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Sankt Augustin
Forchheims Feuerwehren zeigen Solidarität
So sah die Trauerflor an den Kirchehrenbacher Feuerwehrfahrzeugen im Sommer 2021 aus. Damals wurde die Schleife angebracht, um Solidarität zu den Opfern der Flutkatastrophe im Ahrtal zu signalisieren.Forchheim & Fränkische Schweiz
So sah die Trauerflor an den Kirchehrenbacher Feuerwehrfahrzeugen im Sommer 2021 aus. Damals wurde die Schleife angebracht, um Solidarität zu den Opfern der Flutkatastrophe im Ahrtal zu signalisieren. // Feuerwehr Kirchehrenbach
Forchheim – Zwei ehrenamtliche Feuerwehrleute in Nordrhein-Westfalen verlieren ihr Leben bei einem Einsatz. Viele Feuerwehren im Landkreis Forchheim zeigen sich bestürzt.

Sebastian Müller fehlen immer noch die Worte. Den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kirchehrenbach erreichte die Nachricht auf seinem Handy. „Das führt uns vor Augen, wie gefährlich unser Ehrenamt ist.“ Auf Facebook und Instagram trauern viele Freiwilligen Feuerwehren aus dem Landkreis um die zwei verstorbenen Feuerwehrleute aus Sankt Augustin, die bei einem Großbrand in Nordrhein-Westfalen am vergangenen Sonntag ums Leben gekommen sind. Bei den Verstorbenen handelte es sich um einen Mann und eine Frau.

Sebastian Müller und seine Mannschaft sind erschüttert. Fassungslos. Die Tragödie steckt ihm und vielen anderen Feuerwehrleuten, die ihren Dienst ehrenamtlich machen, in den Knochen. „Ich schlucke gewaltig“, sagt der zweifache Familienvater. So wie ihm geht es unter anderem auch Kreisbrandrat Oliver Flake. „Als Helfer selbst tödlich zu verunglücken, ist für jeden von uns die absolute Horrorvorstellung“, betont er. Auch wenn das Potenzial für ein Unglück wie in Sankt Augustin theoretisch bei jedem Einsatz gegeben sei.

Kirchehrenbach bisher verschont

Bei der Feuerwehr Kirchehrenbach hat man laut Sebastian Müller bisher Gott sei Dank nichts Vergleichbares erlebt. Und wie Oliver Flake bestätigt, seien auch die anderen Wehren im Landkreis, soweit er sich erinnere, bislang von derartigen Tragödien verschont geblieben. Das Schlimmste, an das er sich erinnern könne, seien Kameraden, die aufgrund von Rauchvergiftungen oder gebrochenen Knochen ins Krankenhaus gebracht werden mussten. „Aber jeder Einzelne von uns muss sich jeden Tag bewusst sein, dass wir richtig große Scheiße sehen können“, betont Müller. Manchmal seien die Bilder, die einen erwarteten, nur schwer zu ertragen.

„Auch mir sind glücklicherweise aus der Region bisher nur Fälle bekannt, bei denen Kameraden bei Unfällen mit dem Einsatzfahrzeug schwer verletzt wurden“, berichtet Forchheims Stadtbrandmeister Timo Sokol. Der jüngste dieser Einsätze habe sich vor erst zwei Monaten in Eggolsheim abgespielt. Solche Einsätze gingen einem ganz besonders unter die Haut. Dies erkläre in seinen Augen auch, warum die Anteilnahme so groß sei. „Nach so einem Unglück macht man sich sofort Gedanken, wenn man selbst zu Einsätzen ausrückt“, berichtet Sokol. Man unterhalte sich mit Kameraden, gehe im Kopf durch, was man tun könne, um eine solche Notlage zu vermeiden oder wie die richtige Verhaltensweise sei, wenn man in Not gerate. Auch im Rahmen der Ausbildung würden derartige Unglücke mitunter intensiv besprochen.

Unglücke trotz guter Ausbildung möglich

So auch in Kirchehrenbach: 53 Männer und Frauen sind hier ehrenamtlich bei der Feuerwehr. 35 davon seien auch Atemschutzgeräteträger. Regelmäßig treffen sie sich zur Ausbildung. „Und so ein Unglück zeigt auch, wie wichtig das ist. Dass man eben nicht sagen kann, heute komme ich mal nicht. Das können wir uns nicht leisten. Wir sind kein Zuchtverein, wir sind eine kommunale Einrichtung“, betont Sebastian Müller. Handhabung, Umgang, Training – all das müsse bei jedem Feuerwehrler in Fleisch und Blut übergehen.

Aber das Unglück in Sankt Augustin zeige genauso: „Du kannst noch so gut ausbilden, vor sowas bist du einfach nicht gefeit.“ Als Kommandant wolle er nicht in dieser Situation sein müssen.„Wenn dann der Platz auf dem Rückweg nach dem Einsatz leer ist, darauf kannst du dich nicht vorbereiten“, erklärt er.

Trauerflor bleibt bis Juli

Selbstverständlich hinterlasse jeder Kamerad, der sterbe, eine Lücke, die nicht einfach wieder gefüllt werden könne, findet Timo Sokol. Auch wenn jemand friedlich daheim dahinscheide. „Es gibt aber einen Unterschied, wenn jemand im privaten Umfeld stirbt oder im Dienst“, erklärt der Stadtbrandmeister. Schließlich führe dies einem deutlich vor Augen, wie schnell man selbst vom Retter zum Hilfsbedürftigen werden könne.

Um ihre Solidarität mit den Kameraden in Sankt Augustin zu zeigen, setzen seit Montag auch die Feuerwehren im Landkreis Forchheim ein Zeichen. So tragen die Feuerwehrfahrzeuge in Kirchehrenbach und in vielen anderen Gemeinden nun bis zum 2. Juli Trauerflor – eine schwarze Schleife. Der Aufruf hierzu erfolgte über den Deutschen Feuerwehrverband.

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