ich mittelfristig auf jeden Fall angehen.

Mehren sich solche Vorfälle?

Motzer und Meckerer haben wir schon immer. Egal ob wir für den St. Martins- oder den Faschingsumzug die Straße sperren. Aber es wird gefühlt immer schlimmer. Die Mentalität hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Mir geht so ein Verhalten einfach nicht in den Kopf. Wir haben an einem Sonntag Nachmittag bei 30 Grad im Schatten auch Besseres zu tun, als uns an die Straße zu stellen. Da meine Frau auch in der Feuerwehr tätig ist, haben an diesem Tag zwei Mal Oma und Opa unsere Kinder übernommen. Auch wir haben etwas anderes vorgehabt. Doch an sowas denken viele nicht und ihnen ist alles wurscht. Hauptsache durch. Das ist oft sehr egoistisch. Da fehlt schon oft das Verständnis, die Rücksichtnahme und der Respekt der Freiwilligen Feuerwehr gegenüber. Wir machen das Ganze nicht aus Spaß an der Freude.

Woran denken Sie liegt das: Sie sind als Feuerwehr vor Ort, um zu helfen, und werden dafür auch noch angegriffen.

Wieviele Leute sind noch bereit, ein Ehrenamt zu übernehmen? Und die Freiwillige Feuerwehr ist nicht vergleichbar mit Fußball oder Gesangsverein. Wir müssen dauernd trainieren und einsatzbereit sein. Du kannst es nie planen. Nachts schneidest du einen Verletzten aus dem Auto heraus und kurz darauf musst du im Büro sein. Es sind viele nicht mehr bereit, das mitzumachen. Und sich dann auch noch blöd anreden oder gar über die Füße fahren zu lassen. Die Gesellschaft hat sich verändert durch Corona und politische Geschehnisse und ist mehr in einen Egoismus verfallen.Es ist schade, dass es soweit gekommen ist. Zum Glück war der Vorfall am Sonntag für uns bisher eine Ausnahme.

Was wünschen Sie sich von den Autofahrern, die bei einer Straßensperrung mal warten müssen?

Locker bleiben, Fenster runterkurbeln und sich immer vor Augen führen: Die Leute, die da stehen, egal ob Polizei oder Feuerwehr, stehen da nicht zum Spaß. Jede Straßensperrung ist unangenehm für jeden. Für uns, für den Wartenden. Wer Kinder im Auto hat, kann sie gerne auch mal ins Feuerwehrauto setzen lassen. Sofern es die Situation natürlich zulässt. Aber anstatt sich aufzuregen sollte man lieber froh und dankbar sein, dass es Feuerwehrleute gibt, die da parat stehen, und dass man selbst nicht betroffen ist und Hilfe braucht.

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