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Interview
Stark im Burnout: Leiterin der Selbsthilfegruppe im Gespräch
Carola Lüker-AsciuttiForchheim & Fränkische Schweiz
Carola Lüker-Asciutti leitet seit 2016 zusammen mit einer Kollegin die Selbsthilfegruppe in Forchheim. // Katharina Steinhäuser
Forchheim – Wer unter Burnout und Erschöpfung leidet, der findet in der Selbsthilfegruppe in Forchheim Austausch mit anderen Betroffenen. Im Interview spricht Leiterin Carola Lüker-Asciutti über ihre Arbeit.

Konzentrationsstörungen, Schlafprobleme, Hoffnungslosigkeit – all das sind mögliche Symptome bei einem Burnout. Betroffene ziehen sich oft immer mehr zurück, vernachlässigen ihre Interessen und die Leistungsfähigkeit sinkt. Nicht nur Stress auf der Arbeit, sondern auch private Probleme oder Schicksalsschläge können zu Erschöpfung führen.

Unterstützung finden Betroffene im Landkreis Forchheim unter anderem bei der Selbsthilfegruppe „Burnout und Erschöpfung“. Die Gruppe gibt es bereits seit über zehn Jahren, 2016 haben Carola Lüker-Asciutti und mit Ute Schmidt sie übernommen. Wir haben mit Carola Lüker-Asciutti darüber gesprochen, wie sie die Erkrankung erlebt und wie der Austausch helfen kann.

Interview Carola Lüker-Asciutti

Wie entsteht ein Burnout?

Jeder erlebt den Burnout anders. Oftmals schiebt man die Arbeit vor, aber meistens ist es ein Konglomerat aus vielen Themen. Die Arbeit ist oft ein Auslöser. Bei mir in meiner Funktion als Personalrätin war es oft nicht so, dass die Probleme unbedingt mit der Arbeit zusammenhingen, sondern auch mit Sorgen zu Hause.

Einer der Teilnehmer hat 28 Jahre Nachtschicht gearbeitet. Von daher hatte er kein soziales Leben. Das wieder auf die Reihe zu kriegen, war anstrengend. Oftmals ist es auch so, dass man sich viel aufbürdet und die eigenen Hobbys oder das, wo man wieder auftanken könnte, hinten anstellt.

Das heißt, stärkende Aktivitäten sind wichtig?

Natürlich. Man muss sich das vorstellen, wie ein Fass, dass man ständig ausleert. Deswegen muss man gucken, dass oben wieder was nachkommt und dass man für sich Tankstellen oder Anker findet, die einem guttun.

Warum ist der Austausch unter Betroffenen wichtig?

Erst einmal ist da die Erkenntnis: Ich bin nicht allein, es geht anderen auch so. Oft steckt eine Depression dahinter. Bei einer Depression ist es so, dass man sich am liebsten im Bett verkriechen will und gar nichts auf die Reihe bringt. Eine Dame war mal da, die hat gesagt, sie schafft nur eine Sache am Tag. Dennoch ist sie damit zufrieden. Andere, die haben keinen Burnout, sondern einen anderen Schicksalsschlag erlebt, aber sie fühlen sich wohl im Austausch bei der Gruppe.

Das heißt, man darf auch ohne Burnout kommen?

Es kann jeder kommen. Das kann auch ein Trauerfall sein. Einfach, was grade im Moment belastet.

Wie läuft so ein Gruppentreffen ab?

Wir treffen uns einmal im Monat um 19 Uhr. Wenn neue Leute da sind, stellen wir uns vor. Dann schaut man erst einmal: Wer hat als erstes Redebedarf? Oft ist es so, dass einer mit seinen aktuellen Themen anfängt.

Wie groß ist die Gruppe?

Das ist unterschiedlich. Manchmal sind es zwei Teilnehmer, das letzte Mal waren es zehn. Wir sind eine feste Gruppe, drei oder vier Teilnehmer kommen regelmäßig. Dann kommt wieder jemand dazu, der das in der Zeitung gelesen hat.

Kommen mehr Männer oder Frauen?

Das hält sich die Waage.

Ist es für Betroffene schwierig, sich vor fremden Menschen zu öffnen?

Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe. Es ist schön, dass unterschiedliche Menschen da sind. Es sind schon Freundschaften geschlossen worden. Ein Paar hat geheiratet. Die kannten sich aber glaube ich vorher schon. Ein anderer Teilnehmer wollte dagegen lieber anonym bleiben und seinen Namen nicht verraten.

Einmal war ein Vortrag drüben im Klinikum über Erschöpfungssyndrom. Als ich rausgegangen bin, stand in einer Ecke ein erwachsener Mann und hat bitterlich geweint. Ich habe überlegt, ob ich etwas sagen soll. Ein Jahr später kam er in die Gruppe. Beim Hinausgehen habe ich ihn gefragt: Hätten Sie sich gewünscht, dass ich Sie anspreche? Dann hat er gesagt: Ja. Das weiß man manchmal nicht. Dann kriegt man die Rückmeldung, dass sie sich schon ein Jahr lang vornehmen, in die Gruppe zu kommen, aber den Mut nicht finden oder die Kraft nicht haben.

Carola Lüker-AsciuttiForchheim & Fränkische Schweiz
Carola Lüker-Asciutti bekommt durch ihre Tätigkeit in der Gruppe einiges mit. Doch sie hat gelernt, damit umzugehen. // Katharina Steinhäuser

Inwieweit ist ergänzend psychologische Hilfe nötig?

Unser Austausch ist niedrigschwellig. Es ist jeder willkommen und wird da abgeholt, wo er steht. Viele haben einen Therapeuten. Die einen nehmen Psychopharmaka. Der nächste macht traditionelle chinesische Medizin oder nutzt Klangschalen. Darüber wird sich ausgetauscht. Alles nützt, je nachdem wie man den Zugang dazu hat.

Zum Beispiel auch autogenes Training und Entspannungsübungen. Nicht jede Entspannungsübung ist für alle Menschen passend. Mit 20 konnte ich mit Yoga oder autogenem Training nichts anfangen. Heute leite ich selbst Kurse an.

Fällt Ihnen ein konkretes Beispiel ein, wie die Gruppe geholfen hat?

Der Teilnehmer, der so lange Nachtschicht gearbeitet hat, hat sich da gut rausgearbeitet. Er kommt gern zu der Gruppe und ist schon so weit, dass er, wenn neue Teilnehmer kommen, Ratschläge gibt. Diese eigene Erfahrung, die die Menschen machen, die können sie weitergeben.

In so vielen Jahren bekommt man sicher einige schwierige Schicksale mit. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe gelernt, was ist meins und was ist deins. Das kann ich gut differenzieren. Ich habe selbst einiges erlebt und gehe Dank meiner Resilienz trotzdem nicht dabei zugrunde. Diese Widerstandskraft ist sehr wichtig.

Sind heute mehr Menschen erschöpft?

Das ist jetzt nicht im Kontext der Selbsthilfegruppe, aber es gibt durch Corona ein extra Krankheitsbild, den „Corona-Burnout“, diese Einsamkeit. Da kommt noch einiges auf unsere Gesellschaft zu. Aber auch Einsamkeit im Alter ist ein Thema.

Ist es noch ein Tabu, sich Hilfe zu suchen?

Das bricht mittlerweile auf. Ich finde, in der Gesellschaft ist es jetzt anders anerkannt. Es wird auch in den Medien öfter darüber berichtet. Daher ist es meines Erachtens kein Tabu-Thema mehr.

 

Infos zur Selbsthilfegruppe

Ort: Bürgerzentrum-Mehrgenerationen-Haus, Paul-Keller-Sraße 17, 91301 Forchheim

Termin: jeweils am zweiten Donnerstag des Monats, 19 Uhr – 21 Uhr

Kontakt: https://www.burnout-fo.de/Team-Kontakt/ 

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