Als Helden betrachtet er sich nicht.
Und doch ist Bastian Gelbhardt mehr als nur zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle gewesen. Ohne das rasche Reagieren des 14-Jährigen wäre es in dieser Woche womöglich zu einer echten Brandkatastrophe in Weilersbach gekommen.
Wiese in Weilersbach brennt – Teenager verhindert Schlimmeres
Montag, 12. Juni, 15.27 Uhr: Bei der Integrierten Leitstelle meldet ein Jugendlicher eine brennende Wiese in Weilersbach, unweit des Schweizer Kellers.
Bastian Gelbhardt. Beim Vorbeifahren – zusammen mit einem Freund – entdeckt er Rauch, sieht das Feuer, greift instinktiv zum Handy und wählt den Notruf über die 112. Kurz darauf ist die Feuerwehr vor Ort und kann ein Ausbreiten des Brandes schnell verhindern.
Kommandant Michael Henkel: „Hätte Schlimmeres passieren können“
„Da hätte schnell sehr viel Schlimmeres passieren können“, sagte Michael Henkel, Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Weilersbach, kurz darauf im Gespräch mit dem FT. Der Waldrand ist von der Stelle nicht weit entfernt.
„Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn er nicht so schnell reagiert hätte“, sagte Henkel. Also hat purer Zufall eventuell einen Großbrand verhindert? Nicht ganz, denn der Jugendliche hat die Feuerwehrbekämpfung im Blut.
Ganze Familie Gelbhardt aus Weilersbach bei der Feuerwehr aktiv
Bastian Gelbhardt ist fast 15 Jahre alt, geht in Ebermannstadt zur Schule, spielt Fußball, macht gerade seinen Mopedführerschein. Ein ganz normaler Jugendlicher. Zumindest fast.
„Seit acht Jahren bin ich nun schon bei der Feuerwehr“, erklärt er stolz. Angefangen hatte er mit sechs Jahren bei den Bambinis, in der Jugendfeuerwehr ist er seit fast drei Jahren aktiv. Bei richtigen Einsätzen bleibt er zwar vorerst auf der Zuschauerbank.
„Aber ich freue mich schon darauf, wenn es richtig los geht, sobald ich 18 bin.“
Was es heißt, „wenn es richtig losgeht“, kennt der Schüler seit seiner Geburt:
Papa Christopher Gelbhardt, 46, ist seit mehr als 30 Jahren Feuerwehrmann in Weilersbach.
Mama Carmen, 45, ist seit 25 Jahren dabei.
Schwester Leonie, 18, holte sich ebenfalls schon als Bambini erste Erfahrungen, heute betreut sie selbst eine Kindergruppe.
Auf den ersten Blick verrät in dem Wohnzimmer der Familie mit dem wunderschönen Blick aufs Walberla nichts über ihre Feuerwehrverrücktheit.
Bis man beim Genauerhinschauen die vielen Piepser entdeckt, die nebeneinander griffbereit auf den Kühlschrank auf Empfang lauern.
Großeltern im Haus erleichtern Feuerwehrfamilien-Orga
„Es kann schon vorkommen, dass wir plötzlich alle gemeinsam von einer Grillfeuer aufbrechen müssen“, erzählt Mama Carmen. Auch früher, als Bastian und seine Schwester noch klein waren, musste sie und ihr Mann blitzartig verschwinden. Zusammen.
Einmal war es dummerweise sogar am Geburtstag der Tochter. „Zum Glück wohnen die Großeltern mit im Haus, dann ging das immer ohne Probleme. Aber wenn die Sirene heult, dann geht es zum Einsatz. Entweder ich bin dabei oder eben nicht.“
Mutter und Tochter Gelbhardt zu Brand in Weilersbach ausgerückt
Schon als kleiner Junge habe Basti die Autoschlüssel gebracht, wenn die Piepser schrillten und die Eltern zur Haustür stürmten, erinnert sich Carmen Gelbhardt.
Seit kurzem springt nach einem Notruf auch noch die 18-jährige Leonie in ihre Uniform. In der Regel dann gemeinsam mit den Eltern.
So auch am Montag, als die Böschung am Auerberg brannte. Hätte Papa Christopher Gelbhardt nicht gerade Schichtdienst geschoben, wäre wohl die gesamte Feuerwehr-Familie an dem Einsatz beteiligt gewesen. Einer bis zum Notruf, drei danach.
Feuerwehrnachwuchs in Weilersbach gut aufgestellt
Gut 70 Aktive zählt die Freiwillige Feuerwehr Weilersbach, hinzu kommen 17 Jugendliche und mehr als 30 Kinder. „Aktuell können wir uns über mangelnden Nachwuchs nicht beschweren“, sagt der stellvertretende Kommandant Markus Friedel.
Aber Einsätze seien nicht vorseh- oder gar planbar. Es habe Jahre mit 20 Fällen gegeben, aber auch andere mit mehr als 50. Aktuell leidet die Natur unter Trockenheit, die Gefahr von Wald- und Wiesenbränden nimmt zu. „Umso besser ist es natürlich, dass zum Teil ganze Familien mit dabei sind“, sagt er. Für den Fall der Fälle.
Wie die Gelbhardts, die innerhalb der eingeschworenen Feuerwehrfamilie dennoch eine kleine Besonderheit darstellen. Natürlich wird trotz des roten Feuerwehrfadens am Abendbrottisch nicht ständig nur über Steigleitungen, Druckschläuche und Achtknoten gesprochen.
„Vor allem nach Einsätzen reden wir aber über das Erlebte. Innerhalb der Löschtruppe, aber auch der Familie“, sagt Carmen Gelbhardt. „Manche Einsätze, wie schlimme Unfälle zum Beispiel, gehen an die Nieren. Darüber zu sprechen, hilft.“
Noch bei Jugendfeuerwehr, richtige Einsätze ab 18
Von nervenaufreibenden Erfahrungen ist Bastian Gelbhardt selbst bisher verschont geblieben.
Auch über die Alarmierung wegen des Böschungsbrands, was viele Menschen wohl aufregend genug gefunden hätten, spricht er ziemlich cool. Aber wer mit Löschwasser in den Adern aufwächst, den schockt nicht viel.
Heiß her wird es für den 14-Jährigen jetzt am Samstag im Freizeitpark Schloss Thurn gehen. Dann wird Bastian und vielen anderen Mitgliedern von Jugendfeuerwehren im Landkreis Forchheim die Jugendflamme, eine Art Ausbildungsnachweis, abgenommen.
Eins der Prüfungsthemen lautet: Notruf absetzen.
Diese Disziplin dürfte dem Weilersbacher spätestens nach den Erfahrungen dieser Woche wohl ganz leicht von der Hand gehen.
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