Thomas Schmidt lebt mit seiner Frau und seinen zwei Hunden mitten im Herzen der Fränkischen Schweiz. Es ist einer dieser letzten warmen Tage bevor der Herbst richtig beginnt, und die Sonne scheint vom Himmel. Wer Thomas Schmidt begegnet, würde nie darauf kommen, dass es ihm nicht gut geht. Er trägt keinen Gips am Arm, er humpelt nicht und doch ist sein Leben geprägt von einer Krankheit.
Thomas Schmidt heißt eigentlich ganz anders. Um offen über seine Erfahrungen sprechen zu können, möchte er seinen Namen aber lieber nicht öffentlich machen. Schmidt leidet seit rund fünf Jahren an einer schweren Depression. Durch die Erkrankung kann er seinen Beruf nicht mehr ausüben, seit zwei Jahren ist er pensioniert.
Depression: Selbstzweifel und Rückzug
Er habe sich schon immer irgendwie anders gefühlt, versucht Schmidt zu erklären. Dadurch sei er auch auf der Arbeit immer wieder angeeckt, habe das Gefühl gehabt, sich verbiegen zu müssen. Bis es irgendwann nicht mehr ging. Er bricht auf der Arbeit zusammen, schließt sich zu Hause ein, fragt sich: „Warum ich?“ Immer wieder plagen ihn Selbstzweifel, bei Fehlern sucht er die Schuld sofort bei sich, die kleinsten Konflikte sind für ihn unerträglich – typische Symptome einer Depression.
Thomas Schmidt ist mit seiner Krankheit nicht allein. Laut der Deutschen Depressionshilfe erkranken 8,2 Prozent der Menschen zwischen 18 und 79 Jahren im Laufe ihres Lebens an einer depressiven Störung. Psychische Erkrankungen zählen laut der DAK-Gesundheit 2023 in Bayern zu den häufigsten Gründen für Fehltage. Der wichtigste Krankschreibungsgrund darunter waren Depressionen.
Trauriger Höhepunkt: ein Suizidversuch
Wie schwierig es ist, sich Hilfe zu suchen und einen Umgang mit der Krankheit zu finden, das hat auch Schmidt erlebt. Klinikaufenthalt, Therapie, Medikamente. An einem Punkt versucht er sogar, sich das Leben zu nehmen – ein Symptom der lebensbedrohlichen Krankheit. Heute spricht Schmidt sehr nüchtern über seine bisherigen Erfahrungen. Hinter ihm liegt bereits ein langer Weg.
Selbst kleine Dinge, wie einen Kaffee trinken gehen, schienen für ihn zeitweise unmöglich. „Ich hab mich eingeschlossen hier auf dem Grundstück und bin nicht rausgegangen“, erzählt er. Sich selbst als krank zu beschreiben, sei ihm lange schwergefallen.
“„Ich bin so nicht aufgewachsen. Man geht arbeiten und ist nur krank, wenn ein Bein fehlt.“
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Depressionen sind aus seiner Sicht noch immer mit gewissen Vorurteilen verbunden, vor allem, was die Leistungsfähigkeit angeht. Schnell würde es heißen: „Mit dem kann man ja nichts mehr anfangen.“ Wie sehr er seinen Beruf vermisst, ist Schmidt anzumerken, wenn er über seine Arbeit spricht.
Neue Selbsthilfegruppe im Landkreis Forchheim
Was ihm neben Therapie und Medikamenten sehr geholfen hat, ist der Austausch mit anderen Betroffenen. Seit drei Jahren besucht er regelmäßig eine Selbsthilfegruppe in Erlangen. „Man merkt, man ist nicht allein“, erklärt Schmidt. Im Landkreis Forchheim gibt es bisher keine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen. Das will Schmidt ändern. Ab 7. Oktober möchte er Betroffenen in Ebermannstadt eine Anlaufstelle für gemeinsamen Austausch bieten.
Kein leichter Schritt. „Ich hab mich jetzt zwei Jahre damit herumgeärgert in meinem Kopf, bis ich dann gesagt habe, okay, ich versuchs“, berichtet er. Die Selbsthilfegruppe soll ein geschützter Raum sein, Ort und Zeit sind nicht öffentlich, sondern können beim Awo Selbsthilfebüro erfragt werden. Gerade auf dem Land sollen die Teilnehmenden so möglichst gut vor neugierigen Blicken geschützt werden.
Schmidt macht sich im Vorfeld viele Gedanken. Werden Leute kommen? Wie werden sie auf ihn reagieren? Auch hier mischen sich die Selbstzweifel und die Angst vor Kritik unter. „In meinem Herzen bin ich jemand, der für die Schwachen kämpft und sich immer für Menschen eingesetzt hat, die Hilfe brauchen. Und jetzt, wenn einer mich nur mit dem Finger anstupst, würde das sofort zusammenbrechen“, beschreibt er seine Sorgen und kämpft dabei mit den Tränen. Trotzdem will Schmidt den Versuch wagen, um „mir selber zu helfen und jemandem eine Chance zu geben, dass er sich an so einem Ort vertrauensvoll hinwenden kann.“
Selbsthilfe: Austausch unter Betroffenen hilft
Selbsthilfegruppen seien eine wichtige Ergänzung zum professionellen Angebot, erklärt Gudrun Herderich vom Selbsthilfebüro der Awo Bamberg. „Gerade im Bereich Depression ist es wichtig, Isolation und Rückzug abzubauen, was mit der Erkrankung einhergeht“, erklärt Herderich. Gegenseitiges Verständnis unter Betroffenen könne helfen, im Alltag besser zurechtzukommen.
Herderich bestätigt, dass es im Landkreis Forchheim bisher keine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen gibt. Die Gruppe in Bamberg sei aktuell voll, die nächste in Erlangen. Auch, wenn es immer normaler werde, dass man im Laufe des Lebens eine depressive Phase erlebe, sei der offene Umgang nicht so leicht. „Man redet jetzt nicht am Stammtisch oder im Verein darüber.“ Umso wichtiger sei ein geschützter Rahmen für Austausch.
Thomas Schmidt kämpft auch weiterhin jeden Tag aufs Neue, immer wieder aufzustehen. Durch die neue Selbsthilfegruppe in Ebermannstadt kann er vielleicht bald ein Stück des steinigen Weges mit anderen Betroffenen aus der Region gemeinsam gehen.
Depression – Hier finden Sie Unterstützung
Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen
Wer unter Depressionen leidet, fühlt sich oftmals isoliert und vom sozialen Umfeld unverstanden. Die Gruppe kann im gemeinsamen Austausch Unterstützung und Erleichterung bieten. Betroffene sind herzlich willkommen. Ein erstes Treffen findet statt am Montag, 7. Oktober, um 19 Uhr in Ebermannstadt. Nähere Informationen im Awo Selbsthilfebüro Bamberg/Forchheim, Tel. 0951/91700940
INSEL Sozialpsychiatrischer Dienst Forchheim
Die Beratungsstelle unterstützt Menschen mit seelischen Belastungen und psychischen Erkrankungen und deren Angehörige in Forchheim. Weitere Informationen gibt es unter www.skf-bamberg.de
Info-Telefon Depression
Bei Fragen zur Erkrankung Depression und zu Anlaufstellen in Ihrer Nähe hilft das Info-Telefon Depression der Deutschen Depressionshilfe unter der Tel. 0800 / 33 44 533.
Telefonseelsorge bei akuten Krisen
Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222.
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